Fortsetzung von Teil 4
von Stephan Ehmke
Nach kampflosem Einmarsch preußischer Verbände in das Königreich Sachsen rückte die preußische 1. Armee unter Prinz Friedrich Karl am 23. Juni 1866 über Seidenberg und Zittau, die Elbarmee unter General Herwarth von Bittenfeld über Waltersdorf und Schluckenau in das habsburgische Königreich Böhmen ein. Die preußische 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm forcierte die Pässe des Riesengebirges in drei Marschgruppen einige Tage später. Dort kam es am 27. Juni zu ersten Kämpfen (siehe folgende Karte).

Der österreichische Befehlshaber in Böhmen, Feldzeugmeister Ludwig von Benedek, beabsichtige vorübergehend, zuerst die preußische 1. und Elbarmee zu schlagen, um sich dann gegen den Kronprinzen zu wenden. Diesen naheliegenden Plan gab er aber aus bis heute nicht ganz geklärten Gründen auf und befahl stattdessen seinen Verbänden, die Iser-Linie zu halten, also in eine völlige Defensive überzugehen. Gleichzeitig wurde das X. Österreichische Korps zur Sicherung der Riesengebirgspässe abgestellt.
Dieser Plan erwies sich bald als strategischer Fehler. Moltke erkannte das schnell und befahl den Armeen, mit großer Geschwindigkeit vorzugehen und die Iser zu überschreiten, wobei die dort positionierten sächsischen und österreichischen Verbände über den Haufen geworfen werden sollten. Bei den hochsommerlichen Temperaturen stellte dies an die preußischen Soldaten höchste Anforderungen, die sie allerdings mit Bravour meisterten.
Am 25. Juni 1866 fand ein kleineres Gefecht bei Liebenau zwischen der preußischen und österreichischen Vorhut statt.
Am 26. Juni kam es zu ersten größeren Kämpfen bei Hühnerwasser, Sichrow, Turnau und Podol zwischen verschiedenen Verbänden der preußischen 1. Armee und der Elbarmee auf der einen und dem I. Österreichischen sowie dem Sächsischen Korps auf der anderen Seite, die alle preußischerseits gewonnen wurden. Dabei wurde die Iser rasch forciert und die dort stehenden österreichischen Verbände zum Rückzug gezwungen.
Tags darauf (27. Juni 1866) überschritt die preußische 2. Armee unter Kronprinz Friedrich Wilhelm über drei Pässe das Riesengebirge, wobei es zu den Gefechten bei Nachod und bei Trautenau kam. Das letztere Treffen war das einzige des gesamten Krieges, das die österreichischen Truppen für sich entscheiden konnten. Hierbei zeichneten sich die Verbände des X. Korps unter Feldmarschallleutnant Ludwig von Gablenz[1] besonders aus. Dieser Erfolg hatte allerdings nur symbolischen Werte, da die Preußen die Österreicher rasch umgehen konnten.
Am 28. Juni wurden die Österreicher in den Gefechten bei Skalitz und bei Soor sowie bei Münchengrätz besiegt.
Schließlich fand am 29. Juni die Schlacht bei Gitschin[2] zwischen der preußischen 1. Armee und dem zurückgezogenen österreichischen I. sowie dem sächsischen Korps statt, im Osten kam es zu den Gefechten von Königinhof und Schweinschädel. Nach diesen letztgenannten Begegnungen verloren beide Armeen die Fühlung zueinander, erst am 2. Juli 1866 wurde die Aufstellung der Österreicher und Sachsen nordwestlich von Königgrätz aufgeklärt.
Heute kann als sicher gelten, dass Benedek den Krieg zu diesem Zeitpunkt bereits für verloren hielt. Er glaubte nicht daran, dass seine Truppen gegen die schnellen, gut ausgebildeten und hochmotivierten Preußen in einer großen Schlacht standhalten konnten. Benedek kannte die Defizite der eigenen Armee, vor allem der Infanterie, sehr genau. Aus diesem Grunde bat er Kaiser Franz Josef in mehreren Depeschen fast flehentlich, mit den Preußen Waffenstillstandsverhandlungen aufzunehmen, was der Kaiser jedoch ablehnte.
Auf dem westlichen Kriegsschauplatz begannen die Kampfhandlungen am 27. Juni 1866. Zuvor hatten die drei preußischen Divisionen unter General Vogel von Falkenstein kampflos das Königreich Hannover und Kurhessen besetzt, womit die Vorgaben Moltkes voll erfüllt wurden. Den Truppen der Hannoverschen Armee, die sich vor den anrückenden Preußen zunächst nach Süden zurückgezogen hatten, gelang am 27. Juni 1866 bei Langensalza im Herzogtum Sachsen-Gotha ein Achtungserfolg, als schwächere preußische Verbände geschlagen werden konnte. Dies konnte die Hannoversche Kapitulation allerdings nur kurz verzögern, da von Westfalen aus preußische Verstärkungen rasch heranrückten. Der König von Hannover; Georg V., entschloss sich deshalb in aussichtsloser Lage, am 29. Juni 1866 die Waffen zu strecken.
Die preußischen Verbündeten griffen Kassel und Frankfurt am Main an (die jeweils kampflos besetzt werden konnten), während der rechte Flügel der preußischen Mainarmee vor den Toren Nürnbergs auftauchte. Danach spielte sich der Krieg im Westen nur noch zwischen Preußen und Bayern ab. Die anderen österreichischen Verbündeten im Deutschen Bund beeilten sich, mit Preußen Waffenstillstände zu vereinbaren.
Jenseits der Alpen hatte Österreich inzwischen am 24. Juni 1866 die italienische Armee unter General Alfonso La Marmora bei Custozza trotz deutlicher zahlenmäßiger Unterlegenheit geschlagen. Diesen Sieg konnte Österreich aufgrund der Niederlage gegen Preußen nicht ausnutzen. Venetien ging nach dem Krieg via Frankreich an Italien über.
Fortsetzung folgt.
Hier können Sie Teil 1, Teil 2, Teil 3 und Teil 4 unserer Reihe zum Deutschen Krieg von 1866 nachlesen.
Anmerkungen:
[1] Ludwig von Gablenz (1814-1874) hatte bereits im Krieg von 1864 gegen Dänemark die österreichischen Truppen befehligt, damals noch an der Seite Preußens. Nach dem Sieg wurde er österreichischer Statthalter im Herzogtum Holstein mit Sitz in Kiel. Gablenz verlor im „Gründerkrach“ 1873 sein gesamtes Vermögen, was ihn in Österreich unmöglich machte. Am 18. Juni 1874 nahm er sich in Zürich das Leben. Sein Leichnam wurde später in einer Gruft unter dem österreichischen Kriegerdenkmal in Trautenau/Böhmen, dem Ort seines Sieges im Deutschen Krieg, beigesetzt.
[2] Diese Stadt ist bekannt geworden als Residenz Albrecht von Wallensteins während der kurzen Existenz des Herzogtums Friedland im Dreißigjährigen Krieg.

