Die Inflation deckt Lug und Trug auf

von Prof. Dr. Eberhard Hamer

In keinem Bereich wird der fleißige Steuer- und Sozialabgaben zahlende Bürger von den von ihm selbst gewählten politischen Vertretern so belogen und betrogen wie im Finanzbereich:

  • Der preußische Staat war sparsam, sein Staatsanteil am Sozialprodukt betrug 1913 nur 13 %, heute offiziell 50 %, inoffiziell[1] mehr als 55 %. Der Bürger arbeitet also heute mehr für die öffentlichen Kassen und öffentlichen Zwecke als für seinen eigenen Nutzen.

Die Oberschicht lebt im Wesentlichen aus eigenem, steuerverschontem Vermögen oder in Steueroasen transferierten Gewinnen, die Unterschicht mehr aus Sozialleistungen als aus eigener Leistung[2]. Die fleißige Mittelschicht dagegen lebt nicht nur aus eigener Leistung – aus Erwerbseinkommen –, sondern finanziert auch die Randgruppen oben (Subventionen) und unten (Sozialleistungen) wesentlich mit, ist damit zu über 80 % Nettofinancier unserer Gesellschaft[3]. Ergebnis: Die Mitte muss wie ein Hamster im Rad immer mehr leisten, aber behält netto immer weniger, da sie immer mehr geplündert wird[4].

  • Der Mittelstand wird aber nicht nur für Staatsaufgaben und für die soziale Sicherung der Gesellschaft ausgeplündert, sondern immer mehr für fremde Zwecke, die unseren Steuerzahler nichts angehen, mit denen unsere Politiker sich in fremden Ländern, für fremde Zwecke und fremde Menschen mit dem Geld unserer Bürger ihre persönliche Anerkennung oder gar Dankbarkeit erkaufen wollen: Unsere Politiker fahren in kaum ein Land, ohne dort Gelder zu verteilen, „Hilfen“ zu versprechen. Die meisten Gelder der Entwicklungshilfe sind Bestechungs- und Korruptions- und Konzernfördergelder, die nicht im Interesse unser Bürger, sondern häufig sogar gegen deren Interessen liegen. Eine als Verteidigungsministerin gescheiterte und vor Korruptionsvorwürfen nach Brüssel geflohene EU-Präsidentin hat mit Zustimmung von Merkel unter dem Vorwand „Green Deal“ eine Geschenkaktion von 800 Milliarden zur Rettung korrupter und insolventer Euro-Staaten wie Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien u.a. beschlossen, ohne dass die EU ein Steuereinnahmenrecht hat und ohne dass bisher darüber gesprochen wurde, wie das Geld je zurückgezahlt werden soll. Wenn es zurückzuzahlen wäre, könnte dies nur durch Deutschland sein, wieder der deutsche Mittelstand.
  • Friedensnobelpreisträger Obama hat 17 Kriege begonnen bzw. geführt. An den meisten war Deutschland finanziell beteiligt. Und obwohl früher politische Einigkeit bestand, dass Deutschland nie wieder einen Krieg führen wolle, beteiligt sich Deutschland schon mit mehr als 2 Milliarden Direkthilfen sowie weiteren milliardenschweren Militärlieferungen an die Ukraine, beteiligt sich also gegen den Willen der Mehrheit der Bevölkerung und der Zahl des zahlenden Mittelstandes am „Krieg gegen Russland“.
  • Im Interesse der deutschen Bürger liegt es auch nicht, wenn die US-gefolgstreue Bundesregierung unsere billige Gas- und Ölenergie kündigt, um die deutsche Energieversorgung zu gefährden und zu verteuern, oder wenn die Bundesregierung amerikanische Sanktionen und Vermögensbeschlagnahmen russischen Eigentums mitvollzieht und uns damit die für die Zukunft wichtigste Rohstoffquelle und den Exportmarkt im Osten verschließt.
  • Die steigenden Energie- und Lebenshaltungspreise, also die Inflation, sind aber nicht nur Folge der Kriegsbeteiligung unserer von den US-Medien getriebenen schwarz-rot-grünen Politiker; schon seit Jahren wurden in allen Energieländern und der EU wachsende Staatsverschuldungen mit Geldmengenvermehrung finanziert, aber die dadurch nach den Marktgesetzen eigentlich entstehende Inflation durch Nullzinspolitik der Zentralbanken gestoppt (gestaute Inflation), damit die Bürger den Geldbetrug (20faches der Geldmenge bei nur Verdopplung der Gütermenge der letzten 10 Jahre) nicht merken, dem immer wertloser werdendem Fiat-Geld noch vertrauen und vor allem die längst überschuldeten EU-Staaten noch liquide gehalten werden konnten.
  • Dazu hat eine durch Korruptionsverurteilung qualifizierte EU-Präsidentin die Satzung der EU doppelt gebrochen: Sie hat das Verbot der Staatsfinanzierung umgangen, indem sie Banken immer höhere Summen zur Weitergabe an die illiquiden Staaten überwies und so die Schulden- und Geldexplosion befeuerte; und sie hat die satzungsmäßige Pflicht der EZB zur Währungsstabilität durch eine ruinöse Geldmengenvermehrung seit Jahren verletzt. Dass auch die Verpflichtung der Euro-Länder zur jährlichen Target-Saldierung nicht mehr gemacht wurde, hat dem deutschen Steuerzahler eine zusätzliche Last von 1 Bio. Euro Target-Schulden beschert.
  • Die deutsche Regierung hätte diese Rechtsverletzungen der EZB rügen müssen, hat dies aber schon unter Merkel nicht getan. Die heutige Regierung kann dies auch nicht mehr tun, weil sie keinen ökonomischen Sachverstand in ihren Reihen hat (Ökologie statt Ökonomie). Aber auch die pflichtgemäßen Mahnungen des früheren Bundesbankpräsidenten Weidmann wurden nicht gehört, haben ihm seinen berechtigten Anspruch auf den EZB-Vorsitz gekostet, bis er das Betrugsspiel nicht mehr mitmachen wollte und zurücktrat.
  • Die vervielfachte Geldmenge für Schulden- und Staatenrettung der Zentralbanken und der Finanzpolitik haben einen wachsenden Inflationsdruck am Markt erzeugt und den Inflationsstau der Nullzinspolitik der Zentralbanken gesprengt. Inzwischen liegt die Inflation bei 6 bis 8 % Geldentwertung, hat der Marktdruck der steigenden Entwertung und haben die Marktzinsen alle Versuche öffentlicher Inflationsstopps überrollt und lässt sich die Inflation längst nicht mehr als „nur vorübergehend“ oder „unter Kontrolle“ leugnen, bleibt den Tätern (den Zentralbanken und der Finanzpolitik) nur noch der Versuch, die Schuld an der Inflation auf andere abzuwälzen, auf „Putin und den Ukraine-Krieg“[5], die „Lieferkettenprobleme“ oder die „Gier der großen Konzerne“ (Energie, Rohstoffe) oder die Bauern (für Lebensmittelpreissteigerungen). Denn nicht die schuldigen Staatsorgane (Regierungen, Zentralbanken) wollen schuld an den Preissteigerungen und Inflation sein, sondern die zwangsläufig auf Kostensteigerungen reagierenden Marktteilnehmer sollen schuld sein. Die Betrüger weisen wie immer auf andere.
  • Nach der Finanztheorie dürfen öffentliche Schulden nur vorübergehend in Krisen- oder Notfallsituationen aufgenommen und müssen diese mit Zinsen zurückgezahlt werden. Beide Grundsätze einer nachhaltigen Finanzpolitik wurden aufgehoben: die illiquiden Mittelmeerstaaten sind seit Jahren illiquide und müssen durch ständig neue „Hilfspakete“ neuer Schulden „gerettet“ werden Deshalb darf auch der Zins nicht steigen, weil bei 2 % Zinsen zur Überschuldung der Südeuropäer auch noch die Zahlungsunfähigkeit käme. Die Schulden sind nicht mehr vorübergehend und nicht mehr zurückzuzahlen, sondern „ewige Schulden“ (Soros) und ständig steigende Schulden, also ohne Rückweg.

Für eine Entschuldung, etwa durch Sparen, durch Steuererhöhungen oder durch Rückzahlungen ist der „Point of no return“ längst überschritten. Wir haben nicht mehr Millionen Schulden, nicht mehr nur Milliarden Schulden, sondern Billionen Schulden in der EU (3,6 Billionen), in der EZB (6 Billionen) und sogar in der Bundesrepublik (3,3 Billionen Euro).

Wenn also keine finanzpolitische Lösung der Überschuldung mehr möglich ist, bleibt nur das Steigen der Inflation von jetzt unter 10 auf über 10 %.

Die Inflation „ernährt sich aber selbst“, wird aus sich selbst heraus immer schneller, höher, weil die Menschen aus dem Geld- in die Sachwerte flüchten, bis hin zur galoppierenden Inflation wie wir sie in der Geschichte immer wieder gehabt haben und bis zur Zurückweisung des Geldes, also der Auflösung der Währung, die dann eine Währungsreform erzwingt.

Wenn also die Entschuldung nicht mehr möglich ist, ist der Inflationsverlauf in den vorgenannten Stufen nach der Finanztheorie und nach hundertfacher Finanzpraxis in der Geschichte vorgezeichnet.

Bedeutet: Die Menschen halten jetzt Geld in der Hand oder auf dem Konto, dessen Wert ständig mit zunehmender Geschwindigkeit schwindet. Wir werden von der Finanzpolitik entreichert, um den Geldwert betrogen.

Bedeutet aber auch: Wer den Finanzpolitikern und Bankern vertraut und am längsten an den Geldwert glaubt, ist der größte Verlierer.

Die Inflationsspirale deckt den Schuldenbetrug der EZB und Merkel-Politikergeneration, aber auch das Wirtschaftschaos der derzeitigen Politikergeneration (Ökologie statt Ökonomie) durch Wohlstandsverlust bis zur Verarmung auf.

So zeigt sich, dass in Demokratien letztlich der Wähler selbst schuld ist, wenn die von ihm gewählten Regierungen – vorher angekündigte – wohlstandszerstörerische Politik betreiben.

„Ökologie oder Ökonomie“ oder anders ausgedrückt „Ideologie oder Wohlstand“ haben die Bürger selbst zu wählen gehabt und müssen nun die Folgen tragen. Auch nach Hitler waren wir arm.

[1] Neben Kassen wie GEZ, Kammerbeiträgen und Bürokratiesonderlasten

[2] Vgl. Hamer, E. „Wer finanziert den Staat?“, 2. Aufl. 1982, S. 112 ff.

[3] Vgl. Hamer, E. „Wer ist Mittelstand?“, 2. Aufl. 2021, S. 168 ff.

[4] Vgl. Hamer, E. + I. „Mittelstand unter lauter Räubern“, Hannover 2011, S. 46 ff.

[5] Obwohl nicht Putin die Preise für Energie erhöht hat, sondern unsere Politiker selbst die Gazprom-Energie gekündigt haben, um teure amerikanische dafür zu importieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.