Lage Ukraine 9./10.11.22 – Die Aufgabe Chersons

Rußland gibt das Gelände rechts des Dnjpr, einschl. der Stadt Cherson auf und richtet sich auf der linken Seite des Flusses zur Verteidigung ein.

Die offizielle Begründung seitens des russischen Oberkommandos lautet:

  • Die Versorgung und die Verbindung der Truppen über den Dnjpr sind bedroht,
  • Die Gefahr eines Durchbruches seitens der Ukraine mit der Folge des Abschneidens bzw. Einkesselns der eigenen Truppen ist zu groß.

Als Vorteil dieser Maßnahme wird das Freiwerden von Truppen für andere Frontabschnitte angegeben. Allerdings gilt dies auch für die ukrainische Seite, denn dort wird man einen Angriff über den Dnjpr wahrscheinlich nicht in Betracht ziehen.

Die Beurteilung der Lage und der Entschluß zum Rückzug basieren offensichtlich auf der deutlichen Überlegenheit der ukrainischen Bodentruppen an der Cherson-Front.

Nach unbestätigten Meldungen hat das Lösen vom Feind und der Abmarsch der russischen Truppen in der vergangenen Nacht begonnen.

Die Tatsache, daß die ukrainischen Streitkräfte nicht nachzudrängen scheinen bzw. bereits vor der Bekanntgabe der russischen Entscheidung keine wesentlichen Gefechte an der Hauptkampflinie mehr stattfanden, läßt auf gegenseitige Absprachen schließen. Ob dies ein Hinweis auf weitergehende Verhandlungen ist, wie einige Stimmen im Netz vermuten, muß offen bleiben.

Insbesondere in der Stadt Cherson sollen sich trotz Evakuierung noch tausende Zivilisten aufhalten. Ukrainische Soldaten haben in den sozialen Medien bereits Vergeltungsmaßnahmen an „Kollaborateuren“ angekündigt.

In Rußland wird der Rückzug aus dem Gebiet Cherson kritisch diskutiert. Für den Entschluß wird  aus militärischer Sicht Verständnis aufgebracht, politisch wird er von vielen Russen als Katastrophe angesehen. Ob diese nach Charkow zweite bedeutende „Niederlage“ in diesem Krieg (auch wenn sie militärisch objektiv keine solche ist) Auswirkungen auf die Regierung Putins haben wird, bleibt abzuwarten.

Weitere Informationen, auch zu den anderen Frontabschnitten:

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