Der militärische Konflikt in der Ukraine aus der Sicht des russischen Generalstabs

von Dr. Walter Post

Am 25. März veröffentlichte das russische Verteidigungsministerium eine Rede des Chefs der Operativen Hauptabteilung des Generalstabs der russischen Streitkräfte, Generaloberst Sergei Rudskoy. Diese Rede ist die bisher umfassendste Darstellung des derzeitigen militärischen Konflikts in der Ukraine aus russischer Sicht. Man kann diesen Text als russische Propaganda abtun, aber die Ausführungen von Generaloberst Rudskoy wirken in sich schlüssig und haben die militärische Logik auf ihrer Seite.

Nachdem in der Ostukraine, im Donbaß seit 2015 ein ständiger schleichender Bürgerkrieg ausgetragen worden sei, dem mittlerweile 14.500 Menschen, überwiegend Zivilisten, zum Opfer gefallen sind, habe die ukrainische Führung, so Rudskoy, für den März 2022 eine Großoffensive gegen die Volksrepubliken Donezk und Lugansk vorbereitet. Die oberste russische Führung habe die Wahl gehabt, die Volksmilizen der DNR und LNR bei der Verteidigung zu unterstützen, was aber langwierige Kämpfe mit ungewissem Ausgang zur Folge gehabt hätte. Oder aber die oberste russische Führung entschied sich für die „Große Lösung“: Die Einschließung der ukrainischen Hauptkräfte im Donbaß durch einen klassischen Zangenangriff von Norden her aus dem Raum Belgorod und von Süden her von der Krim. Die primären Ziele waren die Zerschlagung der ukrainischen Streitkräfte in der Ostukraine, die Befreiung des Donbaß von der Herrschaft Kiews sowie die Entmilitarisierung und Entnazifizierung der gesamten Ukraine. Generaloberst Rudskoy wörtlich: „Der Verlauf der Operation bestätigt die Richtigkeit dieser Entscheidung.“ Diese Darstellung von Rudskoy stimmt völlig mit einer Rede von Präsident Wladimir Putin vom 5. März überein, die dieser vor weiblichen Angehörigen der russischen Zivilluftfahrt gehalten hat. (Ich habe diese Rede wegen ihrer Bedeutung bereits für die SWG übersetzt)

Während in sämtlichen westlichen Medien derzeit die Erfolge der ukrainischen Armee gefeiert und die baldige Niederlage der Russen vorausgesagt werden, zeichnet Rudskoy ein völlig anderes Bild: Die russischen Operationen verlaufen nach Plan, die ukrainischen Streitkräfte haben den größten Teil ihrer schweren Waffen sowie ihrer Kampfflugzeuge und Hubschrauber verloren und sind kaum noch operationsfähig, die endgültige Zerschlagung der ukrainischen Hauptkräfte im Donbaß ist in Sichtweite.

Die jüngste Ankündigung des Kreml, angesichts gewisser ukrainisch-russischer Verhandlungsfortschritte in Istanbul die militärischen Aktivitäten in Richtung Kiew und Tschernigow reduzieren und sich stattdessen auf den Donbaß konzentrieren zu wollen, passt absolut zu dem militärischen Lagevortrag von Generaloberst Rudskoy. Das operative Hauptziel ist die Zerschlagung der starken ukrainischen Kräfte im Donbaß, nicht die Einnahme Kiews.

Rudskoy unterstreicht, daß die russische Kriegführung sich zum Ziel gesetzt habe, die Zivilbevölkerung und die zivile Infrastruktur möglichst zu schonen. Inwieweit die vielen Zahlenangaben, die Rudskoy macht, den Tatsachen entsprechen, ist von Mitteleuropa aus derzeit natürlich nicht nachzuprüfen, das Gesamtbild wirkt jedoch stimmig.

Der Text der Rede von Generaloberst Rudskoy wurde aus dem Russischen über eine Maschinenübersetzung ins Englische übertragen und in dieser Form von Andrei Raevsky („The Saker“) ins Internet gestellt.[1] Ich habe ihn aus dem Englischen ins Deutsche übertragen und mich bei einigen etwas unklaren Passagen um einen militärisch sinnvollen Zusammenhang bemüht; ob mir das immer gelungen ist, sei dahingestellt. Am Schluß habe ich etwas gekürzt. Nun der eigentliche Redetext:

Rede von Generaloberst Sergei Rudskoy am 25. März 2022 im russischen Vereidigungsministerium in Moskau

In Übereinstimmung mit der Entscheidung des Obersten Befehlshabers [Präsident Wladimir Putin] führen die Streitkräfte der Russischen Föderation seit dem 24. Februar dieses Jahres eine Besondere Militärische Operation durch. Ihr Hauptziel ist die Gewährung von Unterstützung für die Menschen der Volksrepubliken Lugansk und Donezk, die seit acht Jahren durch das Kiewer Regime einem Genozid ausgesetzt sind.

Es war unmöglich, dieses Ziel durch politische Mittel zu erreichen. Kiew hat sich öffentlich geweigert, die Minsker Abkommen umzusetzen. Die ukrainische Führung hat 2014 und 2015 zweimal versucht, das sogenannte Donbaß-Problem mit militärischen Mitteln zu lösen und wurde besiegt, änderte aber nichts an ihrem Plan, den Konflikt im Osten des Landes durch Gewalt zu lösen. Nach zuverlässigen Erkenntnissen waren die Streitkräfte der Ukraine [im Februar 2022] dabei, die Vorbereitungen für eine militärische Operation zur Erlangung der Kontrolle über das Territorium der Volksrepubliken abzuschließen. Unter diesen Bedingungen war es nur möglich, die Republiken Donezk und Lugansk zu unterstützen, indem ihnen direkte militärische Hilfe geleistet wurde. Was Rußland getan hat.

Es gab zwei Möglichkeiten für das weitere Vorgehen. Die erste war, die militärischen Operationen auf das Territorium der DNR [Abkürzung für Donezka Narodna Respublika] und der LNR [Abkürzung für Luganska Narodna Respublika] innerhalb der Verwaltungsgrenzen der Oblaste Donezk und Lugansk [vor 2014], wie sie in den Verfassungen der Republiken definiert sind, zu begrenzen. Aber dann wären wir mit der ständigen Zufuhr [von Waffen, Munition und Verstärkungen] durch die ukrainischen Machthaber an die Gruppierung konfrontiert gewesen, die die Operation des sogenannten Gemeinsamen Kampfverbandes hätte durchführen sollen. Deshalb wurde die zweite Option gewählt, die Kampfhandlungen auf dem Gebiet der gesamten Ukraine zur Durchführung der Maßnahmen zu ihrer Entmilitarisierung und Entnazifizierung vorsieht.

Der Verlauf der Operation bestätigt die Richtigkeit dieser Entscheidung. Sie wird vom Generalstab in strikter Übereinstimmung mit dem gebilligten Plan durchgeführt. Die Aufgaben werden ausgeführt unter Berücksichtigung der Minimierung der Verluste unter den Armeeangehörigen und der Minimierung des Schadens für die Zivilbevölkerung. Nach Beginn der Besonderen Militärischen Operation wurde die Luftherrschaft innerhalb von zwei Tagen errungen.

Offensivhandlungen der Streitkräfte der Russischen Föderation erfolgen in verschiedenen Richtungen. Im Ergebnis blockieren russische Truppen Kiew, Charkow, Tschernigow, Sumy und Nikolajew. Cherson und der größte Teil des Gebiets um Saporoschje sind vollständig unter unserer Kontrolle.

Die Öffentlichkeit und verschiedene Experten fragen sich, was wir im Gebiet der blockierten ukrainischen Städte machen. Die Kampfhandlungen werden durchgeführt mit dem Ziel, der militärischen Infrastruktur, der Ausrüstung und den Angehörigen der Streitkräfte der Ukraine solche Schäden zuzufügen, das im Ergebnis ihre Kräfte nicht nur gefesselt werden und sie keine Gelegenheit erhalten, ihre Kräftegruppierung im Donbaß zu verstärken, sondern es ihnen auch nicht möglich, dies zu tun, bis die russische Armee die Gebiete der DNR und LNR vollständig befreit hat. Ursprünglich haben wir nicht geplant, diese Städte zu erstürmen, um Zerstörungen zu vermeiden und die Verluste unter Militärangehörigen und Zivilisten möglichst gering zu halten.

Und obwohl wir eine solche Möglichkeit nicht ausschließen, werden sich unsere erfolgreich operierenden Kräfte auch weiterhin auf ihre Hauptaufgabe konzentrieren – die vollständige Befreiung des Donbaß. Weite Teile der Volksrepubliken Lugansk und Donezk sind bereits befreit worden.

Die Volksmilizen der DNR und LNR haben bereits die Kontrolle über 276 Ortschaften gesichert, die bisher von der Ukrainischen Armee und den nationalen Bataillonen beherrscht wurden.

Die Demilitarisierung der Ukraine ist durch hochpräzise Schläge gegen Einrichtungen der militärischen Infrastruktur, Standorte von Formationen und militärischen Einheiten, Flugplätze, Kontrollpunkte, Arsenale und Lagerhäuser für Waffen und militärische Ausrüstung erreicht worden, und durch Kampfhandlungen von unseren Truppen mit dem Ziel, gegenüberstehende feindliche Gruppierungen zu vernichten.

Gegenwärtig sind die ukrainische Luftwaffe und das Luftverteidigungssystem fast vollständig zerstört. Die Marinekräfte des Landes haben aufgehört zu existieren. 16 Hauptflugplätze, von denen Kampfeinsätze der Luftstreitkräfte der Ukraine geflogen wurden. sind zerstört. 39 Depots und Arsenale wurden zerstört, die etwa 70 Prozent aller Vorräte an Militärausrüstung, Material und Treibstoff enthalten haben, sowie mehr als 1.540.000 Tonnen Munition. Alle 24 Großverbände der Landstreitkräfte, die vor dem Beginn der Operation existierten, haben beträchtliche Verluste erlitten. Die Ukraine verfügt über keinerlei organisierte Reserven mehr. Ausfälle werden mit Wehrpflichtigen und auf Kosten der Territorialverteidigungskräfte aufgefüllt, die nicht die notwendige Ausbildung haben, was das Risiko großer Verluste erhöht.

Zum Zeitpunkt des Beginns der Besonderen Militärischen Operation umfaßten die Streitkräfte der Ukraine zusammen mit der Nationalgarde 260.200 Mann. Während der Kampfhandlungen, die seit nunmehr einem Monat andauern, beliefen sich ihre Verluste auf 30.000 Mann, darunter 14.000 Gefallene und Gefangene und etwa 16.000 Verwundete Von den 2.416 Panzern und gepanzerten Fahrzeugen, die am 24. Februar einsatzbereit waren, wurden 1.587 Einheiten zerstört; 636 von 1.509 Feldartilleriegeschützen und Mörsern; 163 von 535 Mehrfachraketenwerfern; 112 von 152 Flugzeugen; 75 von 149 Hubschraubern; 35 von 36 „Bayraktar“ TB2 Drohnen; 148 von 180 S-300 und Buk M1 Luftverteidigungssystemen; 117 von 300 Radarstationen für verschiedene Einsatzzwecke.

Die Streitkräfte der Ukraine setzen auch weiterhin wahllos besonders zerstörerische Waffen gegen die Städte im Donbaß ein. Ein Beispiel dafür sind die Schläge mit Raketensystemen „Tochka-U“ gegen die Zivilbevölkerung von Donezk und Makejewka. Diese Systeme sind deshalb Ziele ersten Ranges. Bis zum heutigen Tage wurden sieben „Tochka-U“-Abschußfahrzeuge vernichtet sowie 85 Prozent aller Raketen in ihren Arsenalen oder in der Luft zerstört. Dies hat die ukrainischen Fähigkeiten, sie im Kampf einzusetzen, erheblich eingeschränkt.

Seit Beginn der Feindseligkeiten haben westliche Länder an das Kiewer Regime 109 Feldgeschütze, 3.800 Panzerabwehrwaffen, darunter „Javelin“, „Milan“, „Konkurs“, „NLAW“, M-72 und „Panzerfaust-3“, sowie „897“ Stinger- und „Igla“-MANPADS[2] geliefert. Dies verlängert den Konflikt, erhöht die Zahl der Opfer und wird den Ausgang der Operationen nicht beeinflussen. Der wirkliche Zweck dieser Waffenlieferungen ist nicht der, die Ukraine zu unterstützen, sondern einen langandauernden militärischen Konflikt „bis zum letzten Ukrainer“ herbeizuführen.

Wir verfolgen zeitnah die Aussagen der militärischen und politischen Führung verschiedener Länder über ihre Absichten, Flugzeuge und Flugabwehrsystem an die Ukraine zu liefern. Im Falle der Ausführung – wir werden es nicht unbeachtet lassen. Wir hören auch Versicherungen von NATO-Führern zur Nichteinmischung in diesen Konflikt. Gleichzeitig schlagen einige Mitgliedstaaten der Nordatlantischen Allianz vor, den Luftraum über der Ukraine zu schließen. Ich möchte sie auf die Tatsache aufmerksam machen, daß die Streitkräfte der Russischen Föderation auf solche Versuche sofort angemessen reagieren werden.

Um eine Wiederherstellung von Waffen und militärischen Geräten der ukrainischen Streitkräfte, die Kampfschäden erlitten haben, zu verhindern, zerstören die russischen Streitkräfte Reparatureinrichtungen, Arsenale, Depots und Lagerhäuser mit präzisionsgelenkten Waffen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden 30 Schlüsselbetriebe des militärisch-industriellen Komplexes von Flugkörpern der Typen Ch-101, „Kalibr“, „Iskander“ und „Kinschal“ getroffen, die 68 Prozent aller Waffen und Ausrüstungen reparierten, die während der Kampfhandlungen außer Gefecht gesetzt worden waren. Russische moderne Waffensysteme haben sich im operativen Einsatz als sehr genau, zuverlässig und leistungsfähig erwiesen.

Ich möchte betonen, daß die Streitkräfte der Russischen Föderation keine Einrichtungen der zivilen Infrastruktur, auch keine Flußbrücken angreifen und zerstören. Im Gebiet der militärischen Operationen wurden 127 Brücken zerstört. Alle wurden von ukrainischen Nationalisten gesprengt, um den Vormarsch unserer Truppen aufzuhalten. Ein weiteres Beispiel von Rücksichtslosigkeit ist die Verminung der Zufahrten zu den Häfen von Odessa, Otschakow, Tschernomorsk und Juschnoje, in denen 400 Ankerminen veralteten Typs verlegt wurden. Wenigstens zehn Minen haben sich losgerissen und treiben im westlichen Teil des Schwarzen Meeres, was für Kriegsschiffe und zivile Seefahrzeuge eine wirkliche Gefahr darstellt.

Die um sich greifende Kriminalität, das Plündern und Marodieren und der Tod von Zivilisten wurden verursacht von der vom ukrainischen Regime veranlaßten massiven und unkontrollierten Verteilung von zehntausenden von Handfeuerwaffen an die zivile Bevölkerung, darunter an aus dem Gefängnis entlassenen Kriminellen. Die Situation wird sich in Zukunft weiter verschlimmern.

Der Verlauf der Kampfhandlungen und die Zeugenaussagen von Zivilisten, die die blockierten Städte verlassen haben, sowie von gefangenen ukrainischen Soldaten zeigen, daß die heutige Widerstandskraft der Streitkräfte der Ukraine auf der Furcht vor Repressalien durch Neo-Nazis beruht. Ihre Vertreter sind in alle militärischen Einheiten eingebettet. Die Hauptstütze des Kiewer Regimes sind nationalistische Formationen wie „Asow“, „Aidar“, „Rechter Sektor“ und andere, die in Rußland als Terrororganisationen angesehen werden. Allein in Mariupol sind es mehr als 7.000 Militante, die Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“ benutzen. Die Militanten des Bataillons „Asow“ jagen Frauen und Kinder aus den Kellern, bedrohen sie mit Waffengewalt, und schicken sie gegen vorrückende Einheiten der DNR vor, um den Vormarsch der Volksmiliz zu behindern. Dies ist für sie zu einer allgemein üblichen Praxis geworden.

Die Streitkräfte der Russischen Föderation sind im Gegensatz dazu bestrebt, unnötige Verluste zu vermeiden. Vor Beginn der Offensive wurden die Einheiten der ukrainischen Streitkräfte aufgefordert, das Kampfgebiet zu verlassen und sich mit Ausrüstung und Waffen zu ihren permanenten Standorten zu begeben. Sie sollten bei Beginn der [russischen] Offensive keinen Widerstand leisten, und denen, die die Waffen niederlegen, wurde ihre persönliche Sicherheit garantiert. Zivilisten, die in die Kämpfe geraten, wird wie immer empfohlen, ihr Haus nicht zu verlassen. In allen Städten werden humanitäre Korridore eingerichtet, um es der Bevölkerung zu ermöglichen, die Kampfzone zu verlassen und sich in Sicherheit zu bringen.

Auf Initiative der ukrainischen Führung wurde das Land eine Heimat für 6.595 ausländische Söldner und Terroristen aus 62 Staaten. Sie unterliegen nicht den Kriegsgesetzen und werden schonungslos vernichtet.[3] Heute nimmt die Zahl der ausländischen Söldner wieder ab. Dies wurde begünstigt durch hochpräzise Schläge gegen ihre Stützpunkte und Ausbildungslager.

Am 13. März wurden allein in Starytschi auf dem Truppenübunsplatz Jaworiw mehr als 200 Militante getötet und mehr als 400 verwundet. Ich stelle fest, daß in der Ukraine in den letzten sieben Tagen nicht ein einziger ausländischer Söldner mehr eingetroffen ist. Im Gegenteil, es gab Abgänge. Innerhalb einer Woche flohen 285 Kämpfer nach Polen, Ungarn und Rumänien, ich hoffe ohne „Stingers“ und „Javelins“. Bisherige Erfahrungen haben gezeigt, daß MANPADs[4] und ATGMs[5] sich zusammen mit nach Hause zurückkehrenden Söldnern recht schnell verbreiten.

Generell sind die Hauptziele der ersten Phase der Operation bereits erreicht worden. Die Kampfkraft der Streitkräfte der Ukraine ist mittlerweile erheblich reduziert, was es uns erlaubt, unsere Hauptanstrengungen  wieder auf unser Hauptziel zu konzentrieren – die Befreiung des Donbaß. In acht Jahren ist [auf ukrainischer Seite] im Gebiet der sogenannten „Operation der Vereinten Kampfverbände“ eine Verteidigungszone entstanden, die tief gestaffelt und gut befestigt ist und aus einem System von betonierten Anlagen besteht. Deshalb geht, um die Verluste unter den Streitkräften der Russischen Föderation und der Volksrepubliken Lugansk und Donezk möglichst gering zu halten, der Durchführung von Angriffsoperationen ein schweres Artilleriefeuer gegen feindliche Stützpunkte und ihre Reserven voraus.

Zu Beginn der Besonderen Militärischen Operation standen den Volksmilizen der LNR und DNR eine Gruppierung von 59.300 Mann gegenüber, die sich aus den kampfstärksten Einheiten der ukrainischen Streitkräfte, der Nationalgarde und der nationalistischen Formationen zusammensetzte.

Im Ergebnis verloren die ukrainischen Sicherheitskräfte im Kampfgebiet seit dem 24. Februar ca. 16.000 Mann, oder 26 Prozent ihrer Gesamtstärke. Mehr als 7.000 davon waren unwiederbringliche Verluste [Gefallene, Kriegsgefangene]. Ein Ersatz dieser Verluste wird durch die Isolierung der ukrainischen Truppengruppierungen im Donbaß verhindert, wobei wichtige Eisenbahnlinien und Straßenverbindungen durch die russische Fernartillerie und Luftwaffe kontrolliert werden. Der Nachschub von Raketen und Munition, Treibstoff und Nahrungsmitteln für die ukrainischen Kräfte ist fast vollständig unterbrochen worden. Die Felddepots der Raketen- und Rohrartillerie und ihrer Munition, liegen ebenso wie die Treibstofflager im Gebiet der „Operation der vereinten Kampfverbände“ unter [russischem] Beschuß. Bis heute wurden 32 Einrichtungen zerstört, das sind 61 Prozent der Gesamtzahl. Alle Waffen und alles militärische Gerät, darunter auch aus dem Ausland stammendes, das im Verlauf der Besonderen Militärischen Operation von den Streitkräften der Russischen Föderation erbeutet wird, wird den Volksrepubliken übergeben. Bis jetzt konnten 113 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 138 ATGMs „Javelin“ und 67 ATGMs „NLAW“ sowie weitere Beutewaffen übergeben werden.

Einheiten der Volksmiliz der Volksrepublik Lugansk haben bereits 93 Prozent des Territoriums der Republik befreit. Kampfhandlungen finden gegenwärtig in den Außenbezirken von Sewerodonezk und Lissitschansk  statt. Die Volksmiliz der Volksrepublik Donezk kontrolliert 54 Prozent ihres Territoriums. Die Befreiung von Mariupol schreitet voran. Einheiten der russischen Streitkräfte führen zusammen mit der Volksmiliz der Volksrepublik Donezk eine Offensive zur Befreiung der Ortschaften westlich von Donezk.

Unglücklicherweise gibt es unter unseren Kampfgefährten im Verlauf der Besonderen Militärischen Operation Verluste. Bis heute wurden 1.351 Militärangehörige getötet und 3.825 verwundet.[6] Die Unterstützung der hinterbliebenen Familien, Hochschulbildung für die Kinder, volle Rückzahlung von Krediten, Wohnunterbringung, wird vom Staat übernommen .

Wir erhalten eine große Zahl von Anfragen von russischen Bürgern, die an der Besonderen Militärischen Operation zur Befreiung der Ukraine vom Nazismus teilnehmen wollen. Weiterhin haben 23.000 Ausländer aus 37 Ländern ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, an der Seite der Volksrepubliken zu kämpfen. Wir haben der Führung der LNR and DNR empfohlen, diese Hilfe anzunehmen, aber diese haben erklärt, daß sie ihr Land selbst verteidigen werden. Sie verfügen über genügend Kräfte und Mittel.

Die Streitkräfte der Russischen Föderation werden auch weiterhin die Besondere Militärische Operation wie geplant durchführen, bis die Ziele, die der Oberste Befehlshaber gesetzt hat, erreicht sind. Der Besonderen Militärischen Operation in der Ukraine mit ihren entsprechenden Zielen und Aufgaben ging eine achtjährige Periode einer schweren humanitären Katastrophe im Donbaß voraus, die 6,5 Millionen Personen zu Opfern von Menschenrechtsverletzungen machte und die den Tod von 14.500 Personen verursacht hat. Der fast tägliche Artilleriebeschuß durch die Streitkräfte der Ukraine und die nationalistischen Bataillone hatte zur Folge, daß 4.115 Gebäude zerstört und 55.310 beschädigt wurden, darunter Wohngebäude, Bildungseinrichtungen, Krankenhäuser und andere soziale Einrichtungen. Im Verlauf von acht Jahren wurde durch den Einsatz schwerer Waffen durch die Ukraine 19,5 Prozent der Infrastruktur der Volksrepubliken Donezk und Lugansk vollkommen zerstört, etwa 37 Prozent wurde beschädigt. Zwischen April 2014 und Februar 2022 hat die Russische Föderation 1.451.304 Flüchtlinge aufgenommen. Wegen der rapiden Verschlechterung der Situation und der Intensivierung des Artilleriebeschusses im Gebiet des Donbaß nahm die Zahl der Flüchtlinge allein zwischen dem 18. und 23. Februar [2022] rapide zu. In diesen sechs Tagen überschritten 106.946 Personen die Grenze nach Rußland. Der Rest der Bevölkerung –  3.600.940 Menschen, darunter Zivilisten, meist Alte, Kinder, Frauen und einige gefährdete Gruppen – waren weiterhin in Kellern täglich dem Beschuß ausgesetzt, ohne jede Grundversorgung – ohne Wasser, Strom, Essen oder Medikamente. Dieser Zeitabschnitt [2014-2022] war doppelt so lang wie der Große Vaterländische Krieg 1941-1945 bei einer vergleichbaren Zahl der täglichen Verluste [in Relation zur Größe der Bevölkerung]. Währenddessen haben die Länder des sogenannten „zivilisierten“ Westens, angeführt von den Vereinigten Staaten von Amerika, zu all dem absichtsvoll geschwiegen und gegenüber dem Schicksal von Millionen Bewohnern der Volksrepubliken Donezk und Lugansk eine völlige Gleichgültigkeit an den Tag gelegt.

Die Besondere Militärische Operation begann unter den Bedingungen dieser sehr schweren humanitären Krise. Seit dem 4. März hat die Russische Föderation täglich humanitäre Korridore in Richtung Kiew, Tschernigow, Sumy, Charkow und Mariupol, und zwar ausschließlich für humanitäre Zwecke, eingerichtet; jeweils ein humanitärer Korridor führte nach Rußland und einer durch von Kiew kontrolliertes Gebiet zu den Westgrenzen der Ukraine. Die ukrainische Seite hat während der gesamten Zeit niemals auch nur einem einzigen humanitären Korridor zur Russischen Föderation zugestimmt. Gleichzeitig sprechen wir alle zusätzlichen humanitären Korridore, die von Kiew vorgeschlagen werden, tagtäglich miteinander ab. Die russischen Streitkräfte halten die Waffenruhen auf allen Routen strikt ein, ungeachtet der Tatsache, daß dies das Tempo bei der Durchführung der Besonderen Militärischen Operation herabsetzt. Aber dies geschieht allein im Interesse der Rettung von Zivilisten. Und auf ukrainischer Seite halten der systematische Beschuß von humanitären Konvois und Versuche, die Verantwortung für ihre eigenen inhumanen Handlungen russischen Truppen zuzuschieben, unvermindert an. So wurden allein in dieser Woche 17 Angriffe auf Zivilisten, die sich entlang der humanitären Korridore bewegten, registriert, einschließlich dem zynischem Beschuß eines Konvois mit Flüchtlingen aus Mariupol.

Ungeachtet des hartnäckigen Widerstandes der offiziellen Machthaber der Ukraine wurden seit Beginn der Besonderen Militärischen Operation 419.736 Personen, darunter 88.373 Kinder, aus den gefährdeten Gebieten der Ukraine, von Donezk und Lugansk nach Rußland evakuiert. 49.362 Personenkraftwagen überquerten die Staatsgrenze zur Russischen Föderation. 9.000 ausländische Staatsbürger, die [die russischen Streitkräfte] um Hilfe ersuchten, wurden ohne jede Mitwirkung von ukrainischer Seite bei der Evakuierung unterstützt.

[ … ]

[1] Two more briefings: Colonel General Sergei Rudskoy and Colonel General Mikhail Mizintsev, The Vineyard of the Saker 25. März 2022;

https://thesaker.is/speech-of-the-head-of-the-main-operational-directorate-of-the-general-staff-of-the-armed-forces-of-the-russian-federation-colonel-general-sergei-rudskoy/

[2] Abkürzung für Man Portable Air Defense System, deutsch: Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffe

[3] Nach geltendem Völkerrecht genießen Söldner keinen Kombattantenstatus, siehe Artikel 47 des Zusatzprotokolls I vom 8. Juni 1977 zu den Genfer Abkommen vom 12. August 1949 über den Schutz der Opfer internationaler bewaffneter Konflikte

[4] Man Portable Air Defense System, deutsch: Einmann-Flugabwehr-Lenkwaffe

[5] Anti-Tank Guided Missile, deutsch: Panzerabwehrlenkrakete

[6] In diesen Zahlen sind die Verluste der Volksmilizen der DNR und LNR offenbar nicht enthalten.

 

 

 

 

 

 

One thought on “Der militärische Konflikt in der Ukraine aus der Sicht des russischen Generalstabs

  1. Unter Bill Clinton und Obama wurde die Ukraine zu einem Konfliktherd gemacht. Unter Präsident Trump kehrte Ruhe ein. Bis Biden durch den größten Wahlbetrug der Menschheitsgeschichte US-Präsident wurde und wieder zu zündeln anfing. So lange die EU die sog. Transatlantiker nicht kalt stellt wird Europa nicht zu einem beständigen Frieden kommen. Leider fehlt den deutschen Politikern schon lange das Format für eine zuverlässige Politik. Das sieht man an Northstream II ebenso deutlich wie am Boykott gegen Russland. Selbst bei einem vollständigen Boykott der Gaslieferungen müßte die BRD die nicht gelieferten Gasmengen noch über Jahre hinaus bezahlen!

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