„… solange kann Deutschland nur sinken, nicht gesunden.“

„Aber darf ein Volk, das kein Geschick für eigene Geschäfte zeigt und, wenn der richtige Führer fehlt, zur Selbstpreisgabe zu neigen scheint, darauf hoffen, dass die Vorsehung es immer wieder durch einen Vormund groß macht, wie Friedrich d. Gr. oder Bismarck? Sehen wir doch in unseren Tagen die führerlosen Massen, kaum zur Macht gelangt, mit nichts eifriger beschäftigt, als damit, alles das abzubauen, und aufzulösen, was uns an nationaler Überlieferung, Stolz und gutem Willen geblieben ist. Es ist, als ob sie verhindern wollten, dass je wieder ein großer Patriot aufstehen könne, um in späterer Zeit das Volk doch noch einmal durch den breiten Strom seiner Selbsterniedrigung hindurchzutragen“.

„Unserer mangelnden Würde im Unglück liegt wie unsere unzulängliche Zurückhaltung im Glück die Illusion zugrunde, als ob der Beengtheit unserer Weltstellung abgeholfen werden könnte durch Worte und Gefühle, statt einzig durch straff gefasste und klugverwendete Macht.“

„Solange wir das Volk mit dem schwächsten Nationalgefühl sind, das jeden Länderraub oder sonstige Schmach, die uns angetan wird, mit Versöhnungsreden erwidert, damit straflos macht und zu neuem Raub einlädt, solange wir ohne den erforderlichen Nationalstolz den Sitten und Formen anderer Völker nachlaufen und solange uns das Bekämpfen anderer Deutscher von anderer Parteirichtung wichtiger ist als das Zusammenhalten gegen außen, solange kann Deutschland nur sinken, nicht gesunden.“ (S. 296 f)

Erinnerungen des Großadmirals Alfred von Tirpitz, Leipzig, Verlag von K.F. Koehler, 1919

Foto: Großadmiral Alfred von Tirpitz, Staatssekretär im Reichsmarineamt, Politiker der Deutschnationalen Volkspartei. Wikipedia gemeinfrei. 

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