Zum Sachstand im Fall Epstein

Die Veröffentlichung der – teilweise geschwärzten – Epstein-Akten durch das US-Justizministerium erschüttert viele westliche Staaten. Offensichtlich sind nicht unerhebliche Teile der politischen und wirtschaftlichen Eliten in den Skandal um Kindesmissbrauch, wirtschaftliche Korruption und politische Einflussnahme verwickelt. Mittlerweile mehren sich auch die Anzeichen der Verwicklung von Geheimdiensten in den Skandal.

Strafrechtlich zur Verantwortung gezogen wurden wegen sexuellen Missbrauchs und illegaler Prostitution bisher nur der US-Geschäftsmann Jeffrey Epstein selbst (er starb unter umstrittenen Umständen 2019 in Gefängnishaft) sowie seine Komplizin Ghislaine Maxwell, die zu 20 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Allerdings hat die Veröffentlichung der Akten mit der Nennung zahlreicher Namen bereits eine Welle von Rücktritten und Entlassungen von Politikern, Diplomaten und Wirtschaftsvertretern nach sich gezogen, insbesondere in Europa.

Zu den wichtigsten Rücktritten und personellen Konsequenzen im politischen Umfeld zählen (Stand Mitte Februar 2026):

  • Peter Mandelson (Großbritannien):Der frühere Labour-Minister und kurzzeitige britische Botschafter in den USA trat aus der Labour-Partei aus und gab seinen Sitz im House of Lords auf, nachdem Dokumente enge finanzielle Verbindungen und Treffen mit Epstein enthüllten.
  • Morgan McSweeney (Großbritannien):Der Stabschef des britischen Premierministers Keir Starmer trat zurück. Dies geschah im Kontext der Kritik an der Ernennung von Mandelson trotz dessen bekannter Epstein-Kontakte.
  • Jack Lang (Frankreich):Der ehemalige französische Kulturminister trat als Leiter des renommierten Arab World Institute in Paris zurück, nachdem finanzielle Verbindungen zu Epstein bekannt wurden.
  • Mona Juul (Norwegen):Die hochrangige norwegische Diplomatin und ehemalige Botschafterin in Jordanien und im Irak trat zurück, nachdem Berichte über eine 10-Millionen-Dollar-Erbschaft von Epstein für ihre Kinder aufkamen.
  • Miroslav Lajčák (Slowakei):Der ehemalige slowakische Außenminister und EU-Diplomat trat von seiner Rolle als nationaler Sicherheitsberater zurück, nachdem Nachrichten bekannt wurden, in denen er mit Epstein über „hübsche“ Mädchen sprach.
  • James Kerr (Großbritannien):Ein konservativer Stadtrat (Councillor) im Broxtowe Borough Council trat nach Enthüllungen zurück.
  • George J. Mitchell (USA):Der ehemalige US-Senator und Sondergesandte trat als Ehrenvorsitzender seines Instituts (Mitchell Institute) zurück.

Neben Politikern sind auch führende Köpfe aus Wirtschaft und Gesellschaft wegen Verbindungen zurückgetreten, darunter Hyatt-Aufsichtsratschef Thomas Pritzker, Goldman-Sachs-Topanwältin Kathryn Ruemmler, der Anwalt Brad Karp sowie der schwedische UNHCR-Chef Joanna Rubinstein.

Großbritannien wird von der in dieser Woche erfolgten vorübergehenden Festnahme des Bruders des Königs, Andrew Mountbatten-Windsor, wegen des Verdachts auf Amtsmissbrauch erschüttert. Die Ermittlungen beziehen sich auch auf Verbindungen Andrews zu Epstein. Offensichtlich wird dem ehemaligen Prinzen unter anderem Verrat von Staatsgeheimnissen vorgeworfen. Einige Medien fordern bereits die Abdankung des Königs, da er als nach der englischen Verfassung wenigstens nominell oberster Gerichtsherr des Landes Einfluss auf das Verfahren gegen seinen Bruder nehmen könnte.

Derweil schießen auch in den alternativen Medien wegen der Millionen Daten zählenden Epstein-Akten wilde Spekulationen ins Kraut, die teilweise skurrilen Horrorszenarien gleichen. Der kritische Journalist und Autor Gerhard Wisnewski warnt davor, unbewiesenen Behauptungen vorschnell Glauben zu schenken, womit er sicherlich Recht hat.

Wir empfehlen zur Information über den Stand im Epstein-Skandal die sehr gut recherchierten Berichte auf Nuis.de, die mittlerweile in mehreren Teilen erschienen sind und fortgeführt werden.

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