
In seinen „Gedanken und Erinnerungen“ sagte Otto von Bismarck über Wilhelm I.: „Kein Großer, aber ein Ritter und ein Held“. Das sollte keine Herabsetzung sein (obwohl durchaus eine Entgegnung auf das Bemühen des Enkels Wilhelms, dem Großvater den Beinamen „der Große“ beizulegen, was sich aber nicht durchsetzte), sondern die große Hochachtung ausdrücken, die der ehemalige Reichskanzler seinem Herrn entgegenbrachte. Auch die Inschrift auf Bismarcks Sarkophag im Friedrichsruher Mausoleum bekräftig diese Haltung: „Ein treuer deutscher Diener Kaiser Wilhelms I.“.
Die Treue und Hochachtung Otto von Bismarcks gegenüber seinem Kaiser und König machen allerdings die Erkenntnis nicht obsolet, dass Bismarck seit 1861 die Politik Preußens und ab 1871 die des Deutschen Kaiserreiches maßgeblich bestimmte. Die Bemerkung Wilhelms, es sei nicht leicht, „unter Bismarck“ Kaiser zu sein, trug dann dazu bei, dass sich in der Historiographie der Eindruck verfestigte, Wilhelm I. wäre Bismarck nur willig gefolgt.
Dass dies ganz und gar nicht so war, hat der Historiker Jan Markert in seinem 2024 erschienenen Buch „Vom `Kartätschenprinz´zum Reichsgründer“ nachzuweisen versucht. Markert beklagt darin, das Bild Wilhelms als „schwacher Monarch“ sei fälschlicherweise von Historikergeneration zu Historikergeneration weitergegeben worden, ohne wirklich überprüft worden zu sein. Man habe immer nur „voneinander abgeschrieben“. Der Autor vertritt demgegenüber die Ansicht, dass Wilhelm I. durchaus klare eigenständige Vorstellungen von seiner Politik für Preußen und Deutschland hatte und diese auch mit festem Willen durchzusetzen in der Lage war.
Lesen Sie hier eine Rezension des Buches von Jan Markert aus der Jungen Freiheit Nr. 26/2025.
Hier können Sie einen Beitrag zu demselben Thema aus der Preußischen Allgemeinen Zeitung Nr. 11/2022 lesen.
Bild: Bismarck im Arbeitszimmer Wilhelms I. im Kronprinzenpalais zu Berlin. Gemälde von Konrad Siemensroth, 1887. Quelle: Wikipedia gemeinfrei.


Mittlerweile hat sich auch durch die EU herauskristallisieren lassen, daß Zentralismen stärker der Kontrolle unterliegen, aber auch der Korruption und Erpressung. Nach der Einheit des Reiches bot es eine Angriffsfläche für unsere Feinde, so daß schon auf der Freimaurerkonferenz von 1889 zum 100 Jubiläum der Französische Revolution ein Krieg gegen Deutschland vorbereitet und entsprechend in den englischen Medien gehetzt wurde. Kleine Einheiten können durch bilaterale Verträge untereinander ein gemeinsames Ziel erreichen. In Zeiten der Kleinstaaterei stand das Reich auf seinem kulturellen Höhepunkt (Wettbewerb unter den Fürsten auf dem Gebiet Literatur, Architektur, Malerei, Musik) , nach der Einigung ab 1871 wurde es durch die neue Gewerbeordnung und den damit von der Reichsbank vergebenen Krediten wirtschaftlich zu stark.
Der preußische König Wilhelm I. titulierte den Kaisertitel vorweg als „Charaktermajor“ und hätte gerne auf diesen Ehrentitel verzichtet.
Die Beurteilung Bismarcks und Wilhelms durch die älteren Historiker ist keineswegs überholt.
Eine bessere Rezension des Buches von Markert als die aus der Jungen Freiheit findet man hier:
https://www.freiheit.org/sites/default/files/2025-06/05-online-25-1-markert-simonow.pdf