Das Ende der Globalisierungsträume

von Prof. Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V.

Drei Jahrzehnte wurden unter Führung der Davos-Clique die Lobgesänge der „einen Welt“ und der „Überwindung des Nationalismus“ von der Volkswirtschaft zur Weltwirtschaft und zur unbegrenzten Freiheit des Kapitals, der Produkte, der Dienstleistungen und Arbeitskräfte angestimmt.

Theoretisch war dies richtig, weil internationaler Austausch ein Vorteil für alle Teilnehmer sein kann:

  • Länder mit geringer Kapitalausstattung, niedrigen Löhnen und billigen Produktpreisen bieten für internationale Investitionen Kosten- und Rentabilitätsvorteile, die ihnen zum Aufbau eigener Industrien helfen und damit Wirtschaftsfortschritt erzeugen.
  • Umgekehrt können Länder mit hoher Kapitalausstattung, hohen Löhnen und hohen Produktpreisen durch Auslandsinvestitionen und Import Wirtschaftswachstum zu günstigeren Kosten für sich gewinnen.
  • Nach dem Ricardo’schen Gesetz der komparativen Kosten[1] bietet Außenhandel einen Kostenvorteil für beide Seiten, mehr Außenhandel bietet beiderseitig Kosten- und Wohlstandsvorteile. Deshalb hat der Aufschwung des Außenhandels in den letzten 50 Jahren damit erheblich zum Weltwohlstand beigetragen.
  • Jeder wusste aber, dass Außenhandel fragil ist, dass er davon abhängt, ob sich alle Partner fair verhalten und keine Störungen des Welthandels verursachen.

Allerdings glaubten die Ökonomen, dass solche Außenhandelshemmnisse durch internationale Zusammenarbeit jeweils beseitigt werden könnten, z.B. gesetzliche Investitionshemmnisse durch Verbote der WHO und der Investitionsländer u.a..

  • Die USA behaupteten, die „Freiheit des Energiemarktes“ durch Sanktionen gegen solche Länder durchsetzen zu müssen, welche ihr Öl oder Gas (Irak, Iran, Venezuela) nicht durch die amerikanischen Öl-Multis vermarkten lassen, selbst den Gewinn behalten wollten.
  • Weil die USA mehr importieren als exportieren und deshalb steigende Handelsbilanzdefizite annehmen müssen, wurde die FED zur Finanzierung dieser Defizite zur Geldmengenvermehrung gezwungen und gleichermaßen die EZB zur Dauerfinanzierung der Defizite der europäischen Pleiteländer Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich usw., wurde also Außenhandel aus Schulden finanziert.
  • Umgekehrt wurde Ländern, die dauernde Exportüberschüsse erzielen (vor allem Deutschland), diese Überschüsse durch Zwangskredite (Target-Kreditierung, „Rettungsfinanzierung“, indirekte Staatsfinanzierung der Zentralbanken) abgesogen (mit Ausnahme Chinas, welches Dollarguthaben über 3 Billionen Dollar angehäuft hat und nun krampfhaft Anlagen dafür in der ganzen Welt sucht).
  • Die USA bekämpfen den Import z.B. der europäischen Automobilindustrie mit hohen Strafsanktionen für angebliche technische Verfehlungen und haben dafür alle mit Amerika handelnden Firmen und Länder der amerikanischen Justizhoheit und ihren Strafmöglichkeiten unterworfen (Beispiel auch: North Stream 2). Gegen immer mehr Länder wie Iran, Venezuela und gegen Unternehmen, welche sich nicht den amerikanischen Monopolen unterwerfen wollten, wurden immer härtere Sanktionen von den USA und ihren Satellitenregierungen erlassen, also Wirtschaftskrieg eröffnet.
  • Seit Putin die Übernahme der Ukraine durch die USA bekämpft, kam es zur größten weltweiten NATO-Sanktionswelle (also zum Beginn des Wirtschaftskrieges gegen Russland) durch Lieferstopp, Finanzblockade und Enteignungen russischen Vermögens überall in der Welt. Dieser Wirtschaftskrieg hat schon jetzt die Globalisierung zerrissen, die Welt aufgespalten, traditionelle Lieferbeziehungen vor allem bei den Rohstoffen abgekappt und die Welt in die größte Rezession der Geschichte gestürzt.

Wer bisher auf die Globalisierung vertraut hatte, ist nun plötzlich Verlierer:

  • Wer in Russland investiert oder mit russischen Firmen stabile Geschäftsbeziehungen aufgebaut hat, steht plötzlich ohne diese Partner und deshalb mit Zuliefererproblemen dar.
  • Wer seine Produktion in Billiglohnländer – vor allem nach China – verlagert hat, sieht seine Lieferketten gerissen und muss sogar fürchten, dass China genau wie die USA bei Eskalation des Ukraine-Krieges auch ausländische Firmen sanktioniert oder enteignet.
  • Wenn der Außenhandel zusammenfällt, stürzen auch die Exportüberschüsse z. B. Deutschlands ab, wird der auf dem Export beruhende Wohlstand zusammenfallen.
  • Die internationalen Konzerne flüchten deshalb bereits jetzt in nationale Investitionen, um das, was sie bisher billiger aus dem Ausland bekamen, wieder national zu produzieren, um es überhaupt noch zu bekommen.
  • Auch die mittelständischen Zulieferer merken jetzt, dass ihre Weltproduktion unsicher geworden ist, ihnen wachsende Schwierigkeiten bereitet und sie nationale Alternativen schaffen müssen.
  • Der eingeleitete Rückgang des weltweiten Außenhandels und vor allem der Rückgang der bisherigen Exportmöglichkeiten bedeutet schrumpfende Produktion und zurückfallende Konjunktur mit allen Folgen für Investitionen, Arbeitsplätze, Einkommen und Volkswohlstand in der ganzen Welt.

Der Rückfall von bisher globalisiertem Export-Boom auf wieder nur sichere nationale Produktion wird eine schwierige Übergangsphase von einigen Jahren, könnte die gefürchtete Stagflation bringen, wird jedenfalls aus dem zurückgehenden Export und Import sowie aus den sich verteuernden Produktionsrückverlagerungen Kostensteigerungs- und Inflationsfolgen haben, welche die ganze Welt ärmer machen.

Wie lange der Rezessionsprozess dauert, wird wesentlich davon abhängen, wie lange die US-Wirtschaftssanktionen die Weltproduktion erstarren lassen und wie sich der Ukraine-Krieg entwickelt, ob er mit Frieden beendet und überwunden werden kann oder eskaliert und zum 3. Weltkrieg der Wirtschaftsblöcke wird.

Uns steht also eine kürzere oder längere Globalisierungsschrumpfung – vielleicht überhaupt das Ende der Globalisierung – bevor. Der seit langem befürchtete Wirtschaftscrash[2] bzw. die Rezession und unser erst auf Exporten und dann auf maßloser Fiat-Geldvermehrung gegründeten Scheinwohlstand wird zusammenfallen, die globale Welt wieder national und der Scheinwohlstand zu wieder echter Armut absinken.

Ob die Kriegstreiber der Sanktionen und Vermögensenteigner diese Folgen bedacht haben und wollten?

[1] Wenn jedes Land sich auf Produktion und Export derjenigen Güter spezialisiert, die es mit dem kleinsten absoluten Kostennachteil – relativer komparativer Kostenvorteil – produzieren kann, ist dies ein Vorteil für alle.

[2] Vgl. Hamer, E. „Was passiert, wenn der Crash kommt?“, Hannover 2000

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