Langemarck!

„Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen“

Inschrift auf dem Heldenfriedhof von Langemarck

Am 10. November 2022 jährt sich zum 108. Mal der Sturm der jungen, kriegsfreiwilligen deutschen Regimenter auf das flandrische Dorf Langemarck (Belgien) zu Beginn des Ersten Weltkrieges, der in der Folge zum Mythos wurde. In einer Zeit, da das heldenmütige Opfer für das Vaterland allgemein in den Schmutz getreten und der deutsche Soldat früherer Zeiten beleidigt und verhöhnt wird, erscheinen die Ereignisse von Langemarck den meisten Deutschen fremd und fern. Heute wollen wir an sie erinnern. Und an unsere gefallenen Helden von damals.

Der Kampf um Langemarck spielte sich im Rahmen der Ersten Flandernschlacht (von insgesamt vier) im Oktober und November 1914 ab. Damals war gerade die Schlacht an der Marne verlorengegangen und der deutsche Angriff gegen Paris zum Stehen gekommen. Im September/Oktober 1914 fand der „Wettlauf an den Kanal“ (gemeint ist der Ärmelkanal) statt, mit dem die Kriegsparteien die Nordflanke in Flandern bis zur Meeresküste gewinnen wollten. Dieser Wettlauf ging unentschieden aus. In der Folge versuchte die deutsche Seite, zwischen der belgischen Stadt Ypern im Süden und dem Hafen Nieuwpoort (Entfernung 35 km) durchzubrechen, um das britische Expeditionskorps von seinen Nachschubhäfen abzuschneiden und die linke Flanke des Gegners zu umgehen. Ziel war es, den steckengebliebenen Bewegungskrieg wieder in Gang zu bekommen.

Die Erste Flandernschlacht dauerte vom 20. Oktober bis zum 18. November 1914. In den äußerst harten und verlustreichen Kämpfen gelang es den Deutschen nicht, die alliierte Verteidigung zu durchbrechen. Nachdem es Mitte November 1914 erforderlich geworden war, Verbände von der West- an die Ostfront zu verlegen, wurden die Angriffe eingestellt und zur Verteidigung übergegangen.

Die Hauptkampflinie zwischen Ypern und Nieuwpoort stellte der Fluß Yser dar. Dorthin wichen zunächst die belgischen Kräfte aus, welche zuvor Antwerpen verteidigt hatten, das von den Deutschen genommen worden war. Verstärkt wurden die Belgier von starken französischen und britischen Truppen.

Mit dem Angriff gegen die alliierte Verteidigung in Flandern wurde die neu aufgestellte 4. Armee beauftragt, die von Generaloberst Albrecht Herzog von Württemberg befehligt wurde. Sie bestand ausschließlich aus Reserveverbänden, nämlich 5 Armeekorps mit insgesamt 11 Divisionen (140.000) Mann. In den Infanterieverbänden dienten viele Kriegsfreiwillige (unter ihnen Studenten), die lediglich eine kurze Grundausbildung durchlaufen waren. Daneben litten die Verbände unter nicht ausreichender Unterstützung durch Artillerie. Dies und die Unerfahrenheit der Truppe waren ausschlaggebende Gründe für das letztliche Scheitern der Angriffe.

Die Absicht des Armeeoberkommandos war es, auf der gesamten Frontbreite mit den fünf Armeekorps nebeneinander anzugreifen. Die Yser sollte überschritten, der Verteidiger geworfen, entlang der Küste vorgestoßen und die Stadt Ypern genommen werden. Die hartnäckige alliierte Verteidigung hinderte den Angreifer allerdings daran, den Fluß in breiter Front überhaupt zu erreichen. Lediglich an einigen Stellen gelang es den deutschen Truppen, die Yser zu überschreiten und kleine Brückenköpfe zu bilden. All dies unter großen Verlusten. In allen Fällen jedoch wurden die Deutschen bald wieder in ihre Ausgangsstellungen zurückgeworfen. Im Verlaufe der Kämpfe setzten die Belgier das Gelände zwischen dem Ort Dixmuiden und der Kanalküste (Strecke 10 km) unter Wasser, indem die Seeschleusen bei Flut geöffnet und bei Ebbe geschlossen wurden, so daß das aufgelaufene Wasser nicht mehr abfließen konnte. Hierdurch wurde es den Deutschen unmöglich, den Durchbruch an der Küste zu bewerkstelligen.

Die Kämpfe kulminierten Anfang November 1914 in dem Bereich ostwärts und nördlich der Stadt Ypern bis nach Dixmuide. Hier verteidigten insbesondere die britischen Berufssoldaten ausgesprochen hartnäckig. Doch immer wieder ordnete das deutsche Oberkommando an, die Angriffe trotz großer Verluste fortzusetzen, um schließlich den Erfolg doch noch zu erzwingen. Vergeblich.

Das Örtchen Langemarck (auch geschrieben: Langemark), 6 km nördlich von Ypern gelegen, stellte im Angriffsgelände eine Schlüsselstellung dar. Es sperrte den Zugang zur Yser, welche einige Kilometer dahinter lag. Dementsprechend war Langemarck von den Alliierten stark befestigt worden und wurde hartnäckig verteidigt. Seit dem 20. Oktober 1914 hatten sich die deutschen Angreifer daran die Zähne ausgebissen. Zwar gelang es einige Male, links und rechts des Ortes vorbei bis an den Kanal zu stoßen, doch mit dem Feind vor sich und im Rücken mußte man jedes Mal wieder zurück. Stets hatte es hohe Verluste gegeben. Starken Blutzoll verlangten die Versuche, Langemarck den Verteidigern zu entwinden.

Jener berühmte Angriff auf den Ort am 10. November 1914 war also ein Versuch von vielen vorher. Bekannt wurde er allerdings durch einen kurzen Bericht der deutschen Obersten Heeresleitung (OHL) vom Tage danach:

„Westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange ‚Deutschland, Deutschland über alles‘ gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangengenommen und sechs Maschinengewehre erbeutet.“

Tatsächlich konnten an jedem Tage die 45. und 46. Reserve-Division des XXIII. Reserve-Korps sowie die dem III. Reserve-Korps unterstellte 44. Reserve-Division auf fast vier Kilometern Breite gut einen Kilometer weit vordringen, mit Teilen den Yser-Kanal erreichen und einige hundert französische Gefangene einbringen. Allerdings war dem links anschließenden III. Reservekorps die Einnahme von Langemarck nicht gelungen. Besonders die dem III. Reservekorps unterstellte 9. Reserve-Division hatte schwere Verluste erlitten und über 2000 Mann verloren.

Der Bericht der OHL wurde von fast allen deutschen Tageszeitungen abgedruckt und erlangte bald große Berühmtheit. Der Opfergang der „jungen Regimenter“, die aus Reservisten und Kriegsfreiwilligen, darunter Studenten, bestanden, erinnerte an die Größe antiker Heldenschlachten. Überall wurden im gleichen Atemzuge Hölderlins berühmte Verse zitiert:

„Lebe droben, o Vaterland, Und zähle nicht die Toten!

Dir ist, Liebes! nicht Einer zu viel gefallen!“

Im Kriege, aber vor allem in der Weimarer Republik, wurde der Ausruf „Langemarck!“ bald zu einem Mythos, der von der Tragik des Scheiterns nur noch verstärkt wurde. Denkmäler wurden errichtet, Straßen und Kasernen benannt, Langemarck-Tage und -feiern eingeführt. Besonders die Studentenschaft gedachte ihrer gefallenen jungen Helden, obwohl bei weitem nicht alle Kriegsfreiwilligen (wahrscheinlich sogar die wenigsten) dem Akademikerstand entstammten.

Bücher wurden geschrieben, Erlebnisberichte verfaßt. Natürlich entdeckte und nutzte auch der Nationalsozialismus den Mythos Langemarck. Im Berliner Olympiastadion wurde 1936 eine Weihehalle zu Ehren der Gefallenen eingerichtet, die heute (erstaunlicher Weise) noch existiert.

Nach dem oben erwähnten Bericht der deutschen Obersten Heeresleitung stürmten die „jungen  Regimenter“ mit dem Deutschlandlied auf den Lippen voran. Heute wird dies zumeist bestritten, wie der Langemarck-Mythos insgesamt mir Häme und Verachtung übergossen wird. Es existieren aber zahlreiche Berichte von Zeugen, darunter auch von Feindseite, daß dies den Tatsachen entsprach. Gleiches wurde auch von anderen Schlachtfeldern zuverlässig berichtet.

Die herausragende Heldengedenkstätte ist allerdings der deutsche Soldatenfriedhof in Langemarck, der 1915 angelegt und bis Kriegsende durch Zubettungen erweitert wurde. Nach 1918 erfolgten weitere Umbettungen von anderen Friedhöfen, so daß heute dort 44.304 deutsche Helden ruhen. Zahlreiche Denkmäler zieren den Friedhof, darunter solche der deutschen Studentenverbindungen. Die Namen der Gefallenen sind auf Tafeln verewigt. Über dem Portal aber prangt der Spruch von Heinrich Lersch aus dem Jahre 1914:

„Deutschland muß leben und wenn wir sterben müssen“

Es nimmt nicht Wunder, daß die heutige öffentliche deutsche Geschichtsschreibung den „Mythos Langemarck“ in den Schmutz zieht. Langemarck stünde für sinnloses Sterben, sei eine Knochenmühle gewesen, in welche die Soldaten von gewissenlosen und ehrgeizigen Offizieren getrieben worden seien. Beurteilungen von Leuten, die selber kein Vaterland kennen, keinen Ehrbegriff besitzen. Sollen sie weiterschmieren. Für uns deutsche Patrioten steht Langemarck auch heute noch für selbstloses Opfertum und Heldenmut im Dienste von Volk und Vaterland. In diesem Sinne schließen wir unser Gedenken mit dem Gedicht eines ebenfalls im Ersten Weltkrieg gefallenen Helden: Walter Flex.

„Wir sanken hin für Deutschlands Glanz.

Blüh´, Deutschland, uns als Totenkranz!

Der Bruder, der den Acker pflügt,

ist mir ein Denkmal, wohlgefügt.

Die Mutter, die ihr Kindlein hegt,

ein Blümlein überm Grab mir pflegt.

Die Büblein schlank, die Dirnlein rank

blühen mir als Totengärtlein Dank.

Blüh´, Deutschland, überm Grabe mein

jung, stark und schön als Heldenhain!“

 

Stephan Ehmke

 

One thought on “Langemarck!

  1. Danke für diesen Artikel, der die vielen für unser Volk Gefallenen ehrt. Mein Großvater trug aus diesem Krieg eine Behinderung seiner Hand davon, sein Bruder opferte das junge Leben und hinterließ trauernde Eltern. Von ihrer Enkel- und Urenkelgeneration bleibt ihnen fast jedes Verständnis versagt. Ihr damaliger Patriotismus wird heute ahnungslos mit brutalem Nationalismus verwechselt bzw. gleichgesetzt. Keiner denkt daran, daß sie genauso wie die Heutigen Kinder ihrer Zeit waren. Nicht nur sie unterlagen einer Gehirnwäsche: auch die heute Jungen, was auch immer sie beinhaltet. Aber: Wer seine Wurzeln nicht kennt und achtet, ist wurzellos jedem Sturm preisgegeben.

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