Wird „Sleepy Fritz“ der nächste Biden?

„Lethargisch“, „Wie ein Opa“, Erholungsbedürftig“, „Ständig Urlaub“, „Nur dagesessen“: Kommt Ihnen das bekannt vor? Wenn Sie dabei an den ehemaligen US-Präsidenten Joe Biden denken, liegen Sie natürlich richtig. Doch hier ist niemand anders als der designierte nächste Kanzler der Bundesrepublik Deutschland genannt. Die Beschreibungen des Friedrich Merz in den Koalitionsverhandlungen lassen darauf schließen, dass er ein „Sleepy Fritz“ werden könnte. 

Lesen Sie dazu hier den Kommentar auf Junge Freiheit-Online vom 14.4.2025:

„Wie ein Opa“: Ist Merz dem Amt des Kanzlers gewachsen?

von Frank Hauke
Was ist los mit Merz? Bei den Koalitionsverhandlungen wirkt er unbeteiligt, die Krisengespräche mit der SPD führt jemand anders. Ständig braucht der 69jährige Urlaub. Und nun schließt er Steuererhöhungen nicht aus. Dabei wollte er deswegen seine Kanzlerpläne beerdigen.

Die Aussage von Friedrich Merz am Sonntagabend zu Steuererhöhungen verwundert in vielerlei Hinsicht. „Man soll nie ‚nie‘ sagen. Wir wissen nicht, was noch auf dieser Welt passiert“, sagte der CDU-Vorsitzende in der ARD-Sendung „Caren Miosga“. Dabei hatte die Union das plötzlich auftauchende Ansinnen der SPD, diverse Steuern zu erhöhen, in den Koalitionsverhandlungen gerade noch abgewendet.

Allerdings vollbrachte das nicht Merz, sondern CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt. Zehnmal soll der Bayer, so berichtet es jetzt der Spiegel, mit dem SPD-Vorsitzenden Lars Klingbeil unter vier Augen gesprochen haben, um die Kuh vom Eis zu bekommen. Merz hielt sich dabei zurück und ließ die Kärrnerarbeit den Verhandlungsführer der Schwesterpartei übernehmen. Angeblich wollte er sogar aufgeben, zu Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gehen und die Regierungsbildung für gescheitert erklären.

Um die Steuererhöhungen zu verhindern, die Merz endgültig wie das Wirtstier der SPD hätten aussehen lassen, verzichtete die Union auf die sofortige Senkung der Körperschaftsteuer und die Abschaffung des Solidaritätszuschlages – ein hoher Preis, der nach außen als Sieg verkauft wurde, in Wirklichkeit aber eine Niederlage war. Denn von den Steuererhöhungen war nach den Sondierungen keine Rede. Diese brachten die Genossen erst kurz vor Ende der Koalitionsverhandlungen auf den Tisch – und rangen der Union damit noch mehr Zugeständnisse ab.

Merz‘ unerklärliche Steuer-Kehrtwende

Doch nun setzt sich Merz zu Miosga und deutet doch wieder Steuererhöhungen an. Das erscheint nach der Vorgeschichte völlig unverständlich. Was ist los mit dem Mann, der am 11. November 70 Jahre alt wird und am 6. Mai zum zehnten Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland gewählt werden soll?

Schon die Verhandlungen mit den Sozialdemokraten mußten vor einer Woche unterbrochen werden, weil Merz dringend Erholung brauchte und nach Hause ins Sauerland flog. Bei Miosga klagte er erneut über die Belastung und kündigte an: „Jetzt brauche ich ein paar Tage Urlaub.“ Ist der Mann der Aufgabe, das Land zu führen, überhaupt gewachsen?

Was ist geblieben von den Versprechungen im Wahlkampf, die Merz oft mit den Worten „Mit dem ersten Tag meiner Kanzlerschaft …“ einleitete? Nach Energie und Tatendrang klingt die Akzentuierung seiner Work-Life-Balance nicht.

„Wie ein Opa, dem alles über den Kopf gewachsen ist“

Dazu paßt, daß die Sozialdemokraten von einem lethargischen Merz in den Gesprächen berichten. Der CDU-Chef habe, so erzählen sie es jetzt dem Spiegel, oft zurückgelehnt in seinem Stuhl gesessen und nur zugehört. Merz habe „nicht geführt, sondern andere machen lassen“ und abwesend gewirkt. Die Erzählung gipfelt in dem Satz, der 69jährige habe „in den Sitzungen gelegentlich ‚wie ein Opa‘ gesessen, dem alles über den Kopf gewachsen sei“. Man habe dem Christdemokraten, so berichtet ein Klingbeil-Vertrauter, sowohl sein Alter als auch die Belastung der vergangenen Wochen und Monate angemerkt.

Die CDU versucht das Image ihres kommenden Kanzlers zu retten, indem sie die SPD-Anekdoten zwar nicht dementiert, sie aber als Beleg dafür sieht, daß Merz die unangefochtene Nummer eins sei. Dieser habe es sich deshalb leisten können, die Kompromisse von anderen aushandeln zu lassen. SPD-Chef Klingbeil habe dagegen alles selbst machen müssen.

Daran, daß diese Taktik aufging, wenn sie denn keine Schönrednerei ist, darf gezweifelt werden. Denn von allen drei Parteien hat die CDU mit Abstand am wenigsten in den Koalitionsverhandlungen durchsetzen können. Die CSU konnte wenigstens mit ihrer Mütterrente, der weiteren Subvention für Agrardiesel und der Senkung der Mehrwertsteuer für Speisen in der Gastronomie glänzen.

CDU konnte kaum etwas durchsetzen

Die CDU dagegen vermochte es weder ihre Steuerentlastungen für den Mittelstand, die Abkehr von der völlig ineffizienten Energiewende noch die Rückkehr zur Kernkraft in den Koalitionsvertrag zu hieven. Die „Migrationswende“ steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Nachbarländer – ein Vorhaben, das seit 2015 regelmäßig daran scheitert, daß diese dankbar die Einwanderer einfach durchwinken. Warum sollten sie das jetzt ändern und die Ausländer behalten? Weil Merz darum bittet? Wenn er das mit derselben Energie tut, mit der er an den Koalitionsgesprächen teilnahm, dürften die Chancen noch geringer sein, als sie es ohnehin schon sind.

Merz ist entgegen allen Beteuerungen im Wahlkampf gar nicht mehr an einem „Politikwechsel“ interessiert. Ihm geht es, so berichten Teilnehmer an den Koalitionsverhandlungen, nur noch um einen Block gegen die immer stärker werdende AfD. Das soll ihn mit SPD-Chef Klingbeil zusammenschweißen, den er in der CDU nur noch „den Lars“ nennt. Der Anblick der riesigen AfD-Fraktion im neuen Bundestag habe einen schockierenden Eindruck auf die beiden hinterlassen. Vor allem das verbinde sie miteinander. Ob das ausreicht, damit Merz das Land aus den schwersten Krisen seit 1949 herausführt?

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