Natürlich muss jedermann froh sein, dass im Iran die Waffen jedenfalls vorübergehend schweigen und damit das Leiden der Bevölkerung erst einmal ein Ende hat. Dass Israel den Waffenstillstand nicht auf den Libanon anwenden will, hat seinen Grund darin, dass die Regierung Netanjahu schlicht und einfach die Gebiete im Süden des Landes annektieren will.
Wer diesen Krieg nun gewonnen oder verloren hat, darüber wird es jetzt wilde Diskussionen geben. Es ist völlig klar, dass sich beide Seiten zu Siegern erklären werden.
Dabei hat der Iran zweifellos das größere Recht, sich einen virtuellen Lorbeerkranz aufs Haupt zu setzen. Denn Israel und die USA haben, was den Iran betrifft, kein einziges ihrer vorher verkündeten Kriegsziele erreicht.
Weder fand ein Regimewechsel statt bzw. hat es einen Volksaufstand gegen die Mullahs gegeben, noch wurden die Bestände des Iran an nuklearfähigem Material oder seine Atomanlagen zerstört, noch wurden die iranischen Raketenpotentiale oder die iranischen Streitkräfte überhaupt vernichtet.
Im Gegenteil haben die wochenlangen Bombardierungen des Iran dazu geführt, dass sich die Bevölkerung des Landes noch enger um die Regierung geschart hat. Das Fazit ist, dass Tel Aviv und Washington den Iran zu überhaupt nichts zwingen konnten und schon gar nicht in irgendeiner Weise militärisch besiegt haben.
Auch die jetzt zumindest vorübergehende Wiederöffnung der Straße von Hormuz für die internationale Schifffahrt ist nur vordergründig ein Erfolg der USA. Man kann die Sache auch dahingehend interpretieren, dass sich jetzt gezeigt hat, dass der Iran die vollkommene Kontrolle über die Meerenge hat und diese zu jederzeit nach Belieben öffnen oder schließen kann, ohne dass die Großmacht USA dies verhindern könnte.
Das Desaster bei der Pilotenevakuierung vom Karfreitag hat gezeigt, dass die USA in diesem Konflikt militärisch vollkommen gescheitert sind. Wie abzusehen war, sind die Ressourcen der Angreifer jetzt erschöpft. Es fehlt an Munition, Treibstoff und jeglichem anderen Nachschub für die Streitkräfte im Nahen Osten. Dabei laufen die Kosten für den Krieg aus dem Ruder, seine Folgen treffen auch die USA wirtschaftlich schwer. Der Rückhalt für Trump bei den Amerikanern pulverisiert sich zusehends und es stehen demnächst die Kongresswahlen an.
Die US-Luftabwehr im Nahen Osten ist praktisch nicht mehr existent, das gilt auch für Israel. Die US-amerikanischen Truppenstützpunkte in der arabischen Welt sind durch die massiven iranischen Angriffe schwer getroffen worden und wahrscheinlich, wenn überhaupt, nur noch sehr eingeschränkt nutzbar. Eine Bodenoperation gegen den Iran war vor diesem Hintergrund von vornherein vollkommen aussichtslos, beziehungsweise hätte zu einem gewaltigen Desaster für die USA geführt.
Wenn man so will, haben US-Präsident Trump und Ministerpräsident Netanjahu mit ihrer 180-Grad-Kehrtwende jetzt die Notbremse gezogen.
Dabei darf man die äußerst rabiaten Äußerungen des US-Präsidenten in den vergangenen Tagen, die in der Welt zurecht Empörung ausgelöst haben, nicht den entscheidenden Ausschlag beimessen. Zweifellos war bereits über Ostern für die beteiligten Parteien klar, dass es zu dem Waffenstillstand kommen würde. Es ist vermuten, dass das Toben Trumps nicht irgendeiner psychischen Instabilität zugemessen werden kann, sondern purer Geschäftemacherei diente. Wohlwissend, dass ab dem heutigen Tage die Waffen schweigen werden, hatte Trump noch gestern die völlige Auslöschung der iranischen Zivilisation in Aussicht gestellt. Diese Monstrositäten hatten offenbar einzig und allein den Zweck, Insidergeschäfte an den Börsen zu ermöglichen, wie dies in der Vergangenheit bereits vielfach geschehen war.
In seiner Verlautbarung zu dem Waffenstillstand auf seiner Social-Media-Plattform bemerkte Trump dann auch treffend, dass man jetzt „eine Menge Geld machen“ werde. Abgesehen von den Insidergeschäften an den Börse werden natürlich auch die Profite beim Wiederaufbau in der Region sowie der Wiederauffüllung der militärischen Arsenale erheblich sein. Krieg oder Frieden sind eben auch eine gewaltige Geschäftemacherei.
Niemand kann sagen, ob der Waffenstillstand hält oder nicht. Der Iran wird Israel und den USA nach den letzten Erfahrzungen kaum noch vertrauen. Dennoch steht zu hoffen, dass die nun in Pakistan geplanten Friedensverhandlungen zum Erfolg führen werden.
KMR


Am 11.06 beginnt die Fußball-WM. Als Hauptgastgeber neben Kanada und Mexico braucht Trump dieses Ereignis, um sich für die Midterms im Herbst aufzublasen und feiern zu lassen. Wie also sähe es aus, wenn dieser Neo-Caligula mit den blutigen Händen des Irankrieges die Huldigungen der Massen empfängt?