Kiews Weg ins Desaster – Ukrainische Niederlagen im Donbaß

 

von Dr. Walter Post

Henry Kissinger in Davos

Bei der diesjährigen Tagung des „World Economic Forum“ in Davos trat am 23. Mai 2022 per Videokonferenzschaltung Henry Kissinger auf. Der ehemalige amerikanische Außenminister hielt eine sechzehnminütige Rede zur aktuellen Lage der internationalen Politik, die großes Aufsehen erregte; die wichtigsten Passagen seiner Ausführungen lauteten:

„Als vor ungefähr acht Jahren die Idee einer Mitgliedschaft der Ukraine in der NATO aufkam, schrieb ich einen Artikel, in dem ich erklärte, daß das ideale Ergebnis wäre, wenn die Ukraine als neutraler Staat konstituiert werden könnte, eine Art Brücke zwischen Rußland und Europa. Stattdessen ist sie [die Ukraine] zur Frontlinie zwischen den Staatengruppierungen innerhalb Europas geworden. Ich denke, daß die Möglichkeit jetzt so nicht mehr besteht, aber sie könnte immer noch als langfristiges Ziel angesehen werden. Meiner Ansicht nach müssen in den nächsten zwei Monaten Verhandlungen und Friedensverhandlungen beginnen, damit der Ausgang des Krieges in groben Zügen festgelegt werden kann. … Idealerweise sollten die Grenzen des Status quo ante wiederhergestellt werden. Ich glaube, ein Eintritt in den Krieg über Polen hinaus würde ihn [den Konflikt] in einen Krieg verwandeln, der nicht mehr um die Freiheit der Ukraine geführt wird, was die NATO ja mit großer Einigkeit tut, sondern gegen Rußland selbst … Aus langfristiger Sicht ist Rußland seit 400 Jahren ein wesentlicher Teil Europas, und die europäische Politik wurde in dieser Zeit grundlegend von der europäischen Einschätzung der Rolle Rußlands beeinflusst. Manchmal als Beobachter, aber mehrfach als Garant oder Instrument, mit dem das europäische Gleichgewicht wiederhergestellt werden konnte. Die aktuelle Politik sollte bedenken, daß es wichtig ist, die Wiederherstellung dieser Rolle anzustreben, damit Rußland nicht in ein dauerhaftes Bündnis mit China getrieben wird.“[1]

Kissinger drückte sich bewußt etwas unklar und mehrdeutig aus, weil er sich über die Brisanz seiner Ausführungen völlig im Klaren war. Er gab zu verstehen, daß ein Sieg der Ukraine mittlerweile unwahrscheinlich ist, und daß auf dem Verhandlungsweg bestenfalls eine Wiederherstellung der Grenzen vor Beginn der „Besonderen Militärischen Operation“ Rußlands erreicht werden könne. Mit anderen Worten, Kiew werde auf eine Wiedergewinnung der östlichen Teile der Oblaste Donezk und Lugansk sowie der Krim ebenso wie auf eine NATO-Mitgliedschaft in jedem Fall verzichten müssen. Rußland, so Kissinger weiter, sei seit 400 Jahren ein wichtiger Teil Europas, und man dürfe es auf keinen Fall in die Arme Chinas treiben. Vielmehr stünden die USA vor der Aufgabe, ihre Beziehungen zu China neu zu definieren. Kissinger kurze Rede löste in Kiew sowie bei den westlichen Unterstützern der Ukraine wie vorhersehbar heftige Reaktionen aus.

Der Deutschamerikaner Henry Kissinger war von 1969 bis 1975 Nationaler Sicherheitsberater und von 1973 bis 1977 Außenminister der USA. Von 1977 bis 1981 war er Direktor eines der bedeutendsten amerikanischen „Think Tanks“, des „Council on Foreign Relations“.[2]  Kissinger ist der wohl prominenteste Vertreter der Schule des „Politischen Realismus“ in der amerikanischen Außenpolitik und darüber hinaus durch seine persönlichen Verbindungen sehr gut informiert. Er weiß daher, wie die führenden Militärs und Geheimdienstleute im Pentagon und im CIA-Hauptquartier in Washington die militärische Lage  in der Ukraine tatsächlich einschätzen.

Am 31. Mai 2022 veranstaltete der Council of Foreign Relations unter seinem Vorsitzenden Richard Nathan Haass eine öffentliche Diskussion über den Stand des Krieges in der Ukraine. Der „Council of Foreign Relations“ steht dem Establishment der Demokraten sehr nahe und hat erheblichen Einfluß auf die Formulierung der Außenpolitik der Biden-Administration. Unter den prominenten Teilnehmern an der Diskussion befand sich auch der ehemalige stellvertretende Kommandeur des „United States European Command“ Lieutenant General Stephen M. Twitty, der sich zur Lage in der Ukraine wie folgt äußerte:

„Ich denke, der Krieg im Donbaß beginnt sich zu Gunsten der Russen zu entwickeln, und wenn Sie die Lage betrachten –  und ich spreche hier insbesondere über den östlichen Teil des Donbaß – dann sind die Russen dazu übergegangen, ihre ganze Kampfkraft im Donbaß zu konzentrieren und jede einzelne Stadt auszuradieren. Sei es Rubischne, Liman, sie arbeiten jetzt ebenso an Sewerodonezk und Lissitschansk, sie vernichten diese einzelnen Städte, und so kommen sie voran. Sie setzen dort nicht auf die kombinierte Kampfkraft von Infanterie und Panzern. Sie haben [vielmehr] ihre gesamte Artillerie zusammengefaßt und gehen wie in Mariupol vor und erzielen so  Fortschritte. Sie beginnen also, im östlichen Donbaß voranzukommen … Und wenn Sie sich jetzt die Ukraine ansehen und sich Rußland ansehen, dann stehen sie [zahlenmäßig etwa im Verhältnis] eins zu eins. Der einzige Unterschied ist, daß Rußland verdammt viel mehr Kampfkraft hat als die Ukrainer. Es gibt also keine Möglichkeit, daß die Ukrainer die Russen jemals vernichten oder besiegen werden … Der zweite Punkt, den ich ansprechen möchte, ist … daß uns bedauerlicherweise der diplomatische Teil fehlt …   daß es überhaupt keine Diplomatie gibt, mit der versucht wird, zu irgendeiner Art von Verhandlungen zu gelangen. Und ich glaube nicht, daß das ein Vorteil ist angesichts dessen, was Putin über uns denkt. Aber wenn Sie sich zurücklehnen und über diejenigen nachdenken, die möglicherweise Teil dieses Verhandlungsteams sein könnten … zwei von denen, die ich nennen werde, sind in der NATO. Einer ist Präsident Orbán von Ungarn … Der andere ist der türkische Präsident Erdoğan. Langjährige Freunde von Präsident Putin … Lassen Sie es uns versuchen und warten wir ab.“[3]

Mit anderen Worten, das Pentagon geht davon aus, daß die Ukrainische Armee über kurz oder lang eine schwere Niederlage erleiden wird und drängt deshalb auf die sofortige Aufnahme von Verhandlungen. Gegen diesen Standpunkt gibt es allerdings innerhalb der Biden-Administration eine starke Opposition, die sich insbesondere im State Department konzentriert.

Die militärische Lage der Ostukraine

Die bedingungslose Kapitulation der im Asow-Stahlwerk in Mariupol eingeschlossenen ukrainischen Truppen am 20. Mai 2022 stellt eine Zäsur dar. Mehr als 2.400 Angehörige der regulären ukrainischen Armee sowie des Regiments „Asow“, darunter einige hohe „Asow“-Kommandeure gingen in russische Kriegsgefangenschaft. In den Wochen zuvor hatten sich bereits 1.500 Ukrainer ergeben. Durch die Kapitulation von Mariupol wurden nicht nur Verbände der russischen Armee, der Volksmiliz von Donezk und der tschetschenischen Sonderverbände für andere Aufgaben frei, sie war auch ein psychologischer Einschnitt: Während auf russischer Seite die Siegeszuversicht erheblich gestärkt wurde, machte sich bei den Ukrainern Niedergeschlagenheit breit.

Die ukrainischen Kräfte im Donbaß stehen derzeit in einem großen, weit nach Osten vorspringenden Frontbogen mit einer Frontlänge von ca. 1.000 km und sind in zwei große und mehrere kleinere Gruppen aufgespalten. Die ukrainischen Verbände sind im Ansatz oder mittlerweile auch tatsächlich eingekesselt. Es sind zwar noch einzelne Straßenverbindungen nach Westen offen, diese liegen aber im Wirkungsbereich der russischen Rohr- und Raketenartillerie, und es ist hochriskant, sie mit größeren Fahrzeugkolonnen zu befahren. Die zwei großen Kessel liegen im Raum Kramatorsk – Slawjansk und Sjewerodonezk – Lissitschansk. In letzterem sollen 8.000 bis 16.000 Mann eingeschlossen sein, die einzige verbliebene Verbindung nach außen war bis vor kurzem die Straße Bachmut – Lissitschansk. Es existiert auf Twitter ein kurzes Video, daß die Fahrt zweier ukrainischer Journalisten in einem zivilen SUV auf dieser Straße zeigt, während die russische Artillerie ein regelrechtes Scheibenschießen veranstaltet.[4]

Die groß angekündigte ukrainische Gegenoffensive bei Sjewerodonezk hat sich inzwischen als eine PR-Aktion der Kiewer Regierung herausgestellt, die zwar in den westlichen Medien große Resonanz fand, militärisch aber ein völliger Fehlschlag war. Die ukrainischen Truppen wurden bereits bei ihrem Aufmarsch von der russischen Artillerie zerschlagen. Ebenso gingen die ukrainischen Offensiven bei Charkow und Cherson strategisch völlig ins Leere, sie waren eher PR-Aktionen denn ernsthafte militärische Operation.[5]

Die Kiewer Führung hat in den letzten Wochen als Verstärkung sieben Brigaden der ukrainischen Territorialverteidigung mit insgesamt 21.000 Mann in das Gebiet östlich des Dnjepr verlegt, diese bestehen aber nur aus reiner Infanterie, verfügen über keine schweren Waffen und sind nur oberflächlich ausgebildet. Tatsächlich haben mehrere dieser Verbände Videos ins Netz gestellt, in denen sie sich über ihre hoffnungslose Situation und die Gleichgültigkeit ihrer Kommandeure beklagen.[6] Die wirkliche Kriegslage in der Ukraine war in der zweiten Juni-Woche auch aus einigen angelsächsischen Mainstream-Medien zu entnehmen; im folgenden einige Überschriften aus führenden westlichen Tageszeitungen und Zeitschriften:

  • „Die Ukraine droht, den Krieg mit Russland zu verlieren: Vertreter des Militärs“ – Newsweek[7]
  • „Mangel an Artillerie-Munition untergräbt die Moral der ukrainischen Front“ – New York Times[8]
  • „Wir haben fast keine Munition mehr und verlassen uns auf westliche Waffen, sagt Ukraine“ – Guardian[9]
  • „Der Ukraine geht die Munition aus, da die Aussichten an der Front düster sind“ – Washington Post[10]

Russische Feuerkraft

Die russische Luftwaffe setzt über dem Donbaß hauptsächlich taktische Erdkampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-25 (NATO-Codename „Frogfoot“) sowie Kampfhubschrauber der Typen Mil Mi-24 (NATO-Codename „Hind“), Mil Mi-35 M und Kamow Ka-52 „Alligator“ ein, die wegen der noch existierenden Reste der ukrainischen Flugabwehr meist im extremen Tiefflug, zum Teil in nur 40 Meter Höhe, operieren und überwiegend „dumme“ (d.h. nicht präzisionsgelenkte) Bomben und Raketen einsetzen. Für ihre strategischen Luftangriffe verwenden die Russen vorwiegend  präzisionsgelenkte Marschflugkörper, hauptsächlich vom Typ „Kalibr“, aber auch P-800 „Oniks“, Ch-22 „Burja“, Kh-47M2 „Kinzhal“ etc., von denen sie  erstaunliche Mengen besitzen. In rund 100 Tagen haben die russischen Streitkräfte mehr als 1.500 Marschflugkörper verschossen, von denen 90 Prozent ihre Ziele mit hoher Präzision getroffen haben. Die russischen Vorräte an diesen hochentwickelten Waffensystemen scheinen schier unerschöpflich zu sein: 1.500 russische Marschflugkörper entsprechen etwa 75 Prozent der Zahl aller „cruise missiles“, die die USA in allen ihren Kriegen seit 1991 eingesetzt haben.[11]

Die Überlegenheit der russischen Artillerie ist nach Aussage vieler ukrainischer Soldaten mittlerweile erdrückend, die psychologische Wirkung verheerend. Im Vergleich ist das ukrainische Artilleriefeuer schwach und wenig wirksam. Tatsächlich findet man im Internet zahllose Videos, die die Tätigkeit der russischen Rohr- und Raketenartillerie zeigen. Besonders beliebte Filmobjekte sind die gewaltigen russischen 203 mm Kanonen auf Selbstfahrlafette 2S7M „Malka“[12] und die Mehrfachraketenwerfer 9P140 „Uragan“ (deutsch „Hurrikan“), die in den 1970er Jahren in der Sowjetära entwickelt und in großen Stückzahlen produziert wurden.

Die britische Tageszeitung „The Independent“ will einen Geheimdienstbericht eingesehen haben, demzufolge die Situation in der Ostukraine geradezu katastrophal sei: Die ukrainischen Truppen, so heißt es, erleiden schwerste Verluste, da die russischen Artillerie von der Zahl der Geschütze im Verhältnis 20 zu 1 und von der Munitionsbevorratung her im Verhältnis 40 zu 1 überlegen sei. Nach Aussage des ukrainischen Regierungsberaters Oleksandr Danyljuk stehen die Chancen der Ukrainer mittlerweile denkbar schlecht: „Die Russen setzen ihre schwere Artillerie ein, ohne irgendeine Gegenwehr befürchten zu müssen, weil wir schlicht nicht die entsprechenden Mittel haben,“ erklärte er. „Sie können uns aus Dutzenden Kilometern Entfernung beschießen, und wir können das Feuer nicht erwidern. Wir kennen alle Koordinaten für alle wichtigen Ziele, aber wir haben nicht die Mittel, um sie unter Beschuß zu nehmen.“

Die Ukraine, so Danyljuk, habe für die große Masse ihrer schweren Waffen, die noch aus Sowjetzeiten stammen, fast keine Munition mehr, und in den osteuropäischen Ländern, die noch über die gleichen Waffensysteme verfügen, seien die Bestände mittlerweile erschöpft. Die Ukraine müßte dringend auf reichweitenstarke westliche Systeme umrüsten, aber diese seien erst kürzlich und in völlig unzureichender Zahl eingetroffen, und sie reichten bei weitem nicht aus, um der ungeheuren Feuerkraft Rußlands etwas entgegenzusetzen. Rußland verfeuere auf die ukrainischen Stellungen mehr als 50.000 Artilleriegranaten pro Tag, während die Ukrainer nur über 5.000 bis 6.000 Schuß pro Tag verfügten.[13] Die USA hätten sich zwar verpflichtet, 220.000 Schuß Artilleriemunition zu liefern, diese würden aber gerade ausreichen, um vier Tage lang die gleiche Feuerdichte zu entwickeln wie die russische Artillerie.[14]

Der stellvertretende Chef des ukrainischen Militärgeheimdienstes Vadym Skibitsky erklärte, daß die Ukraine pro Tag 5.000 bis 6.000 Artilleriegranaten verschieße und die Vorräte an sowjetischen 152 mm-Standard-Granaten „fast“ aufgebraucht seien. Sie vertraue nun auf 155 mm NATO-Standard-Haubitzen, wobei unklar ist, über wie viele davon die Ukraine derzeit verfügt.[15] Skibitsky erklärte gegenüber dem „Guardian“, daß die russische Artillerie ihre gegenwärtige Feuerdichte im Donbaß noch ein ganzes weiteres Jahr durchhalten könne, ohne die russische Wirtschaft mobilisieren zu müssen.[16]

In einem gemeinsamen Bericht ukrainischer und westlicher Geheimdienste heißt es laut dem „Independent“, daß die Ukrainer große Schwierigkeiten hätten, das russische Artilleriefeuer zu erwidern, da ihre Artillerie auf eine Reichweite von 25 km begrenzt sei, während der Feind aus der zwölffachen Entfernung zuschlagen könne: „Die taktische Lage an der Ostfront ist wie folgt: auf ukrainischer Seite sind die Munitionsbestände für Mehrfachraketenwerfer der Typen ‚Smerch‘ und ‚Uragan‘ fast vollständig aufgebraucht. Diese ermöglichten es, in den ersten Kriegsmonaten russische Offensiven auf Entfernungen von 60 bis 80 km effektiv zu bekämpfen. Heute beträgt die maximale artilleristische Reichweite der Streitkräfte der Ukraine 25 km. Dies ist die Reichweite der noch vorhandenen Geschütze im Kaliber 152/155 mm und der ‚Grad‘-Mehrfachraketenwerfer.“ Die Russen könnten Konzentrationen ukrainischer Streitkräfte mit „Uragan“-Mehrfachraketenwerfern aus Entfernungen von 40 bis 60 km, mit „Smerch“-Mehrfachraketenwerfern aus Entfernungen von bis zu 300 km, und mit taktischen ballistischen „Iskander“-Raketen aus Entfernungen von 70 bis 110 km bekämpfen. Der Bericht fährt fort: „Dies schafft eine Situation absoluter Unterlegenheit auf dem Schlachtfeld, ganz zu schweigen von der absoluten Überlegenheit der feindlichen Luftwaffe, die nur manchmal durch den Einsatz von ‚Stinger‘ [Boden-Luft-Raketen] … korrigiert werden kann.“

In dem vom „Independent“ zitierte Bericht heißt es weiter, daß die sich stetig verschlechternde Lage „einen gravierenden demoralisierenden Effekt auf ukrainische Kräfte ebenso wie einen sehr realen materiellen Effekt habe, die Fälle von Desertionen nehmen jede Woche zu.“

Mittlerweile hat die US-Regierung Kiew die Lieferung von mobilen HIMARS-Raketensystemen, die britische Regierung von M270-Mehrfachraketenwerfern zugesagt. Washington hat bisher aber nur vier (!) solcher Systeme geliefert, Großbritannien will nur drei Systeme M270 schicken (Diese Zahlen sind mittlerweile verdoppelt worden). Vertreter der ukrainischen Regierung erklären, daß dies völlig unzulänglich sei und sie sehr viel mehr solcher Mehrfachraketenwerfer benötigen, um den russischen Vormarsch aufzuhalten. Zudem werde es einige Zeit dauern, bis diese Waffensysteme tatsächlich an der Front eingesetzt werden könnten, während die russische Offensive im Donbaß nahezu ungehindert Fortschritte mache.[17]

Mittlerweile wurden auch fast alle großen ukrainischen Munitions- und Treibstofflager zerstört. Ohne Treibstoff ist die ukrainische Armee aber unbeweglich und ohne eine Versorgung mit großen Mengen an Artilleriemunition kann sie dem massiven Feuer der russischen Artillerie nichts entgegensetzen. Was an Kriegsmaterial über die ukrainische Westgrenze kommt, kann nur unter erheblichen Schwierigkeiten an die Front im Donbaß transportiert werden und reicht keineswegs aus, um eine im Großkampf stehende Armee zu versorgen. Die russische Armee verschießt in der Ostukraine pro Tag etwa 50.000 Artilleriegranaten und Raketen, von denen jede – im Durchschnitt – ein Gewicht von 50 kg hat, woraus sich eine Gesamtmenge von 2.500 Tonnen errechnet. Die Ukraine müßte also  jeden Tag die gleiche Menge von ihrer Westgrenze in den Osten transportierten. Nach Erreichen der Eisenbahnentladepunkte im Osten müßten diese 2.500 Tonnen, um an die Front zu gelangen, auf etwa 350 Lastwagen verladen werden. Während des Transports und der Zwischenlagerung sind diese 2.500 Tonnen ständig der Gefahr ausgesetzt, unter das Feuer von  russischen Marschflugkörpern und weitreichenden Mehrfachraketenwerfern zu geraten und vernichtet zu werden.

Die USA verfügen zwar über große Munitionsdepots, aber selbst diese werden sich innerhalb weniger Monate leeren, wenn die amerikanische Rüstungsindustrie nicht die Produktion neuer Munition in großem Maßstab aufnimmt. Normalerweise produzieren die amerikanischen Munitionsfabriken nur einige hundert Schuß pro Woche. Die USA und die NATO-Staaten müßten also kurzfristig die Produktion dramatisch ausweiten, um die Ukraine ausreichend mit Artilleriemunition zu versorgen. Aus praktischen und politischen Gründen ist dies aber kaum möglich.[18]

Inzwischen hat die NATO der Kiewer Regierung die Lieferung von insgesamt etwa 200 Rohrartilleriesystemen und 50 Mehrfachraketenwerfern zugesagt. Die Hälfte davon sind Typen aus der Sowjetära, die in Osteuropa zusammengekauft wurden, die andere Hälfte stammt aus westlichen Beständen und benötigt daher auch westliche Munition und Ersatzteile. Die USA haben rund 100 leichte 155 mm-Haubitzen vom Typ M777 in die Ukraine geschickt, von denen jedoch mittlerweile etliche von den Russen zerstört worden sind. Selenskyjs Berater Mykhailo Podolyak schrieb am 13. Juni 2022 auf Twitter, daß die Ukraine, um den Krieg siegreich zu beenden, folgende schwere Waffen benötige:

1.000 Haubitzen Kaliber 155 mm;

300 Mehrfachraketenwerfer;

500 Kampfpanzer;

2.000 gepanzerte Fahrzeuge;

1.000 Drohnen.[19]

Die ukrainische Führung fordert hier fast die gleiche Anzahl von schweren Waffen und Waffensystemen, die sie zu Beginn des Krieges besessen hatte.

Offenbar entsprechen die Zahlenangaben über vernichtete ukrainische Waffensysteme, die das russische Verteidigungsministerium in seinen täglichen Lageberichten bekannt gibt, der Wirklichkeit; im „Briefing“ vom 20. Juni finden sich dazu folgende Angaben: Seit Beginn der „Besonderen Militärischen Operation“ wurden von der russischen Armee 208 Flugzeuge und 132 Hubschrauber, 1.260 Drohnen, 345 Flugabwehrraketensysteme, 3.696 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 576 Mehrfachraketenwerfer, 2.055 Feldgeschütze und Mörser sowie 3.731 Stück militärischer Spezialausrüstung der ukrainischen Streitkräfte zerstört.[20]

In diesen Zahlen sind offenbar die zu Beginn des Konflikts im Truppendienst stehenden, die wieder instandgesetzten und aus Depots geholten sowie von den NATO-Staaten neu gelieferten  ukrainischen Luftfahrzeuge und schweren Waffen enthalten. Weiterhin fällt die hohe Zahl von abgeschossenen Drohnen auf, bei denen es sich keineswegs, wie vielfach gemutmaßt wurde, um „Wunderwaffen“ handelt.

Eine Neuausstattung der ukrainischen Armee mit derartigen Mengen an Flugzeugen, Hubschraubern, schweren Waffen und Munition, wie von Kiew gefordert, übersteigt schlichtweg die Möglichkeiten der NATO-Staaten. Selenskyjs engster Berater Oleksiy Arestovych bezeichnete die bisher erfolgten westlichen Waffenlieferungen an Ukraine als „billige Komödie“, übersieht aber, daß sich zumindest in den europäischen NATO-Staaten ein ernsthafter Mangel an geeigneten Rüstungsgütern bemerkbar macht.[21]

Die ukrainische Strategie und ihre Perspektiven

Am 1. Juni gab der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bekannt, daß jeden Tag etwa 60 bis 100 ukrainische Soldaten getötet und bis zu 500 verwundet würden.[22] Mykhailo Podolyak erklärte wenig später gegenüber der BBC, daß die Zahl der ukrainischen Gefallenen pro Tag zwischen 100 und 200 betrage. Der wichtigste Berater Selenskyjs, Oleksiy Arestovych, bezifferte gegenüber dem „Guardian“ die Zahl der Gefallenen mit 150 und die der Verwundeten mit 800 pro Tag.[23] Man kann davon ausgehen, daß die tatsächlichen Verlustzahlen etwa 300 Gefallenen plus 1.200 Verwundeten pro Tag betragen. Das bedeutet, daß die ukrainische Armee in den letzten zwei Monaten mehr als 18.000 Mann an Gefallenen und zusätzlich 70.000 Verwundete verloren hat. Die Ukrainische Armee verfügte bei Beginn des Konflikts über etwa 200.000 Soldaten. Später wurden etwa 30 bis 100.000 Mann der Territorialverteidigung einberufen und an die Front geschickt. Es liegen Berichte vor, daß einige dieser schlecht ausgebildeten Einheiten Verlustraten von bis zu 65 Prozent erleiden.[24] Außerdem haben die russische Armee und die Volksmilizen von Donezk und Lugansk seit Kriegsbeginn etwa 8.500 – 9.000 ukrainische Uniformträger gefangengenommen.[25] Natürlich wurden seit Kriegsbeginn Reservisten und neue Rekruten einberufen, gleichzeitig sind viele Leichtverwundete zur Truppe zurückgekehrt, aber die Zahlen machen deutlich, daß die Ukrainische Armee vor erheblichen Personalproblemen steht.

Jede Armee benötigt einen umfangreichen Apparat an Nachschub- und Unterstützungstruppen. Das Verhältnis zwischen den an der Front kämpfenden und den rückwärtigen Truppen kann zwischen 1 zu 10 und 1 zu 2,5 liegen. Die ukrainische Front im Donbaß wird wahrscheinlich von etwa 20 Prozent der ukrainischen Armee gehalten. Das sind grob geschätzt 200.000 Mann abzüglich der Toten und Verwundeten plus der Ergänzungen durch Territorialstreitkräfte. Das macht auf einer aktuellen Frontlänge von etwa 1.000  km etwa 40.000 Mann direkt an der Front, umgerechnet 40 Mann pro Kilometer. Das ist eine ziemlich dünne Linie und es wird nicht mehr lange dauern, bis sie auf breiter Front durchbrochen wird. Selenskyj könnte die Frontlinie um die Hälfte verkürzen und die ukrainische Abwehrkraft verdoppeln, wenn er bereit wäre, einen Rückzug zur Dnjepr-Linie zuzulassen. Aber er hat bisher jeden Vorschlag in dieser Richtung abgelehnt.

Das weit überlegene russische Artilleriefeuer wird auf die Moral der ukrainischen Truppen über kurz oder lang zerstörerische Auswirkungen haben, Moral kann Feuerkraft nicht ersetzen.[26] Dessen ungeachtet scheint die Kiewer Führung fest entschlossen zu sein, im Donbaß jeden Quadratmeter Boden zu verteidigen  und die ukrainischen Stellungen unter allen Umständen zu halten. Dabei ist die ukrainische Kräftegruppe im Donbaß mindestens halb umfaßt, während die russische Überlegenheit materiell ständig wächst und die russische Luftwaffe die absolute Luftüberlegenheit besitzt. Militärisch erschiene es sehr viel klüger, die ukrainischen Truppen aus dem großen Frontbogen im Donbaß zurückzuziehen und eine neue, verkürzte Frontlinie westlich von Slawjansk zu beziehen. Allerdings sind keine Auffangstellungen vorbereitet, und rasch improvisierte Feldbefestigungen würden die russische Führung geradezu dazu einladen, die ukrainischen Linien mit gepanzerten Verbänden zu durchbrechen, ihre rückwärtigen Verbindungen zu zerschlagen und die allenfalls noch teilbeweglichen ukrainischen Kräfte in offener Feldschlacht einzukesseln und ihnen eine vernichtende Niederlage beizubringen. Die Ukrainer wären also besser beraten, sich gleich hinter den Dnjepr zurückziehen, aber bei einer derartigen Operation wären ihre Marschkolonnen der Russischen Luftwaffe ausgeliefert, sodaß wahrscheinlich nur noch Trümmer den Dnjepr erreichen würden.

Das Festhalten an den Stellungen im Donbaß scheint so gesehen die weniger riskante Strategie, führt aber nach Vollendung der Einschließung der ukrainischen Kräftegruppe zu deren sicherer Vernichtung. Inwieweit die verbleibenden Reste der ukrainischen Streitkräfte dann noch in der Lage sein werden, die ukrainischen Gebiete westlich des Dnjepr zu verteidigen, ist eine offene Frage, ein allgemeiner psychologischer Zusammenbruch liegt im Bereich des Möglichen.

Zur Entwicklung der Kampfmoral in den ukrainischen Reservetruppen heißt es im „Briefing“ des russischen Verteidigungsministeriums vom 20. Juni 2022: „Der Feind erleidet während der ‚Besonderen Militärischen Operation‘ erhebliche Verluste. Seit dem 19. Mai hat allein die 14. mechanisierte Brigade der ukrainischen Armee im Verlauf eines Monats 2.100 Mann an Gefallenen und Verwundeten verloren. Aufgrund der schlechten Moral weigerten sich 800 Reservisten, die die Verluste dieser Einheit auszugleichen sollten, in den Kampf zu ziehen. Sie beschuldigten stattdessen die Offiziere der Inkompetenz, der Bestechlichkeit und der Vetternwirtschaft. Etwa 100 Soldaten einer Aufklärungseinheit der 10. Gebirgsbrigade wurden vom Dienst entbunden und zur Untersuchung nach Krementschug abtransportiert. Ein beträchtlicher Teil der Kommandeure der 30. Mechanisierten Brigade der Ukrainischen Armee hat sich von der Führung ihrer Einheiten absentiert und weigert sich, Kampfaufträge zu erfüllen. Es werden alle möglichen Vorwände vorgebracht und Krankheiten simuliert.“[27]

In den letzten Tagen wurden die Ukrainer nach kurzem Kampf aus den Städten Liman – Swjatogorsk  – Swetlodarsk vertrieben, womit sich die ukrainische Nordfront im Donbaß aufzulösen beginnt. Der große Kessel im Raum Sewerodonezk – Lissitschansk steht kurz vor der endgültigen Einschließung, die russische Nord- und Südfront westlich von Lissitschansk sind nur noch 15 km voneinander entfernt, der Zwischenraum ist damit voll im Wirkungsbereich der russischen Artillerie.[28] (Siehe Karte.)

Ein ukrainischer Ausbruchsversuch aus Lissitschansk ist vor wenigen Tagen gescheitert, eine ukrainische Fahrzeugkolonne wurde von russischer Artillerie und Kampfhubschraubern unter schweren Verlusten zusammengeschossen. Nach neuesten Berichten befinden sich die ukrainischen Truppen in und um Lissitschansk in Auflösung, eine kleinere Gruppe von etwa 2.000 Mann ist bei Solote separat eingekesselt und beginnt zu kapitulieren. Damit zeichnet sich die endgültige Befreiung der Volksrepublik Lugansk ab, und der Zusammenbruch der ukrainischen Streitkräfte im nördlichen Donbaß dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein.[29]

Der Aufbau einer neuen ukrainischen Armee im Westen des Landes mit massiver NATO-Unterstützung dürfte eine Utopie bleiben, bisher gibt es keine konkreten Anzeichen für eine Realisierung. Außerdem steht die Frage im Raum, ob die ukrainische Personaldecke dafür überhaupt noch ausreicht.

Noworossija

Die russischen Behörden haben in den Oblasten Cherson und Schaporoschje schon vor geraumer Zeit damit begonnen, russische Verwaltungsstrukturen einzurichten, den Rubel als Zahlungsmittel einzuführen und Landesbewohnern auf Antrag russische Pässe auszustellen. Am 8. Juni erschien in der regierungsnahen russischen Tageszeitung „Iswestja“ ein Artikel einer  hochrangigen anonymen Quelle, die erklärte, daß im Falle einer Wiederaufnahme der russisch-ukrainischen Verhandlungen die Kiewer Regierung akzeptieren müsse, daß Cherson und Schaporoschje unter russischem Einfluß bleiben werden.[30] Der russische Verteidigungsminister Armeegeneral Sergei Schoigu gab am gleichen Tag bekannt, daß über die Oblaste Donezk, Cherson und Schaporoschje nunmehr eine vollständige Landbrücke mit Straßen- und Eisenbahnverbindungen zwischen dem Gebiet der Russischen Föderation und der Halbinsel Krim hergestellt sei.[31]

Mit der Errichtung dieser Landbrücke sind nun auch die logistischen Voraussetzungen für groß angelegte Operation gegen Nikolajew und Odessa geschaffen. In der russischen Öffentlichkeit mehren sich die Stimmen, die eine Wiedergewinnung von Odessa verlangen, in den Donbaß-Republiken wird ganz offen über die Annektion von Odessa diskutiert.[32] Putin gerät damit in dieser Frage zunehmend unter Zugzwang und wird sich dieser Forderung auf Dauer kaum entziehen können. Selenskyj kommt ihm dabei unfreiwillig entgegen, da er alle territorialen Zugeständnisse an Rußland strikt ablehnt und die Wiederherstellung der Grenzen der Ukraine von 2014 fordert.[33]

Am 9. Juni 2022 hielt Wladimir Putin im Kreml vor einer Gruppe von jungen Unternehmern, Ingenieuren und Wissenschaftlern eine vielbeachtete Rede, in der er einige Anmerkungen zur Politik des russischen Zaren Peter des Großen und ihre Bedeutung für die Gegenwart machte:

„Wir haben gerade die Ausstellung, die dem 350. Geburtstag von Peter dem Großen gewidmet ist, besucht. Es hat sich fast nichts verändert. Das ist eine bemerkenswerte Tatsache. Du kommst zu dieser Erkenntnis, zu diesem Verständnis. Peter der Große hat den Großen Nordischen Krieg über 21 Jahre geführt. Rein äußerlich betrachtet befand er sich im Krieg mit Schweden und hat diesem etwas weggenommen … Er hat aber nicht irgendetwas weggenommen, er hat etwas zurückgeholt. So hat es sich zugetragen. [Es handelt sich um] die Gebiete um den Ladogasee, wo St. Petersburg gegründet wurde. Als er die neue Hauptstadt gründete, erkannte keines der europäischen Länder dieses Gebiet als Teil Rußlands an; jeder betrachtete es als Teil von Schweden. Jedoch lebten seit unvordenklichen Zeiten die Slawen dort zusammen mit einem finno-ugrischen Volksstamm, und dieses Gebiet stand unter russischer Herrschaft. Das gleiche gilt für seine ersten Feldzüge, die er nach Westen, nach Narwa führte. Warum ist er dorthin gezogen? Er hat etwas zurückgeholt und es gestärkt, das ist es, was er getan hat.“[34]

Auf dem Gebiet, das die russische Armee in den vergangenen Monaten im Rahmen der „Besonderen Militärischen Operation“ besetzt hat (und vermutlich noch besetzen wird) wurde 1764 unter der Herrschaft der Kaiserin Katharina der Großen das Gouvernement Noworossija (Neurußland) gegründet. Dieses Territorium war bis dahin nur von einigen Tatarenstämmen besiedelt, die unter der Oberhoheit des Osmanischen Reiches standen. Eine breit angelegte Kolonisierung und Erschließung Noworossijas erfolgte nach dem Russisch-Türkischen Krieg von 1768–1774 unter dem Fürsten Grigori Potjomkin, der von Katharina II. als oberster Verwalter eingesetzt worden war. Das Land wurde an den russischen Adel verteilt, der Kolonisten aus Zentralrussland mitbrachte, zudem wurden viele ausländische Kolonisten angeworben, überwiegend Deutsche, Serben und Griechen. 1822 wurde das Generalgouvernement Neurußland-Bessarabien geschaffen. In kurzer Zeit wurden neue Städte gegründet, darunter Odessa, Sewastopol, Jekaterinoslaw (heute: Dnjepropetrowsk), Alexandrowsk (heute: Saporoschje), Nikolajew, Cherson, Mariupol und andere. Das Russische Kaiserreich von 1721 war ein Zentralstaat, in dem es Gouvernements, Oblaste und Gebiete mit Sonderstatus, aber keine teilsouveränen Republiken gab. 1922 wurde das Gebiet von Noworossija von Lenin der soeben gegründeten Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik angeschlossen.

Das ist der historische Hintergrund, auf den Putin mit seinem unausgesprochenen Vergleich der gegenwärtigen Ereignisse mit der Rückeroberung des Territoriums,  auf dem 1703 St. Petersburg gegründet wurde, durch Peter den Großen anspielt. Die Stadt Narwa liegt heute in Estland, direkt an der Grenze zur Russischen Föderation. Die Erwähnung Narwas in Zusammenhang mit den Eroberungen Peters den Großen ist in der estnischen Regierungshauptstadt Tallinn sehr wohl zur Kenntnis genommen worden und hat dort die Einberufung des russischen Botschafters nach sich gezogen.[35] Putins Anspielung auf Narwa dürfte wohl eine Spitze gegen die finnische Regierung in Helsinki enthalten, die den Beitritt Finnlands zur NATO anstrebt. Die Esten sind ethnisch gesehen eigentlich Finnen, und Tallinn pflegt enge Beziehungen zu Helsinki.

Während die russische Regierung, unterstützt von der Mehrheit ihrer Bevölkerung, bereits umfangreiche Annexionen ukrainischer Gebiete im Osten und Süden des Landes diskutiert und vorbereitet, zeichnet sich der endgültige Zusammenbruch der ukrainischen Front im Donbaß ab.

Auch scheint sich der Wirtschaftskrieg, den die USA und die EU gemeinsam gegen Rußland entfesselt haben, keineswegs so zu entwickeln, wie seine Initiatoren sich das gedacht haben. Die russische Wirtschaft hat die westlichen Sanktionen bisher nahezu unbeschadet überstanden, die Erlöse aus den russischen Exporten von Erdöl und Erdgas haben sich seit dem Beginn dieses Jahres verdoppelt! Dafür nehmen die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in den USA und in der EU rapide zu, innerhalb der amerikanischen Eliten zeigen sich zunehmend Meinungsverschiedenheiten, die Einigkeit unter den Europäern wird zunehmend prekär. Dazu demnächst mehr.

[1] Kissinger: These are the main geopolitical challenges facing the world right now; Davos 2022 23 May 2022; https://www.weforum.org/agenda/2022/05/kissinger-these-are-the-main-geopolitical-challenges-facing-the-world-right-now/

[2] Der Council on Foreign Relations (deutsch: Rat für auswärtige Beziehungen) ist eine private US-amerikanische Denkfabrik mit Fokus auf außenpolitische Themen mit Sitzen in New York und Washington. Die Gesellschaft wurde 1921 in New York von Edward M. House in Zusammenarbeit mit den deutschstämmigen Bankiers Paul M. Warburg und Otto Hermann Kahn, Amerikas einflussreichstem Journalisten, Walter Lippmann, sowie New Yorker Unternehmern, Bankiers und hochrangigen Politikern gegründet. Dem Council wird seit seiner Entstehung eine herausragende Funktion im Formulierungsprozess außenpolitischer Strategien zugesprochen und er gehört mit den mit dem CFR eng verwobenen Chatham House und Carnegie Endowment for International Peace zu den vier weltweit einflussreichsten privaten Think Tanks.

[3] Washington Starts Blame Game Over Defeat In Ukraine, Moon of Alabama 9.6.2022;

https://www.moonofalabama.org/2022/06/washington-starts-blame-game-over-defeat-in-ukraine.html#more

[4] Military Advisor auf Twitter: „Bakhmut-Lisichansk road under fire control.

[5] Ukraine Admits Failure of Severodonetsk Counter-Attack, Putin Slams West’s Economic Policies, Alexander Mercouris 6. Juni 2022; https://www.bitchute.com/video/7Amq-cmGZCQ/

[6] Ukraine Beyond Day 100 – Breaking Resistance, Deep Operation, A New Country, Moon of Alabama 4.6.2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-beyond-day-100-breaking-resistance-deep-operation-a-new-country.html#more

[7] Ukraine’s at Risk of Losing War With Russia: Military Official, Newsweek 10.6.2022;

https://www.newsweek.com/ukraine-risks-losing-artillery-war-russia-vadym-skibitsky-military-intelligence-1714782

[8] Shortage of Artillery Ammunition Saps Ukrainian Frontline Moral, New York Times 10.6.2022;

[9] We’re almost out of ammunition and relying on western arms, says Ukraine, The Guardian 10.6.2022; https://www.theguardian.com/world/2022/jun/10/were-almost-out-of-ammunition-and-relying-on-western-arms-says-ukraine

[10] Ukraine is running out of ammunition as prospects dim on the battlefield, The Washington Post 10.6.2022; https://www.washingtonpost.com/world/2022/06/10/ukraine-ammunition-donbas-russia/

[11] Since everyone asks “what’s the Russian air force doing?” dreizinreport 9.6. 2022;

Since everyone asks “what’s the Russian air force doing?”

[12] Z.B. More 2S7M „Malka“ (Peony) 203mm Russian Destruction; https://www.bitchute.com/video/NaFtuk0w8pqB/

[13] Kim Sengupta, Ukraine forces outgunned up to 40 to one by Russian forces, intelligence report reveals, The Independent 10.6.2022; https://www.independent.co.uk/news/world/europe/ukraine-war-intelligence-russia-kyiv-military-b2096715.html

[14] Ukraine Bits: No Ammo, More Casualties, Thin Lines, Propaganda And Passing The Buck, Moon of Alabama, 11.6. 2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-bits-no-ammo-more-casualties-thin-lines-propaganda-and-passing-the-buck.html#more

[15] Dan Sabbagh, Ukraine’s high casualty rate could bring war to tipping point, The Guardian 10.6.2022; https://www.theguardian.com/world/2022/jun/10/ukraine-casualty-rate-russia-war-tipping-point

[16] Ukraine Admits Losing ‚Artillery War‘ and Therefore the War Itself, Alexander Mercouris, 11.6.2022; https://www.bitchute.com/video/YZb-ba4WqGs/

[17] Kim Sengupta, Ukraine forces outgunned up to 40 to one by Russian forces, intelligence report reveals, The Independent 10.6.2022; https://www.independent.co.uk/news/world/europe/ukraine-war-intelligence-russia-kyiv-military-b2096715.html

[18]The Return of Industrial Warfare; Alex Vershinin, Royal United Services Institute 17.6.2022;

https://rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/return-industrial-warfare

[19] Media Tune Down Ukraine Hysteria – Continue To Print Falsehoods, Moon of Alabama 13.6.2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/media-tune-down-ukraine-hysteria-continue-to-print-falsehoods.html#more

[20] Ministry of Defense of the Russian Federation, 20.6.2022; https://eng.mil.ru/en/special_operation/news/more.htm?id=12425852@egNews

[21] EU leaders go to Kiev. Demilitarisation of Europe, The Duran 19.6.2022;

[22] Ukraine Bits: Casualty Numbers, Kampfgruppen, Territorial Defense Forces; Moon of Alabama 1.6.2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-bits-casualty-numbers-kampfgruppen-territorial-defense-forces.html

[23] Dan Sabbagh, Ukraine’s high casualty rate could bring war to tipping point, The Guardian 10.6.2022; https://www.theguardian.com/world/2022/jun/10/ukraine-casualty-rate-russia-war-tipping-point

[24] Ukraine Bits: No Ammo, More Casualties, Thin Lines, Propaganda And Passing The Buck; Moon of Alabama 11.6.2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-bits-no-ammo-more-casualties-thin-lines-propaganda-and-passing-the-buck.html#more

[25] Best Dreizin ever! Plague returns, USA real estate crashes, & why 2 Brit mercs = toast;

dreizinreport 18.6.2022; https://thedreizinreport.com/2022/06/18/best-dreizin-ever-plague-returns-usa-real-estate-crashes-why-2-brit-mercs-toast/

[26] Ukraine Bits: No Ammo, More Casualties, Thin Lines, Propaganda And Passing The Buck, Moon of Alabama, 11.6. 2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-bits-no-ammo-more-casualties-thin-lines-propaganda-and-passing-the-buck.html#more

[27] Ministry of Defense of the Russian Federation, 20.6.2022;

https://eng.mil.ru/en/special_operation/news/more.htm?id=12425852@egNews

[28] Ukraine SitRep – Lysichansk Cauldron – Sinking Morale – More Provocations; Moon of Alabama 20.6.2022; https://www.moonofalabama.org/2022/06/ukraine-sitrep-lysichansk-cauldron-sinking-morale-more-provocations.html#more

[29] Ukrainian Resistance Collapsing in Northern Donbass, Political Economic Crises Wrack Europe, UK’s Johnson about to Fall, Alexander Mercouris 24.6.62022;  https://www.bitchute.com/video/N2M9-ThmwyA/

Russian Ops in Ukraine (June 24, 2022): Russian Encirclement Closes on Ukrainian Forces, The New Atlas 24.6.2022; https://www.youtube.com/watch?v=I9GSK0ZoBBM

[30] Russia Consolidates Gains, Land Bridge to Crimea Complete, Ukraine Must Surrender Kherson Zaporozh.. Alexander Mercouris 9.6.2022; https://www.bitchute.com/video/gmwCs70o9K4/

[31] Mission accomplished? The meaning of Russia’s claimed land bridge to Crimea, The Guardian 9.6.2022; https://www.theguardian.com/world/2022/jun/09/russia-land-bridge-crimea-ukraine-sergei-shoigu

[32] EU leaders go to Kiev. Demilitarisation of Europe, The Duran 19.6.2022;

[33] Russian Defense Minister Shoigu says land bridge complete, which may signal phase 3 Odessa; The Duran 10.6.2022; https://www.bitchute.com/video/guWCJDXfKis/

[34] Meeting with young entrepreneurs, engineers and scientists, 9.6.2022

en.kremlin.ru/events/president/news/68606

[35] Estland bestellt wegen Putin-Äußerungen Botschafter ein, ORF 10. Juni 2022; https://orf.at/stories/3270603/

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