Márton Békés: „Nationaler Block“

Wer über Reconquista und Erhalt ethnokultureller Identität spricht, sollte auch den Blick nach Ungarn tun und auf den Weg, den Victor Orbán mit seiner nationalkonservativen Fidesz-Bewegung in mehr als 20 Jahren zurückgelegt hat. Er schaffte es, sein Land aus dem Würgegriff sozialistisch-liberaler Misswirtschaft und Kulturzerstörung auf eine stabile christlich-konservative und patriotische Basis zu stellen. Der junge ungarische Autor Márton Békés beschreibt diesen Weg in seinem Buch „Nationaler Block“, das Martin Sellner rezensiert hat: 

„Schade, daß Márton Békés‘ Buch „Nationaler Block“ nicht bereits vor „Regime Change von Rechts“ erschien. Das Bändchen ist die ideale Ergänzung, ja der Schlußstein für die Theorie einer rechten Kulturrevolution. Die „Orbánisierung“ wird zwar in meinem Buch erwähnt, doch Békés, ein ungarischer Kulturkämpfer und Gramsciexperte, berichtet hier aus erster Hand.

Bisher mußte man sich bei der Spurensuche durch orbánkritische Litertur linksliberaler Autoren wühlen. Erst Werner Patzelts Buch widmete sich dem Phänomen einigermaßen neutral. Nun spricht mit Békés erstmals ein Veteran und Akteur der metapolitischen Kämpfe in der pannonischen Tiefebene.

Der Herausgeber des Ungarischen Kommentár, ein mit der Sezession vergleichbares Magazins, beschreibt in dem Buch Wesen, Funktionsweise und Tragweite der magyarischen Kulturrevolution.

Orbáns mehr als zehnjährige Regierungszeit, in der bei jeder Wahl die absolute Mehrheit erreicht wurde, bezeichnet Békés als „Epoche“ und „historischen Block“ im Sinne Gramscis. Die Leitidee, die über Fidesz hinaus die gesamte Gesellschaft kulturell prägt, ist die Antithese zum Globalismus und die „nationale Integration“ der Gesellschaft. Ungarn ist damit die nationale Manifestation des Antiglobalismus, ja Vorbild und Vaterland aller „somewheres“. Das, wovon Rechtsgramscianer lange träumten, wurde 2010 in Ungarn realisiert.

Békés zeigt sich als beeindruckender Kenner aktueller und klassischer politischer Theorie: Gramsci, Mouffe, Ferrero, Furedi werden laufend zitiert. Dazu versteht er es, komplexe Theorien simpel zu erklären. Die entscheidende Lektion seines Buches lautet in meinen Augen: Die „kulturelle Hegemonie“ die Orbán errungen hat, wird auch über den Wahlsieg hinaus durch die ständige politische Mobilisierung der Bevölkerung aufrecht erhalten.

Über legitimitätsstiftende Referenden und zivilgesellschaftliche Demos (zum patriotischen „Friedensmarsch 2012” kamen 400.000 Ungarn) werden der Regierung ständig metapolitische Ressourcen zugeleitet. Die Zivilgesellschaft ist der Schlüssel. Sie bereitete Orbáns Wahlsieg vor und liefert ihm nach wie vor „metapolitischen Flankenschutz“ in seinem Generationenprojekt.

Der “Nationale Konsens” und die “Konsensuale Hegemonie” stellen eine realistische, rechte Vision im 21. Jahrhundert dar. Diese ist nicht antidemokratisch und „autoritär“. Die nationale Hegemonie schafft einen antiglobalistischen Schutzraum für eine sinnvolle demokratische Debatte. Im Zentrum steht die nationale Integration der Gesellschaft.

Die rote Linie ist der globalistische Landesverrat, ob er sich in Technokratie, „Globohomo“, Vasallentum oder Ersetzungsmigration äußert. Nach einer patriotischen Kulturrevolution und der Etablierung des „nationalen Konses“, kann eine nationale Debatte sogar “freiheitlicher” und dynamischer sein als im liberalen Westen.  Gerade weil ein Konsens über die Grundlage des Politischen und das “nationale Wir“ besteht, wird Meinungspluralismus in anderen Themenbereichen weniger riskant.

Békés’ Buch beschreibt somit nicht nur die letzten 30 Jahre der ungarischen Politikgeschichte und zählt Wirkungsweisen und Erfolge ihrer patriotischen Kulturrevolution auf. Er liefert, in nuce, eine politische Theorie, die Demokratie, Konservativismus, Freiheitlichkeit und Solidarität in sich vereint. Der „Nationale Konsens“ könnte zum strategischen Zielbegriff einer modernen Rechten jenseits von liberalkonservativer Belanglosigkeit und überkommenen Totalitarismen werden.

Békés, der selbst hervorragend Deutsch spricht, wird hoffentlich mit seinen Ideen und Begriffen in den deutschsprachigen Raum ausstrahlen“.

Márton Békés: Nationaler Block, 120 Seiten, 16 €.

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