Ukraine: Stellungs- und Drohnenkrieg

Wenige Gegenmittel für Ukraine: Russland setzt vermehrt „gefährliche“  Lancet-Drohnen gegen Artillerie ein

Foto: Die gefürchtete russische „Lancet“-Drohne, gegen die es kaum Abwehrmöglichkeiten gibt. Ihr Gefechtskopf enthält bis zu 3 kg Sprengstoff. Neuere Versionen können auch panzerbrechende Hohlladungen tragen. 

Von Redaktion

Die militärische Auseinandersetzung im Donbass verharrt nach wie im Charakter eines Stellungskrieges, der an Verbissenheit allerdings zunimmt. Keine Seite macht den Versuch – bzw. kann es auch nicht – eine operative Entscheidung in Form einer „letzten Schlacht“ herbeizuführen.

Dies wäre auch nur möglich, wenn eine der Parteien mit starken gepanzerten Kräften und massivster Luft- und Artillerieunterstützung und wenigstens drei Angriffsspitzen in Form eines energischen Stoßes tief gestaffelt in die Verteidigung des Gegners einbricht, mit dem Ziel, in den Rücken des Feindes zu gelangen, um auf diese Weise die Front zum Zusammenbruch zu bringen und den Gegner zu zwingen, seine Kräfte zu massieren, um sich zu einer Entscheidungsschlacht im offenen Feld zu stellen. Ob die Kriegsparteien dies nicht können oder wollen, muss zunächst dahingestellt bleiben. Nach Meinung von Beobachtern wie Douglas Mcgregor wäre Russland allerdings dazu in der Lage.

Inzwischen bleibt es bei örtlichen Offensiven sehr beschränkten Ausmaßes, wobei eine klare Schwerpunktbildung auf keiner Seite zu erkennen ist. Nach dem Scheitern des ursprünglichen Operationsplanes der Ukraine, mit raschen Stößen aus dem Raum Saporoschje ans Asowsche Meer vorzudringen, um die russischen Streitkräfte zu teilen und die Landverbindung zur Krim abzuschneiden, versucht die Ukraine nunmehr, an mehreren Stellen die russische Verteidigung einzudrücken, was ihr bisher aber nicht nachhaltig gelungen ist. Die ukrainischen Truppen haben bei diesen andauernden Versuchen in den vergangenen Wochen gewaltige Verluste erlitten.

An der Hauptkampflinie ist wie seit jeher der Träger des Kampfes die Infanterie. So wird versucht,  mit oder ohne Unterstützung von Kampffahrzeugen in die erste feindliche Verteidigungslinie einzubrechen, um sich in den eroberten Schützengräben bzw. Gebäuden festzusetzen. Dies ist wegen der sofort einsetzenden massiven Artillerie- und Luftschläge der Gegenseite aber meist zum Scheitern verurteilt. Waldstücke und Ortschaften werden von Granaten eingeebnet; in ihnen ist kaum Halt zu finden.

Charakteristisch sind daneben die ununterbrochenen Artillerieduelle, die das Ziel haben, die gegnerischen Geschützstellungen zu treffen. Aufgrund des deutlichen Ungleichgewichtes bei der Munitionsversorgung (die wenigstens bei 10:1 liegt), haben die Russen dabei einen klaren Vorteil.

Ebenso charakteristisch für die Kampfweise beider Seiten ist der massenweise Einsatz von Drohnen zu Aufklärungs- und Kampfzwecken, und dies bei Tag und Nacht. Aufklärungsdrohnen, die ununterbrochen in der Luft sind, machen es den Bodentruppen fast unmöglich, sich zu verstecken, zumal, wenn die Drohnen, was zunehmend der Fall ist, mit Wärmebildkameras ausgerüstet sind. Ansammlungen von Truppen und deren Anmarsch werden auf diese Weise meist frühzeitig erkannt und durch Luft-/Artillerieeinsatz zerschlagen.

Die Kampf- oder Kamikaze-Drohnen werden in ihrer Wirksamkeit ständig verbessert. Mittlerweile tragen Sie Sprengladungen bis zu 7 oder 10 kg, die teilweise als Hohlladungen ausgelegt sind und stärkere Panzerungen (> 2cm) durchschlagen können. Ihr Einsatz in großer Zahl (da sie im Vergleich zu Panzerabwehrraketen sehr billig sind) auf einzelne Ziele wird zunehmend zur Bedrohung auch für moderne Kampfpanzer.

Da beide Seiten über große Mengen von Drohnen verschiedenster Art und Größe verfügen, werden inzwischen auch kleine Infanterietrupps von ihnen angegriffen, manchmal sogar einzelne Schützen.

In den vergangenen Wochen haben beide Seiten die Raketen- und Drohnengriffe im tiefen Hinterland des Gegners verstärkt. Die Ukraine beschießt besonders häufig die Krim, aber auch Moskau ist das Ziel von Drohnen geworden. Die meisten Geschosse – auch die modernen Mittelstreckenraketen der NATO – werden offensichtlich von der russischen Luftabwehr abgefangen. Auf der anderen Seite sind die russischen Angriffe auf ukrainische Verkehrs- und Versorgungseinrichtungen bis an Westgrenze der Ukraine erfolgreicher, wegen der größeren Anzahl, aber auch wegen des Mangels an Flugabwehrwaffen auf Seiten der Ukraine.

Wird der gegenwärtige Stellungskrieg fortgesetzt, ist eine Entscheidung nur durch Erschöpfung einer Seite zu erreichen. Zweifellos hat Russland aufgrund seiner größeren Ressourcen (mit China im Hintergrund) die größeren Erfolgsaussichten. Es wird sich zeigen, ob der Westen weiterhin bereit ist, die Ukraine mit Waffen und Geld zu versorgen, wenn sich weiterhin keine größeren Erfolge auf dem Gefechtsfeld einstellen sollten. Ohne diese andauernde westliche Unterstützung wäre Kiew verloren.

 

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