Kürzlich gedachten die Iren ihres finalen Unabhängigkeitskampfes gegen die britische Herrschaft, die mit dem Osteraufstand 1916 begonnen hatte.
Am Ostermontag 1916 besetzten irische Republikaner Schlüsselgebäude in der Hauptstadt Dublin und proklamierten die Republik. Der Aufstand wurde vom britischen Militär nach einer Woche niedergeschlagen. Die anschließenden Hinrichtungen der Anführer wandelten die öffentliche Meinung von Ablehnung in massive Unterstützung für die Unabhängigkeit um.
Bei den britischen Unterhauswahlen des Jahres 1918 gewann die separatistische Partei „Sinn Féin“ („Wir selbst“) fast alle irischen Sitze. Anstatt nach London zu gehen, gründeten die Abgeordneten ihr eigenes Parlament in Dublin (Dáil Éireann) und erklärten erneut die Unabhängigkeit.
Dies war das Fanal für den dann folgenden Untergrundkrieg, den die Irish Republican Army (IRA) unter dem legendären irischen Volkshelden Michael Collins (1890-1922) gegen die britischen Truppen und die berüchtigten Hilfspolizisten („Black and Tans“) führte. Der blutige Konflikt war geprägt von Hinterhalten, Spionage und Vergeltungsmaßnahmen auf beiden Seiten. Da keine der beiden Parteien einen militärischen Sieg erzwingen konnte, wurde im Juli 1921 ein Waffenstillstand vereinbart.
Das Ergebnis war der Anglo-Irische Vertrag vom Dezember 1921. Er schuf den „Irischen Freistaat“ als Dominion innerhalb des British Empire (ähnlich wie Kanada). Irland erhielt weitgehende Selbstverwaltung, aber irische Provinz Ulster („Nordirland“), blieb Teil des Vereinigten Königreichs, und Abgeordnete mussten weiterhin einen Treueeid auf die Krone leisten. Dieser Kompromiss beendete zwar den Krieg gegen England, führte aber kurz darauf zum spaltenden irischen Bürgerkrieg 1922/23.
Unmittelbar nach dem Vertrag mit England spaltete sich die Unabhängigkeitsbewegung. Die „Vertragsgegner“ lehnten den Treueeid auf den König ab. Der blutige Konflikt endete mit dem Sieg der Befürworter des Freistaats, hinterließ aber tiefe politische Gräben.
1932 wurde Éamon de Valera (1882-1975) Präsident des Exekutivrates des Irischen Freistaats. De Valera war bereits seit dem Osteraufstand 1916 eine der führenden Persönlichkeiten des irischen Unabhängigkeitskampfes und Weggefährte von Michael Collins gewesen. Beide überwarfen sich im Bürgerkrieg 1922/23 und wurden zu Gegnern. De Valera hatte seitdem die wichtigsten Ämter der Irischen Republik inne, später sowohl das des Ministerpräsidenten, als auch des Staatspräsidenten. Erst mit 91 Jahren verließ er 1973 die politische Bühne.
De Valera begann 1932 systematisch, die Symbole britischer Macht zu entfernen: Er schaffte den Treueeid ab und strich das Amt des britischen Generalgouverneurs.
1937 gab Irland sich eine neue Verfassung (Bunreacht na hÉireann). Der Landesname wurde in Éire geändert, und das Amt eines gewählten Präsidenten ersetzte die Rolle des Königs als Staatsoberhaupt. Das irische Gälisch, obwohl nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gesprochen, wurde offizielle Landessprache. Irland war nun faktisch eine Republik, blieb aber formal noch Mitglied des Commonwealth.
Um seine volle Souveränität zu demonstrieren, blieb Irland während des Zweiten Weltkrieges neutral (offiziell als „The Emergency“ bezeichnet) – ein klarer Bruch mit der britischen Außenpolitik.
Im Jahre 1948 verabschiedete das irische Parlament das Gesetz, das Irland offiziell zur Republik erklärte (The Republic of Ireland Act). Mit dem Inkrafttreten am Ostermontag 1949 trat das Land offiziell aus dem British Commonwealth aus. Mit dem Gesetz wurde die letzte verfassungsrechtliche Verbindung zur britischen Monarchie gekappt.
Damit endete eine vielhundertjährige englische Herrschaft über die irische Insel, die mit der Normannischen Invasion im 11. Jahrhundert begann und unter der Regierung Heinrichs VIII. 1541 formalisiert wurde, als dieser sich zum König von Irland krönen ließ. Gleichzeitig begann eine massive gesteuerte Einwanderung („Plantations“) von schottischen und britischen Protestanten nach Irland, um den Einfluss der katholischen Einheimischen zurückzudrängen. Mit dem Act of Union wurde Irland schließlich 1801 direkt in das Vereinigte Königreich eingegliedert und das irische Parlament in Dublin abgeschafft.
Die britische Besatzung war geprägt von teilweise grausamer Unterdrückung und der brutalen Niederschlagung von zahlreichen irischen Aufständen. Ihren grausamen Höhepunkt erreichte die Repression mit der von Großbritannien künstlich erzeugten großen Hungersnot („The Great Famine“) der Jahre 1842-1848, in der 1 Million Iren starben und weitere 1 Million vor allem in die USA auswanderten. Das Ereignis wird von vielen Historikern als Genozid eingestuft.
In der 1921 von Irland abgetrennten Provinz Ulster tobte lange Jahre ein blutiger Bürgerkrieg, der berüchtigte „Nordirlandkonflikt“ („The Troubles“). Als Startpunkt gilt oft das Jahr 1968 mit den ersten großen Märschen der Bürgerrechtsbewegung oder der August 1969, als Straßenschlachten (wie die „Battle of the Bogside“) eskalierten und das britische Militär entsandt wurde. Weltweite Empörung rief dabei das Massaker britischer Fallschirmjäger an unbewaffneten Zivilisten in der Stadt Derry am 30. Januar 1972 hervor („Bloody Sunday“).
Der Konflikt wurde offiziell durch das Karfreitagsabkommen (Good Friday Agreement) 1998 beigelegt. Dieses Abkommen beendete die systematische Gewalt der paramilitärischen Gruppen wie der IRA und schuf die Grundlage für eine gemeinsame Regierung von Unionisten und Nationalisten.
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