Lage Ukraine 25./26.10.22 – Russischer Druck

Nachdem die russischen Streitkräfte die Verteidigung der Frontline in den vergangenen Wochen deutlich verstärkt haben, erhöhen sie nun den Druck auf den Gegner. Während im Norden (Charkow) das Halten der Front im Vordergrund steht, gelang den Russen in der Mitte (Donezk, Saporoshja) wieder einiger Raumgewinn.

Im Zentrum stehen dabei die verstärkten Anstrengungen der russischen Seite, die ukrainischen Truppen aus ihren Stellungen westlich Donezk abzudrängen, damit die gegnerische Artillerie die Stadt nicht mehr erreichen kann. Aufgrund der starken Verschanzungen geschieht der russische Vormarsch allerdings langsam, wenn auch stetig. Es wird um jede Ortschaft und jedes Waldstück gekämpft.

Die russische Aufklärung meldet die weitere Verstärkung der ukrainischen Truppen vor Saporoschja und Cherson, wo nach wie vor mit einer gegnerischen Offensive gerechnet wird. Die Evakuierung der Zivilbevölkerung aus der Region Cherson wird derweil fortgesetzt.

Experten rechnen damit, daß ab Mitte November aufgrund der Witterung und der damit verbundenen Verschlechterung der Geländeverhältnisse größere Operationen mit Bodentruppen nicht mehr möglich sein werden.

Für Verwirrung sorgten im Netz Zahlen über die ukrainischen Gesamtverluste seit Beginn des Krieges. Ein gewisses „OSINT-Projekt“ („Open Source Intelligence“) will errechnet haben, daß seit Februar rund 400.000 ukrainische Soldaten gefallen seien, darunter 50.000 ausländische Söldner. Bei einer geschätzten Gesamtstärke der ukrainischen Armee von 1 Mio. Mann wären das 40%. Eine unglaubwürdige Zahl, die man getrost in das Reich der Phantasie verweisen kann. Zutreffender dürften die Meldungen sein, die von 100.000 gefallenen Ukrainern sprechen. Dagegen werden der russischen Seite 70.000 Mann Gesamtverluste (tot, verwundet, vermißt) zugewiesen. Doch sind alle diese Angaben mit großer Vorsicht zu genießen.

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