Vor 160 Jahren: Preußen marschiert in Sachsen ein

Von Stephan Ehmke

Fortsetzung von Teil 3.

Am 7. Juni 1866 hatten preußische Truppen das Herzogtum Holstein besetzt. Danach ging es schnell: Am 11. Juni 1866 beantragte Österreich beim Deutschen Bund die Mobilmachung der Bundestruppen gegen Preußen. Drei Tage später stimmte die Bundesversammlung mit Mehrheit für den Antrag Österreichs. Preußen erklärte daraufhin die Bundesakte für erloschen.

Eine formale beiderseitige Kriegserklärung fand nicht statt. Die gegenseitigen Vorwürfe, die Verträge von Bad Gastein und des Deutschen Bundes gebrochen zu haben, reichten als Kriegsgrund aus.

In der Nacht zum 16. Juni 1866 begann der Deutsche Krieg offiziell mit dem Einmarsch preußischer Truppen in Sachsen.

Die drei preußischen Armeen, die für den Hauptkriegsschauplatz in Böhmen vorgesehen waren,  standen zu diesem Zeitpunkt an der Grenze zum Königreich Sachsen und an der Grenze zu Böhmen, am Riesengebirge in Schlesien. In Sachsen marschierten ein: Die preußische Elbarmee unter General Eberhard Herwarth von Bittenfeld, bestehend aus einem Armeekorps in Stärke von 46.000 Mann, in Richtung Dresden; die 1. Preußische Armee unter Prinz Friedrich Karl mit drei Armeekorps und 93.000 Mann auf Leipzig. Die Zweite Preußische Armee stand an den Pässen des Riesengebirges mit drei Armeekorps sowie dem Gardekorps in Stärke von 115.000 Mann bereit. Diese Armee wurde kommandiert von Kronprinz Friedrich Wilhelm von Preußen.

Preußens Generalsstabschef Helmuth von Moltke hatte den Operationsplan so angelegt, dass die drei preußischen Armeen getrennt in Böhmen einmarschieren sollten, die österreichische Armee in ihrer Defensivstellung stellen und in einem gemeinsamen Zugriff vernichten sollten. Dies geschah dann schließlich bei der Festung Königgrätz an der Elbe.

Auf dem westlichen Kriegsschauplatz hielten sich drei preußische Divisionen unter General Eduard Vogel von Falckenstein bereit, um zunächst die mit Österreich verbündeten Staaten Hannover und Kurhessen zu besetzen, um sich dann als „Mainarmee“ gegen Bayern zu wenden. Hierzu sollte das 2. Preußische Reservekorps als Verstärkung treten. Diese Kräfte umfassten insgesamt 72.000 Mann. Auf der Seite der deutschen Staaten gegen Preußen standen 90.000 Mann, die allerdings im Gegensatz zu den preußischen Truppen verstreut waren und keine einheitliche Führung hatten. Formell unterstanden sie Prinz Karl von Bayern.

Die österreichischen Hauptstreitkräfte in Böhmen hielten sich mit Masse nördlich der Festung Brünn auf. Sie wurden befehligt von Feldzeugmeister Ludwig von Benedek und hatten eine Stärke von 219.000 Mann in sieben österreichischen sowie zwei sächsischen Armeekorps. Nennenswerte Kräfte wurden gegen die Sächsisch-Böhmische Grenze nach Westen und gegen die Riesengebirgspässe zur Sicherung vorgeschoben, dem preußischen Anmarsch entgegen.

In Norditalien stand Preußens größter Verbündeter, das Königreich Italien, mit 220.000 Mann, gegen welche die Österreicher eine Armee unter Erzherzog Albrecht von Österreich mit 75.000 Mann aufboten. Die italienische Kriegserklärung an Österreich erfolgte am 20. Juni 1866.

Die preußische Elbarmee marschierte in Sachsen links, die 1. Preußische Armee rechts der Elbe vor. Die beiden gegnerischen Armeekorps, bestehend aus 24.000 Mann, zogen sich rasch, ohne Widerstand zu leisten, über die böhmische Grenze zurück. Absicht war die Vereinigung mit den Kräften der österreichischen Armee unter Benedek. Durch dieses Vorgehen war Moltkes Absicht vereitelt worden, die sächsischen Streitkräfte rasch auszuschalten. Von dieser Seite begnügte man sich damit, Brücken über die Elbe und Eisenbahngleise zu zerstören, was den preußischen Vormarsch allerdings kaum verzögern konnte.

Zu Kampfhandlungen kam es in Sachsen nicht. Leipzig wurde am 16. Juni 1866 von der 1. Preußischen Armee, Dresden zwei Tage später durch die Elbarmee genommen. Am 20. Juni 1866 war ganz Sachsen besetzt und die beiden preußischen Armeen schickten sich unter Zurücklassung schwacher Besatzungstruppen an, die Böhmische Grenze zu überschreiten (siehe die folgende Karte).

Ebenfalls am 16. Juni 1866 rückten preußische Truppen in das Königreich Hannover und in Kurhessen ein. Auch hier kann es zunächst zu keinen Kampfhandlungen, da sich die Hannoversche Armee – analog zu den Sachsen – nach Süden zurückzog.

Fortsetzung folgt.

Hier können Sie Teil 1, Teil 2 und Teil 3 unserer Reihe zum Deutschen Krieg von 1866 nachlesen.

 

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