In der Vergangenheit fielen eine Reihe von Politikern und andere Personen des öffentlichen Interesses mit plagiierten Dissertationen auf. Prominent waren die Fälle Karl Theodor zu Guttenberg (CSU/Verteidigungsminister), Annette Schavan (CDU/Bundesbildungsministerin) und Franziska Giffey (SPD/Bundesfamilienministerin), die wegen gravierender Verstöße gegen wissenschaftliche Standards ihre Doktortitel verloren haben. Aktuell in der Diskussion steht die ehemalige Kandidatin für das Amt einer Richterin am Bundesverfassungsgericht, die Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf. Die Zahl der nicht öffentlich Genannten dürfte wesentlich höher sein. Ihnen allen ist meistens gemeinsam, dass sie in größerem Umfang abgeschrieben oder/und falsch zitiert bzw. Zitate nicht gekennzeichnet haben. Das Auffliegen dieser Betrügereien wurde erleichtert durch die Digitalisierung der entsprechenden Literatur. So kann die Analyse von Arbeiten mit speziellen Programmen heute automatisiert, schnell und zuverlässig erfolgen. Besser dran sind diejenigen, die vor der Computerära promoviert haben haben und deren Dissertationen in analoger Form in Regalen von Bibliotheken längst im Staub versunken sind.
Mit der Digitalisierung und den Fällen prominenter Dissertationsbetrüger kam das Amt des „Plagiatsjägers“ auf, der sich gezielt um die Doktorarbeiten zumeist von Politikern kümmert. Bekannt geworden ist etwa der Österreicher Dr. Stefan Weber. Dass nun der Eindruck entstanden ist, Politiker würden besonders häufig bei ihren Doktorarbeiten schummeln, mag an der selektiven Wahrnehmung liegen. Man kann vermuten, dass solche Fälle quer durch die Bank vorkommen, wahrscheinlich ist die Dunkelziffer ziemlich hoch.
Politiker wie zu Guttenberg oder Schavan mussten ihre Karriere nach Aberkennung des akademischen Titels beenden, andere, wie Franziska Giffey, kamen relativ glimpflich davon. Vielleicht liegt das an der Parteizugehörigkeit.
Vor einem Jahr wurde gegen noch einen anderen prominenten Politiker ein Verfahren wegen des Verdachts der Plagiatur seiner Dissertation eröffnet: Es handelt sich um den Thüringischen Ministerpräsidenten Mario Vogt. Dessen Arbeit wird von der Technischen Universität Chemnitz untersucht, jedoch beklagen Kritiker dieser Tage einen sehr schleppenden Fortgang des Verfahrens. Der Verdacht: Die in Sachsen regierenden Parteifreunde Voigts könnten auf die Hochschule Druck ausüben.
Hier können Sie einen Bericht über den Fall mit dem Titel „Ein Dieb der großen Worte?“ auf sciencefiles.org lesen.

