Die Schmierenkomödie von Caracas

„Wir leben in einem Universum der Lügen“ sagte ein Philosoph kürzlich. Zumindest was die Absonderungen aus Politik und Medien betrifft, wird er Recht haben. Glauben sollte man möglichst gar nichts von dem, was einem da so tagtäglich präsentiert wird. Das gilt auch für den Schwindel mit der angeblichen „Entführung“ des Venezolanischen Präsidenten Maduro durch US-Spezialkräfte.

Man hätte die Sache auch anders machen können: Den Präsidenten (oder usurpierten Präsidenten, wenn man unbedingt will) in eine Linienmaschine von Caracas direkt nach Washington setzen und ihn dort mit einem roten Teppich empfangen. Denn der wie ein Honigkuchenpferd zwischen seinen „Bewachern“ grinsende Maduro hatte offensichtlich großes Gefallen an seinem „Kidnapping“. Man schaue sich auch das Foto an (s.o.), auf dem er, umringt wiederum von seinen „Bewachern“, in einem Flugzeughangar auf einem Stuhl sitzend, beide Daumen in die Höhe streckt.

Doch die maßlose Eitelkeit eines Donald Trump wollte keinen lautlosen Übertritt des angeblichen Drogenschurken, sondern einen spektakulären Budenzauber mit viel Feuerwerk. Und einem Chor, ähnlich dem in der bekannten Komödie „Hokuspokus“ von Curt Goetz, wo ein Zirkusdirektor mit dem endlosen Refrain: „Das kann keiner besser als er, keiner kann das besser als er … etc.“ gefeiert wird.

Die Aufführung kann man auch „Schmierenkomödie von Caracas“ nennen. Ein Curt Goetz (der auch „Das Haus in Montevideo“ schrieb, um bei Südamerika zu bleiben) hätte daran seine Freude gehabt. Es beginnt mit dem Unsinn, Maduro sei der Kopf eines gewaltigen Drogenkartells, das die USA mit „Fentanyl“ überschwemme. Noch vor nicht allzu langer Zeit ließ das FBI verlautbaren, Venezuela spiele nur eine geringe Rolle im Rauschgifthandel. Die Masse komme aus Mexiko und aus Kolumbien. Doch die US-Neocons, scharf auf die reichen Ölvorkommen des Landes, dachten sich die Horrorgeschichten um Maduro aus, genau wie seinerzeit den Blödsinn über die nicht existenten Massenvernichtungswaffen des Saddam Hussein im Irak.

Der angestrebte Effekt war gleichwohl derselbe. Ein Regimechange musste her. Trump tönte, Venezuela hätte den USA ihr Öl gestohlen, weil seinerzeit US-Firmen die Vorkommen rücksichtlos ausbeuteten, bevor Maduro sie verstaatlichte. Das ist auch der eigentliche Grund für den Hass auf den venezolanischen Präsidenten. Leider beten diesen himmelschreienden Quatsch auch so manche deutsche Konservative nach.

Bequemerweise hatte man seitens der CIA auch bereits einen Ersatz für Maduro platziert. Nämlich die Dame mit dem Namen María Corina Machado Parisca, die für ihre Forderung, die USA sollten den amtierenden Präsidenten mit Gewalt beseitigen, das erhielt, was früher einmal der „Friedensnobelpreis“ gewesen ist und in „Kriegsnobelpreis“ umbenannt werden sollte.

Der US-Analyst und ehemalige CIA-Mitarbeiter Larry Johnson meinte vor einiger Zeit, die USA würden in Venezuela keine Militäraktion wagen, da in dem Falle ein Guerillakrieg mit unzähligen toten GI´s, ähnlich Vietnam, drohe. Stattdessen würde man Maduro 500 Millionen Dollar zahlen, ihn auf eine Karibikinsel verfrachten und dort seinen Lebensabend in Ruhe verbringen lassen.

So unrecht hatte er nicht. Wer glaubt, dass die jetzt stattgefundene US-Aktion eine Überraschung für Maduro und seine Regierung, einschließlich der Militärs war, glaubt auch an den Weihnachtsmann. Es ist doch völlig unglaubwürdig, wenn nach Wochen der Drohungen gegen Venezuela, einschließlich des Abknallens von harmlosen Fischern vor der Küste des Landes, die venezolanischen Streitkräfte nicht in höchste Alarmbereitschaft versetzt worden wären, hätte es da keine Verabredungen gegeben. So naiv kann doch keiner sein, das Märchen abzukaufen, die Hauptstadt Caracas wäre nicht gegen Luftangriffe geschützt und der Präsidentenpalast in eine Festung verwandelt worden. Doch nichts von dem ist geschehen.

Nebenbei ist in Venezuela auch russisches, vielleicht auch chinesisches Militär anwesend, wie vor einigen Monaten in sozialen Medien gemeldet wurde. Haben also der Kreml und Peking ihren erklärten Schützling Maduro einfach hängen lassen? Natürlich nicht! Hätten Putin und Xi zu der Aktion, von der sie über ihre Geheimdienste zweifellos wussten, „Njet“ bzw. „Bù“ gesagt, hätte auch ein Trump die Finger davon lassen müssen. Nein, es steht zu vermuten, dass Moskau und Peking eingeweiht waren und ihr Placet zu der Fake-Entführung gegeben haben.

Jedenfalls ist diese ganze Sache von Anfang an eine Farce gewesen. Die Amerikaner wollten das Öl und dachten sich als Vorwand das „Massenvernichtungsmittel“ Fentanyl aus, das angeblich von Maduro in Massen in die USA geschafft worden sei.

Sie glauben das nicht? Dann dürfen wir Ihnen berichten, dass die US-Regierung inzwischen die Behauptung der Existenz einer ominöse Maduro-Drogenbande namens „Cartel de los Soles“ widerrufen hat, wie Ron Paul in seinem „Liberty-Report“ vom 6.1.2026 berichtet.

Den armen Venezolanern nützt das alles freilich gar nichts. Wenn sie vorher von einem sozialistischen Despoten ausgebeutet wurden, werden sie künftig dasselbe durch US-Ölfirmen und die Hochfinanz erfahren. Der Verlierer ist immer das einfache Volk. Oder nicht?

Gert Müller

Foto: Netzfund.

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