Joe Biden und Xi Jinping – die USA wenden sich gegen die Volksrepublik China

von Dr. Walter Post

Laut russischen Quellen gestaltet sich die militärische Lage in der Ukraine derzeit wie folgt:

Die ukrainischen Streitkräfte sind zu größeren Operationen nicht mehr fähig, sie können nur noch ihre Stellungen verteidigen und kleinere Gegenangriffe führen. Die Masse der verbliebenen ukrainischen Truppen ist in dem großen Kessel in der Ostukraine sowie in den großen und größeren Städten des Landes eingeschlossen.

Der russische Generalstab hat seine besten Großverbände bisher als Reserve für einen möglichen Konflikt mit der NATO zurückgehalten.

Der große Kessel in der Ostukraine, in dem 12 bis 15 ukrainische Brigaden eingeschlossen sind, ist mittlerweile in drei bis vier kleinere Kessel aufgespalten, ein Entsatz oder eine Versorgung ist nicht möglich, d.h. diesen Truppen gehen allmählich Treibstoff, Wasser, Nahrungsmittel und Munition aus. Die Tatsache, daß mehrere Großverbände der ukrainischen Armee in der Ostukraine eingeschlossen sind, wird mittlerweile auch von der „Financial Times“ zugegeben.[1]

Der russische Generalstab verfolgt in der Ukraine das klassische Ziel russischer und preußisch-deutscher Kriegführung seit der Zeit der Napoleonischen Kriege, die Vernichtung der feindlichen Streitmacht. Die Einnahme der feindlichen Hauptstadt ist dagegen ein nachrangiges Ziel. Ist die feindliche Armee zerschlagen, dann fällt auch über kurz oder lang unvermeidlich die Hauptstadt. Mit der Einkesselung der Hauptmacht der ukrainischen Armee in der Ostukraine ist der Krieg von russischer Seite operativ gewonnen. Die Vernichtung oder Kapitulation der eingeschlossenen feindlichen Verbände ist nur eine Zeitfrage. Die Einschließung der deutschen 6. Armee in Stalingrad durch die sowjetische Operation „Uranus“ erfolgte am 23. November 1942, die Kapitulation der letzten Reste der 6. Armee am 2. Februar 1943.

Ziel der Russischen Führung ist nicht die Vernichtung der ukrainischen Armee im wörtlichen Sinne, sondern ihre Kapitulation, da sie nach Beendigung des Konflikts in der Ukraine als Ordnungsmacht gebraucht wird.

In der Ostukraine sollen inzwischen die Volksmilizen der Republiken Donezk und Lugansk, die in den Kämpfen eine erhebliche Rolle spielen, jeden Ort systematisch von ukrainischen Truppen säubern.[2]

Die ukrainische 95. luftbewegliche Brigade (eine der kampfstärksten Einheiten der ukrainischen Armee) verteidigt die Stadt Awdijiwka nördlich von Donezk, einer der am stärksten befestigten Frontabschnitte an der „Kontaktlinie“ zwischen der Ukraine und den beiden Volksrepubliken des Donbaß. Dieser Verband wurde am 14. März unter massives Feuer der russischen Rohr- und Raketenartillerie genommen, während die russische Luftwaffe schwerste Angriffe flog. Nach diesem Trommelfeuer durchbrachen die Volksmilizen von Donezk und Lugansk die ukrainischen Stellungen in einer Tiefe von acht Kilometern. Berichten zufolge soll die ukrainische Brigade zerschlagen worden sein. Offenbar wollte der russische Generalstab mit dieser Machtdemonstration die Kapitulationsbereitschaft der übrigen ukrainischen Verbände „befördern“.[3]

Um die Stadt Mariupol am Asowschen Meer wird heftig gekämpft, Verbände der russischen Armee, der Volksmilizen des Donbaß und tschetschenische Sondertruppen sollen bis ins Stadtzentrum vorgedrungen, der Fall der Stadt nur noch eine Frage von Tagen sein.

Am 20. März gab das russische Verteidigungsministerium bekannt, daß Verbände der russischen Armee in Mariupol das nationalistische Bataillon „Donbass“ vollständig überwältigt hätten.[4] Verteidigt wird die Stadt angeblich von insgesamt 14.500 Mann, darunter reguläre ukrainische Streitkräfte und mehrere Tausend Angehörige des Bataillons „Donbass“ und des Regiments „Asow“. Die Angehörigen von „Asow“ werden häufig als „Neo-Nazis“ bezeichnet, tatsächlich handelt es sich eher um Anhänger des ukrainischen Nationalistenführers Stepan Bandera, weshalb sie häufig auch „Banderisten“ genannt werden. Bandera und seine UPA [Ukrainische Aufständische Armee] haben 1941-45 zeitweilig mit der deutschen Besatzungsmacht in der Ukraine und der Waffen-SS-Division „Galizien“, die sich aus Ukrainern rekrutierte, zusammengearbeitet. Ungeachtet dieser „ideologischen Feinheiten“ besteht ein Großteil des Regiments „Asow“ aus Drogenabhängigen und gewöhnlichen Kriminellen. Die Kämpfer von „Asow“ nehmen auf die Zivilbevölkerung keinerlei Rücksicht, sondern versuchen vielmehr, diese als menschliche Schutzschilde zu benutzen. Dies ist auch der Grund, warum die Versuche, einen „humanitären Korridor“ aus Mariupol zu errichten, regelmäßig gescheitert sind. Obwohl die Zivilbevölkerung zunehmend an Hunger leidet, soll sie von den Asow-Leuten zum Teil mit Waffengewalt am Verlassen der Stadt gehindert worden sein.

Die übrigen ukrainischen Städte sind von russischen Truppen mehr oder weniger vollständig eingeschlossen, wobei die russische Führung offenbar Wert darauf legt, die Zivilbevölkerung und nicht mehr kampfwillige ukrainische Soldaten über „humanitäre Korridore“ aus dem Kampfgebiet entkommen zu lassen.

Eine Erstürmung dieser Städte mit massiver Feuerunterstützung hat die russische Führung bisher vermieden, um unnötige militärische und zivile Verluste zu vermeiden. Mariupol ist eine Ausnahme, weil es vom Regiment „Asow“ verteidigt wird. Die Zerschlagung dieses Regiments und eine Aburteilung seiner Angehörigen als Kriegsverbrecher ist eines der vorrangigen Ziele im Rahmen der „Entnazifizierung“ der Ukraine, die die russische Regierung fordert.

Nach den Berichten des aus Chile stammenden Journalisten Gonzalo Lira, der sich gegenwärtig in Charkow aufhält, ist die Ukraine keine „junge Demokratie“, sondern vielmehr ein Mafia-Staat, der von einer kriminellen Clique mit Hilfe von blankem Terror beherrscht wird. Ausgeübt wird dieser Terror durch Angehörige von „Asow“, die den ganzen Sicherheitsapparat der Ukraine durchsetzt haben, und durch den SBU, die ukrainische Geheimpolizei.[5] Lira selbst muß sich derzeit wegen regimekritischer Äußerungen in Charkow vor dem SBU verstecken.[6]

Im Verlauf der vergangenen Woche haben russische Militärschläge mit präzisionsgelenkten Marschflugkörpern und Hyperschallraketen gegen Ziele in der Westukraine die NATO alarmiert.

Der erste Schlag erfolgte am Sonntag, den 13. März, gegen den Truppenübungsplatz Jaworiw bei Lwiw, der nur 20 km von der polnischen Grenze entfernt liegt und u.a. von der NATO genutzt wird.

Dabei wurden Truppenunterkünfte und Depots von mindestens acht Marschflugkörpern des Typs 3M14 „Kalibr“ getroffen und vernichtet. Die Opfer waren überwiegend ausländische Freiwillige, darunter amerikanische und britische Militär- und Geheimdienstangehörige, die Zahl der Gefallenen soll deutlich mehr als 200 betragen, etwa die doppelte Anzahl von Personen erlitten zum Teil schwerste Verletzungen. Außerdem wurde militärisches Material im Wert von 400 Millionen Dollar vernichtet.

Die die westlichen Medien haben über dieses Desaster bisher auffallend wenig  berichtet. Jaworiw ist ein wichtiger Stützpunkt der NATO auf ukrainischem Boden, bis zum vergangenen Februar war das U.S. 7th Army Training Command dort stationiert. Die offizielle Bezeichnung für dieses Ausbildungszentrum, das der Unterstützung der ukrainischen Streitkräfte und der Ausbildung ausländischer Freiwilliger dient, lautet „Joint Multinational Training Group-Ukraine“. Seit kurzem ist dort die Task Force Gator, 53rd Infantry Brigade Combat Team, Florida Army National Guard, tätig.

Eine weitere Warnung an die NATO war der Einsatz einer Ch-47M2 „Kinschal“ Hyperschall-Rakete, die ein großes unterirdisches Waffen- und Munitionsdepot in der Siedlung Deljatyn im Oblast Iwano-Frankiwsk nahe der Grenze zu Polen traf und eine große Menge von Rüstungsmaterial zerstörte. Dies ist der erste bekanntgewordene und offiziell bestätigte Einsatz der Ch-47M2 „Kinschal“ Hyperschall-Luft-Boden-Rakete. Dieser Flugkörper erreicht Geschwindigkeiten zwischen Mach 5 (ca. 6.000 km/h) und Mach 10 (ca. 12.000 km/h) und ist mit bisherigen Anti-Raketen-Systemen nicht abzufangen. Etwa 100 Personen wurden bei dem Angriff getötet.

Was hohe amerikanische Militärs und NATO-Vertreter besonders schockiert haben soll, daß weder die ukrainische noch die polnische Luftraumüberwachung in der Lage waren, die Flugkörper abzufangen oder wenigstens rechtzeitig Alarm auszulösen.[7]

In der Nacht zum 21. März 2022 trafen russische präzisionsgelenkte Marschflugkörper ein Ausbildungslager für ausländische Söldner und ukrainische nationalistische Kräfte bei Novaya Lyubomirka im Oblast Riwne, wobei 80 Söldner und Nationalisten getötet wurden.[8]

Inzwischen berichtet auch die britische Presse, genauer gesagt der „Guardian“, darüber, daß die Popularität von Wladimir Putin bei der russischen Bevölkerung stabil bei mehr als 70 Prozent liegt.[9]

Der Wirtschaftskrieg, den die USA und die EU entfesselt haben, hat dazu geführt, daß Rußland mittlerweile dasjenige Land ist, gegen das quantitativ die meisten Sanktionen verhängt worden sind. Irgendeinen Erfolg dürften die westlichen Sanktionen aber nur dann haben, wenn sich China trotz seiner „strategischen Partnerschaft“ mit Rußland ihnen anschließen sollte.

Dies ist die große Sorge der Biden-Administration, die ungeachtet der öffentlichen Erklärungen und Stellungnahmen der chinesischen Regierung darauf hofft, einen Keil zwischen Beijing und Moskau treiben zu können. Aus diesem Grund reiste der amerikanische Nationale Sicherheitsberater Jake Sullivan zu einem Treffen mit seinem chinesischen Kollegen Yang Jiechi am 14. März 2022 in Rom. Yang Jiechi ist Staatsrat für Außenpolitische Fragen, seit Oktober 2017 Mitglied des  Politbüros der Kommunistischen Partei Chinas und damit einer der ranghöchsten und einflußreichsten Politiker der Volksrepublik. Sullivan und US-Außenminister Anthony Blinken  hatten bereits im Vorfeld dieses Treffens Andeutungen über westliche Sanktionen gegen China gemacht, falls die Volksrepublik sich dem westlichen Sanktionsregime gegen Moskau nicht anschließen sollte. Das Treffen in Rom wurde für Sullivan zu einem Desaster, Yang Jiechi zeigte keinerlei Bereitschaft, den amerikanischen Forderungen entgegenzukommen. In der „Global Times“, einer Zeitschrift der KP Chinas für das englischsprachige Ausland, war in einem scharfen Kommentar zu dem Treffen folgendes zu lesen:

„Vor dem Treffen [zwischen Yang und Sullivan] haben die Vereinigten Staaten ständig Desinformation über Chinas Rolle im russisch-ukrainischen Konflikt verbreitet, und einige amerikanische Amtsträger versuchten die Ukraine-Krise mit der Taiwan-Frage zu vermischen …

All diese böswilligen Taktiken reflektieren in den Augen chinesischer Experten wenig guten Willen von Seiten der Vereinigten Staaten für konstruktive Gespräche, während der Widerspruch zwischen ihren Worten und Taten die Aussichten auf eine gesunde und stabile Beziehung zwischen China und den USA dämpft.“ Weiter heißt es: „Nachdem er Washingtons ständigen Druck, Beijing in Bezug auf den russisch-ukrainischen Konflikt in die Irre zu führen, zurückgewiesen hatte, rief Yang zu einer langfristigen Betrachtung auf, und befürwortete lebhaft eine Vision gemeinsamer, umfassender, kollegialer und nachhaltiger Sicherheit, er ermutigte die maßgeblichen Parteien zu einem gleichberechtigten Dialog, und ein ausgewogenes, wirksames und nachhaltiges Rahmenwerk für eine europäisches Sicherheitssystem zu errichten basierend auf dem Prinzip der unteilbaren Sicherheit in einem Versuch den Frieden in Europa und der Welt zu sichern.“[10] Dieser lange Satz faßt nahezu wortwörtlich den offiziellen russischen Standpunkt zusammen, was bedeutet, daß Beijing nicht im Traum daran denkt, sich von Moskau zu distanzieren.

Laut dem „Readout“ des chinesischen Außenministeriums zu dem Treffen nahm Yang Jiechi die Gelegenheit war, Jake Sullivan nochmals eingehend den chinesischen Standpunkt zur Taiwan-Frage zu erläutern, die ukrainische Frage wurde in dem Text nur beiläufig in einem Nebensatz erwähnt: „Beide Seiten tauschten auch ihre Ansichten zu internationalen und regionalen Fragen aus, einschließlich der ukrainischen Frage, der nuklearen Frage auf der Koreanischen Halbinsel, der iranischen nuklearen Frage und der afghanischen Frage.“[11]

Wie dringend die Amerikaner ein Entgegenkommen der Chinesen in der Sanktionsfrage benötigen, zeigt die Tatsache, daß am 18. März, nur vier Tage nach dem ergebnislosen Treffen in Rom, eine Videokonferenz zwischen US-Präsident Joe Biden und dem chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping stattfand. Biden erklärte, daß seine Regierung keinen „neuen Kalten Krieg“ mit China wolle und daß er eine Unabhängigkeit Taiwans nicht unterstütze. Die folgende Entgegnung Xis sollte man genau lesen:

„Präsident Xi betonte, daß er und Präsident Biden die Ansicht teilen, daß China und die Vereinigten Staaten sich gegenseitig respektieren, in Frieden miteinander koexistieren und eine Konfrontation vermeiden müssen, und daß beide Seiten den Informationsaustausch und den Dialog auf allen Ebenen und allen Gebieten verbessern sollten. Präsident Biden hat gerade wiederholt, daß die Vereinigten Staaten keinen neuen Kalten Krieg mit China anstreben, das politische System Chinas nicht umstürzen oder Allianzen gegen China wiederbeleben wollen und daß die Vereinigten Staaten die ‚Unabhängigkeit Taiwans‘ nicht unterstützen oder die Absicht haben, einen Konflikt mit China anzufangen. ‚Ich nehme diese Bemerkungen sehr ernst‘, erklärte Präsident Xi.“ Im chinesischen „Readout“ heißt es weiter: „Präsident Xi wies darauf hin, daß die Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten, anstatt aus der mißlichen Lage, die durch die vorhergehende US-Administration entstanden sei, herauszukommen, auf eine wachsende Zahl von Herausforderungen gestoßen sind.“[12]

Der Satz Xis „Ich nehme diese Bemerkungen sehr ernst“ bedeutet Im diplomatischen Sprachgebrauch nichts anderes, als daß er den Ausführungen von Joe Biden keinen Glauben schenkt. Biden, so Xi, habe immer wieder schön klingende Zusagen gemacht, aber seine Administration habe anschließend das genaue Gegenteil getan. Anstatt eine Verbesserung der Beziehungen zu erzielen hat sich das Verhältnis zwischen Washington und Beijing unter Joe Biden tatsächlich kontinuierlich verschlechtert.

Auch die Regierung Indiens zeigt keinerlei Anzeichen, amerikanischen und britischen Forderungen nach wirtschaftlichen Sanktionen gegen Rußland entgegenzukommen.[13]

Ein wenig beachtetes Ereignis, das lang- und mittelfristig ungeahnte Auswirkungen haben kann, fand am 14. März in der armenischen Hauptstadt Jerewan statt. „Sputnik News“ berichtete:

„Die Mitgliedstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und China wollen ein Projekt für ein unabhängiges internationales Geld- und Finanzsystem entwickeln. Dies wurde von den Teilnehmern an den Wirtschaftsgesprächen ‚Ein neues Stadium der Geld-, Finanz- und Wirtschaftskooperation zwischen der EAWU und der VRCh. Globale Transformationen: Herausforderungen und Lösungen‘ vereinbart, die am 11. März in Form einer Videokonferenz abgehalten wurden. Es wird erwogen, daß das System auf einer neuen internationalen Währung beruhen soll, die berechnet wird als ein Index der nationalen Währungen der teilnehmenden Länder und von Wirtschaftsgütern. Der erste Entwurf soll bis Ende März zur weiteren Diskussion vorliegen. Wie Sergei Glasjew, Minister für Integration und Makroökonomie der Eurasischen Wirtschaftsunion betonte, ist China das erste Land der Welt, daß in die Phase der nationalen wirtschaftlichen Erholung eingetreten ist.“[14]

Die Eurasische Wirtschaftsunion ist ein Zusammenschluss von Armenien, Belarus, Kasachstan, Kirgisistan und Russland zu einem Binnenmarkt mit Zollunion. Diese Staaten haben zusammen mit China vereinbart, ihren Handel künftig mit einer neuen, noch zu schaffenden Währung abwickeln zu wollen, was bedeutet, daß der Wirtschaftsaustausch dieser Länder außerhalb des Dollarsystems stattfinden wird. Indien hat angekündigt, eine größere Menge von Öl auf der Basis des Austauschs von Rupien und Rubel erwerben zu wollen. Saudi-Arabien soll in Erwägung ziehen, für den Verkauf von seinem Öl an China chinesische Yuan zu akzeptieren.[15] Der Verfall des US-Dollars in seiner Rolle als Weltreservewährung schreitet damit erheblich schneller voran, als alle Experten vorausgesehen haben. Dagegen haben die westlichen Sanktionen gegen die russische Wirtschaft bisher nicht die erhofften Wirkungen gezeitigt, im Gegenteil, es ist eine deutliche Stabilisierung der russischen Finanzmärkte zu verzeichnen.[16]

Am 21. März 2022, also nur drei Tage nach der Videokonferenz zwischen Joe Biden und Xi Jinping, rief Secretary of State Antony Blinken die Volksrepublik China dazu auf, „ihren fortgesetzten Genozid und ihre Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Xinjiang, ihre repressive Politik in Tibet, ihr Vorgehen gegen fundamentale Freiheitsrechte in Hongkong und ihre Menschenrechtsverletzungen zu beenden.“ Weiter erklärte Blinken: „Die Vereinigten Staaten wenden sich gegen die Bemühungen [chinesischer] Offizieller, Mitglieder ethnischer und religiöser Minderheiten, darunter auch solche, die im Ausland Sicherheit suchen, und US-Bürger, die sich für solche schutzlosen Bevölkerungsgruppen einsetzen, zu belästigen, einzuschüchtern, zu überwachen und zu verschleppen. Wir sind zum Schutz der Menschenrechte rund um die Welt verpflichtet, und wir werden alle unsere diplomatischen und wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen, um Rechenschaft zu erwirken.“[17]

Kurz danach „twitterte“ Blinken:

„Die Verantwortlichen für Menschenrechtsverletzungen müssen auch weiterhin mit Konsequenzen rechnen. Die Vereinigten Staaten haben Maßnahmen gegen Offizielle der VRCh beschlossen, die versuchen, Dissidenten und Menschenrechtsaktivisten innerhalb und außerhalb Chinas einzuschüchtern, zu drangsalieren und zu unterdrücken.“[18]

Wer diese chinesischen Offiziellen sind, darüber hat das Department of State bisher nichts verlauten lassen. Ungeachtet dessen ist diese Ankündigung Blinkens der erste Schritt auf der Eskalationsleiter der Sanktionen, die die USA  gewöhnlich gegen mißliebige Staaten verhängen.

Darüber hinaus stellt der „Tweet“ Blinkens nichts anderes als eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas dar, ein Schritt, auf den die chinesische Führung in aller Regel äußerst empfindlich reagiert. Wenn nicht irgendjemand in Washington einigen offenbar außer Kontrolle geratenen Politikern wie Antony Blinken, Jake Sullivan und Victoria Nuland in den Arm fällt, dann droht der „kollektive Westen“[19] in einen wirklich großen Wirtschaftskrieg mit Rußland und China zu geraten, einen Krieg, den er unmöglich gewinnen kann. So gesehen könnte die Krise um die Ukraine nur das Vorspiel zu einem sehr viel größeren Konflikt sein.

[1] Military briefing: Russian losses mask Ukraine’s vulnerabilities, Financial Times, hinter Bezahlschranke; https://www.ft.com/content/0be1bc1a-6a9e-4ae0-b7d2-1d31018f14ca

[2] Defeat of „Donbass“ battalion. Turkey S400 to Ukraine. Protests in Spain & Greece. Update 1, Alex Christoforou 21. März 2022; https://www.bitchute.com/video/YFaPqFxXVbw/

[3] Russian special military operation in the Ukraine – Day 19, The Vineyard of the Saker 15. März 2022; http://thesaker.is/russian-special-military-operation-in-the-ukraine-day-19/

[4] Defeat of „Donbass“ battalion. Turkey S400 to Ukraine. Protests in Spain & Greece. Update 1, Alex Christoforou 21. März 2022; https://www.bitchute.com/video/YFaPqFxXVbw/

[5] Gonzalo Lira on “Five Random Topics” The Vineyard of the Saker 15. März 2022; http://thesaker.is/gonzalo-lira-on-five-random-topics/

[6] Gonzalo Lira – live stream from Kharkov (recording), The Vineyard of the Saker 21. März 2022; http://thesaker.is/gonzalo-lira-stream-from-kharkov/

[7] Larry Johnson, Russia Exploits Ukraine’s Western Flank – Target of One Bombing was NATO-Connected Training Facility in Ukraine, Gateway Pundit 19. März 2022; https://www.thegatewaypundit.com/2022/03/russia-exploits-ukraines-western-flank/;

Russia says it used hypersonic missiles in Ukraine for first time, Aljazeera 19. März 2022; https://www.aljazeera.com/news/2022/3/19/russia-uses-advanced-hypersonic-missiles-in-ukraine-for-first-tim; „The destruction of armies rather than the capture of cities“ (Live), The Duran 21. März 2022; https://www.bitchute.com/video/tGJf60o9-mk/

[8] Briefings by Russian Defence Ministry,  The Vineyard of the Saker 21. März 2022;

http://thesaker.is/briefings-by-russian-defence-ministry/

[9] Vladimir Putin waves the flag in a polarised country where views are hard to shift

The Guardian 19. März 2022; https://www.theguardian.com/world/2022/mar/19/vladimir-putin-waves-the-flag-in-a-polarised-country-where-views-are-hard-to-shift

[10] Chen Qingqing/Fan Anqi, US fails to trap China over Ukraine at Yang-Sullivan meeting, Global Times 15. März 2022; https://www.globaltimes.cn/page/202203/1254976.shtml

[11] Yang Jiechi Meets with US National Security Advisor Jake Sullivan, Ministry of Foreign Affairs of the People’s Republic of China, 15. März 2022;

https://www.fmprc.gov.cn/mfa_eng/wjdt_665385/wshd_665389/202203/t20220315_10651810.html

[12] President Xi Jinping Has a Video Call with US President Joe Biden, Ministry of Foreign Affairs of the People’s Republic of China, 19. März 2022; https://www.fmprc.gov.cn/mfa_eng/zxxx_662805/202203/t20220319_10653207.html

[13] India, US have different priorities, M. K. BHADRAKUMAR, The Indian Punchline 23. März 2022; https://www.indianpunchline.com/india-us-have-different-priorities/

[14] Sitrep : Sanctions and quite major economic news, The Vineyard of the Saker 15. März 2022; http://thesaker.is/sitrep-sanctions-and-quite-major-economic-news/

[15] Petrodollar Cracks: Saudi Arabia Considers Ditching The Dollar For Chinese Oil Sales, Zerohedge 16. März 2022; https://www.zerohedge.com/markets/petrodollar-cracks-saudi-arabia-considers-accepting-yuan-chinese-oil-sales

[16] Half Mariupol Under Russian Control, Zelensky Open to Talks on Crimea, Donbass, US Sanctions China, Alexander Mercouris 22. März 2022; https://www.bitchute.com/video/zE5A2X3Hfvk/

[17] US Unexpectedly Sanctions China Officials Hours After Demanding Beijing Condemn Russia, Zerohedge 22. März 2022; https://www.zerohedge.com/markets/us-expands-travel-bans-chinese-officials-hours-after-demanding-beijing-condemn-russia

[18] https://twitter.com/SecBlinken/status/1506001259907665936?ref_src=twsrc%5Etfw

[19] Dieser Begriff hat sich mittlerweile in den russischen Medien eingebürgert und bezeichnet die USA, Kanada, Großbritannien, die Europäische Union, Australien, Neuseeland, Japan und Südkorea.

 

 

 

 

 

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