Für eine Landesverteidigung in nationalem Interesse

von Karl M. Richter

Gerade scheint die Bundeswehr die Landesverteidigung wiederentdeckt zu haben, indem sie ein „Territoriales Führungskommando“ neu eingerichtet hat. Dies, nachdem eben die territoriale Verteidigung mit dem Umbau – oder besser der Schleifung – der Bundeswehr nach 1990 in „Verbrannter-Erde“-Manier zerschlagen wurde, ebenso wie die Wehrpflicht.

Nun muß man dies alles also mühsam und teuer wieder aus dem Boden stampfen. Besser spät als nie, könnte man sagen. Doch ob die Motivation dazu einem Lernprozeß mit besserer Einsicht seitens der Politik entsprungen ist, muß bezweifelt werden. Denn an der grundsätzlichen Auffassung von der Bundeswehr als einer Verfügungstruppe für die US-amerikanischen Interessen wird nach wie vor festgehalten.

Eben diese US-Herren fordern einen stärkeren Militärbeitrag der Deutschen – ebenfalls in eigenem Interesse. Denn gerade die Verwicklung in den Ukraine-Krieg als Stellvertreterkrieg zwischen Washington-Moskau und Peking kommt die Amerikaner teurer zu stehen, als ihnen lieb ist. Nun dürfen dafür die lieben Verbündeten bluten.

Wer an der Stärkung der nationalen Verteidigung interessiert ist, wird der Verbesserung der materiellen Grundlagen der deutschen Armee zustimmen. Doch noch mehr als dies ist dafür die Besserung – oder vielmehr – Erneuerung der Moral der Truppe vonnöten. Denn außer der sträflichen Vernachlässigung der Ausrüstung und Ausstattung wurde die Moral der Truppe ruiniert. Mit voller Absicht, aus politischer Verachtung des deutschen Militärs heraus.

Man kann eine Armee noch so gut mit Waffen und Gerät ausstatten, es ist sinnlos, wenn die Moral zerstört ist. Und gerade dies ist mit der Bundeswehr geschehen. Die Rede ist vom jahrzehntelangen Mißbrauch unserer Soldaten für sinnlose und zum Teil völkerrechtswidrige Auslandseinsätze, die keinen Funken deutschen Interesses enthielten. Das Desaster des Afghanistan-Einsatzes ist ja noch frisch in Erinnerung. Man mißbraucht eine Truppe als Söldnerarmee für fremde Interessen aber nicht ohne fatale Folgen. Das Vertrauen in die Führung wurde untergraben. Sie werden ehrlicherweise in der Bundeswehr keinen Führer finden, der im Afghanistan-Abenteuer irgendeinen Sinn gefunden hätte.

Eine Erneuerung der Moral aber muß beim Auftrag der Streitkräfte beginnen. Dies ist und bleibt die Verteidigung der Grenzen des eigenen Landes sowie der Schutz des Volkes und seines Eigentums. Selbstverständlich kann Deutschland zu diesem Zweck auch Bündnisse eingehen. Doch nur dann, wenn die Interessen der Landesverteidigung an erster Stelle stehen. Mit dem deutschen Vasallentum muß es ein für alle Mal ein Ende haben.

Landesverteidigung setzt Patriotismus voraus. Dies ist die Liebe zum eigenen Vaterland und Volk, die von jedem deutschen Soldaten zu fordern ist. Nicht zu verwechseln ist dieser Patriotismus mit irgendeiner Loyalität gegenüber einer politischen Klasse und ihrer Ideologie. Die Armee muß grundsätzlich unpolitisch sein, d.h. von jedweder ideologischen Vereinnahmung geschützt werden. Liebe zu Volk und Vaterland muß erneut wesentliches Erziehungsziel in Familie und Schule werden.

Die deutsche Armee muß wieder auf der Allgemeinen Wehrpflicht beruhen, die in Preußen und Deutschland seit 1813 Tradition hat. Es gilt nach wie vor der Satz Scharnhorsts: „Jeder Bürger ist der geborene Verteidiger seines Vaterlandes“. Die Armee ist auch immer eine Schule der Nation im besten Sinne gewesen, wenigstens dann, als in ihr noch echter soldatischer Geist und Tugend lebte. Die Wehrpflicht ist auch das besten Reservoir für die Gewinnung des Führernachwuchse, vor allem für das Unteroffizierkorps, dem Rückgrat der Armee. Alte Kompaniechefs und Kompaniefeldwebel wissen das ganz genau.

Der Stand des Soldaten muß im Volk wieder zu Ehren gebracht werden. Es gibt kein höheres und edleres Opfer, als sein Leben für die Verteidigung des Vaterlandes einzusetzen. Die Erziehung in Familie und Schule haben dies zu vermitteln. Es muß wieder eine selbstverständliche Ehrenpflicht für jeden jungen Deutschen werden, in der Armee zu dienen. Und es muß wieder eine deutsche Armee geschaffen werden, die dieses Einsatzes würdig ist.

Traditionspflege ist ein wesentliches Element soldatischer Erziehung und Ausbildung und damit der Moral der Truppe. Gerade dies ist von den politischen Ideologen in Deutschland gründlichst ruiniert worden. Die Bundeswehr von den Traditionen ihrer Vorgängerarmeen abzukappen, war ein verheerender Fehler, der die Axt an den Geist des Soldatentums selbst gelegt hat. Jede Armee braucht geschichtliche Vorbilder, die ehrenvoll und tapfer in Kriegen gefochten haben. Selbstverständlich finden wir sie auch und gerade in der deutschen Wehrmacht, welche einschließlich der Waffen-SS ganz überwiegend ritterlich gekämpft hat. Davor finden wir Vorbilder in der Alten Armee, die das Kaiserreich 1871 schuf und im Ersten Weltkrieges vier Jahre lang unbesiegt im Felde gegen eine Welt von Feinden standgehalten hat. Davor in der Armee der Befreiungskriege von 1813-1815. Davor in den Armeen Friedrichs des Großen, des Soldatenkönigs und des Großen Kurfürsten. Es werden noch Traditionen weiterer deutscher Armeen hinzuzufügen sein, nicht zuletzt diejenigen unserer wehhaften germanischen Vorfahren, die vor mehr als 2000 Jahren unter Arminius die Freiheit und Unabhängigkeit ihrer Heimat gegen fremde Usurpatoren verteidigten. Diese deutschen Armeen enthalten alle unverzichtbare Traditionen für das Selbstverständnis und Selbstvertrauen des deutschen Soldaten, auch und gerade heute.

Ein Wort zu Frauen in der Armee. Kein Land, das sich als einigermaßen zivilisiert versteht, wird Frauen in Kampfeinsätze schicken. Kein Kommandeur mit Ehre und Verantwortungsgefühl wird eine Frau in den Schützengraben stecken. Dies gebietet die Sittlichkeit und der Anstand gegenüber dem Geschlecht, das in erster Linie die Rolle als Mutter versieht und damit von Seiten des Volkes und des Staates besonders schutzwürdig ist.

Das Eiserne Kreuz ist seit seiner Stiftung als Tapferkeitsauszeichnung das besondere Symbol der deutschen Armeen geworden. Seine vier Arme repräsentieren die grundlegenden Soldatentugenden: Ritterlichkeit, Tapferkeit, Treue und Kameradschaft. Verbunden mit der Tugend der Liebe zu Volk und Vaterland stellen sie den ethischen Kern deutschen Soldatentums durch die Jahrhunderte dar. Auch heute noch ziert das Eiserne Kreuz Fahrzeuge, Flugzeuge und Schiffe der drei Teilstreitkräfte der Bundeswehr. Seine Bedeutung aber ist durch Politiker ausgehöhlt worden, die in ihren Charakteren geradezu das Gegenteil der von diesem hohen Orden vertretenen Tugenden darstellen. Eine Erneuerung der deutschen Armee im Sinne einer Landesverteidigung im nationalen Interesse wird vor allem bedeuten, unsere Soldaten aus den Fängen dieser Politiker zu befreien.

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