Vor 160 Jahren – der Aufmarsch Preußens und Österreichs beginnt

Fortsetzung von Teil 1.

von Stephan Ehmke

Ende Mai 1866 war klar, dass ein Krieg zwischen Preußen und Österreich stattfinden würde. Der äußere Anlass war der Streit um die Herzogtümer Schleswig und Holstein, der eigentliche Grund aber die Entscheidung über die Vormachtstellung in Deutschland.

Preußen wollte Schleswig-Holstein annektieren, Österreich suchte das zu verhindern und trug die Angelegenheit vor den Deutschen Bundestag. Niemand zweifelte damals daran, dass dieser Schritt von Preußen als Bruch der Gasteiner Konvention und der Bundesakte und damit als Kriegsgrund angesehen werden würde.

Für den kommenden Krieg zeichneten sich drei Kriegsschauplätze ab: In Böhmen würden wahrscheinlich die Hauptarmeen der Kontrahenten aufeinandertreffen; in Westdeutschland hätte Preußen den Verbündeten Österreichs entgegenzutreten; in der norditalienischen Ebene schließlich würde Österreich den größten Verbündeten Preußens – Italien – abzuwehren haben.

Dementsprechend disponierten alle Beteiligten ihre Kriegspläne, Aufmarschanweisungen und Truppeneinteilungen.

Bereits im April und Mai 1866 hatten Preußen und Österreich verdeckte Mobilisierungsmaßnahmen eingeleitet. Als sich der Streit zwischen Berlin und Wien wegen der Elbherzogtümer verschärfte, wurden die Rüstungen offen betrieben. Am 20. Mai begann Österreich mit dem Transport der Truppen nach Böhmen, Preußen begann den Aufmarsch an der Grenze zum Königreich Sachsen und in Schlesien sechs Tage später. Dementsprechend verhielten sich die jeweiligen verbündeten Staaten.

Österreich musste eine Armee gegen Italien südlich der Alpen stehen lassen, was die Erfolgsaussichten der Habsburger Monarchie deutlich trübte. Gleichzeitig kam es für Preußen darauf an, zu verhindern, dass insbesondere die mit Österreich verbündeten Staaten Hannover und Hessen-Kassel es im Rücken bedrohten. Auch die gegnerischen Kontingente Bayerns und Württembergs waren in die Lagebeurteilung einzubeziehen. Die Truppen der kleineren Staaten fielen dagegen zahlenmäßig weniger ins Gewicht.

Das Königreich Sachsen, ebenfalls auf Österreichs Seite, stand dem Marsch der preußischen Truppen nach Böhmen im Wege. Seine rasche Besetzung und möglichst die Festnahme der sächsischen Truppen, bevor diese zu Österreich stoßen konnten, war anzustreben.

Preußen mobilisierte insgesamt 9 Armeekorps, einschließlich der Garde, mit insgesamt rund 320.000 Mann. Dazu traten Ersatztruppenteile, die Landwehr und Garnisonstruppen in der Heimat. Die preußische Artillerie verfügte über gut 900 Geschütze. Für einen Kampf im Westen standen zunächst 3 Divisionen aus der Provinz Rheinland und aus Schleswig zur Verfügung.

Österreich stellte 7 Armeekorps mit rund 260.000 Soldaten für den Hauptkriegsschauplatz in Böhmen auf. Dabei befanden sich ca. 800 Geschütze. In Italien befand sich eine Armee in Stärke von etwa 80.000 Mann.

Die mit Österreich verbündeten deutschen Staaten steuerten etwa 150.000 Soldaten bei, von denen die sächsische Armee ein Korps von 25.000 Mann stellte (60 Geschütze). Die Truppen der anderen Verbündeten (v.a. Hannover, Hessen, Bayern und Württemberg) verblieben im Westen bzw. Süden Deutschlands.

Die mit Preußen verbündeten deutschen Staaten (v.a. Mecklenburg, Oldenburg, Braunschweig und Anhalt sowie die Hansestädte Hamburg, Lübeck und Bremen) stellten etwa 100.000 Mann, wobei diese Truppenteile – im Gegensatz zu denen des Gegners – schon im Frieden eng mit der preußischen Armee verzahnt waren, was ihre Führung erleichterte.

Die gegen Österreich operierende italienische Armee umfasste etwa 250.000 Soldaten mit bis zu 700 Geschützen.

Die preußische Armee mit Verbündeten wurde geführt von König Wilhelm I., der in der Tradition seiner Vorfahren die Truppen ins Feld begleitete. Die militärischen Operationen leitete der Chef des Generalstabes, Generalmajor Helmuth von Moltke. Moltke hatte auch den Operationsplan für den Feldzug entworfen. Er rechnete damit, dass Österreich eine Defensivstellung in Böhmen einnehmen würde. Der preußische Plan sah daher – getreu dem Grundsatz „getrennt marschieren, vereint schlagen“ – vor, mit drei Armeen von verschiedenen Seiten aus nach Böhmen zu marschieren, um die österreichische Streitmacht dort zu stellen, einzukreisen und zu vernichten. Als Voraussetzung dafür sollte das Königreich Sachsen handstreichartig besetzt und seine Armee entwaffnet werden. Im Westen sollten die preußischen Truppen rasch Hannover und Hessen schlagen, um sich dann gegen Bayern und Württemberg zu wenden. Um einer Vereinigung der Gegner zuvorzukommen, war Schnelligkeit geboten.

Den Oberbefehl über die österreichischen Streitkräfte in Böhmen (Nordarmee) und Italien (Südarmee) führte Kaiser Franz Josef I., der jedoch in Wien verblieb. Das Kommando im Feld führten Feldzeugmeister Ludwig von Benedek (Böhmen) und Feldmarschallleutnant Erzherzog Albrecht von Österreich (Italien).

Beide Gegner nutzten für den Truppenaufmarsch die Eisenbahn, wobei Preußen auf das besser und umfangreicher ausgebaute Netz in Deutschland zurückgreifen konnte. Ende Juni 1866 war der preußische Aufmarsch beendet, die österreichische Seite konnte ihre Truppen erst Anfang Juli 1866, kurz vor der entscheidenden Schlacht von Königgrätz, vollständig versammeln.

Fortsetzung folgt.

 

 

One thought on “Vor 160 Jahren – der Aufmarsch Preußens und Österreichs beginnt

  1. Dieser deutsche Bruderkrieg gehört zur Tragik deutscher Geschichte. Dass Bismarck aber die KuK Monarchie nicht demütigte sondern sehr schnell den Faden nach Wien aufnahm und diese Verbindung Reich – Kuk bis nach dem 1.Weltkrieg hielt versöhnt etwas.

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