Wie gut haben wir es doch gehabt!

von Prof. Dr. Eberhard Hamer, Mittelstandsinstitut Niedersachsen e.V.

Der Autor ist nun bald 90 Jahre alt, hat noch den Krieg mitgemacht, das Nazi-Reich, den Zusammenbruch der Ideologie, das Wirtschaftswunder in Westdeutschland, den Niedergang der Verwaltungswirtschaft in Ostdeutschland und dessen Zusammenbruch 1989, den Wiederaufbau der ehemaligen DDR und jetzt die Wende schon wieder zu einer neuen Ideologie-Vorherrschaft erlebt.

Die Zwischenzeit zwischen den beiden für Deutschland schädlichen Ideologie-Phasen war zum Glück eine dauernde Friedenszeit, die wirtschaftliche beste Zeit, die eine Generation je bei uns erlebt hat und eine Zeit, in der wir die höchste persönliche Entfaltungs- und Handlungsfreiheit hatten.

Wir Alten können dankbar sein für unsere ausgezeichnete Lebensphase. Wir haben alles, was wir uns gewünscht haben, brauchen nicht mehr viel und brauchen vor allem vor der kommenden Wirtschafts- und Gesellschaftskrise und vor dem Wohlstandsverlust, welchen die Öko-Ideologen nun herbeipolitisieren (Ökologie statt Ökonomie) keine Angst mehr zu haben. Selbst wenn unser Einkommen wie 1930 um ein Drittel sinken würde, könnten wir Bescheidenheit gewohnte Generation noch ausreichend leben. Wir brauchen also für unsere letzten Jahre keine Angst mehr vor der Zukunft zu haben.

  1. Schon unsere Erziehung war bis Kriegsende anders als heute: Wir wurden in Schule und Elternhaus mit der Verpflichtung erzogen, Elite zu werden und uns daher mehr anzustrengen, als andere, mehr zu wollen, mehr zu leisten und auch menschlich Vorbild zu werden. Das hat meine Lebenseinstellung und meinen Aufstieg im Leben bis heute bestimmt. Und deshalb habe ich kein Verständnis für die Spaßschule, New-Age-Pädagogik, die neue „Lernkultur“, bei welcher der Schüler weitgehend selbstgesteuert und individualisiert das lernen soll, was er selbst will, die Absenkung der Leistungsanforderungen in den Klassen, im Abitur und sogar in den Hochschulen[1] und demgemäß eine Einstellung der Schülermehrheit weg vom Lernen und hin zum Erleben[2].

Jede Generation hat das Recht, ihre Lebens- und Lernziele zu bestimmen. Unsere hatte jedenfalls mit ihren Zielen Erfolg. Ob die Ideologie- und Selbstverwirklichungsziele der nächsten Generation gleichen Erfolg haben, ist zu bezweifeln, wenn (nach dieser) der Bildungsstand in Deutschland nicht zuletzt wegen der Massenimmigration ständig sinkt, wir aber in Weltkonkurrenz mit bildungshungrigen und bis zur Selbstverleugnung fleißigen Konkurrenzvölkern (z.B. China) stehen. Satte Völker sind immer wieder in der Geschichte abgesunken. Eine satte Generation dürfte kaum Exportweltmeister bleiben.

  1. Wir waren nach dem Kriege alle arm und schon als Kinder gewöhnt, uns durch Arbeit[3] selbst das zu verdienen, mit dem wir unsere Wünsche bezahlen konnten. Ohne Eigenleistung keine Wunscherfüllung!

Heute erwarten zu viele Menschen ein Leben auf Kosten anderer. Zwei Drittel unserer Bevölkerung sind Transferleistungsempfänger. Das Recht, ohne Arbeit ausreichend unterhalten zu werden, ist nach dem Bundessozialgericht in Deutschland „Menschenrecht“, so dass es hunderttausende von Mehrgenerationen-Karrieren in Hartz-IV gibt und Millionen Gescheiterte aus der ganzen Welt zu uns kommen, um dieses Sozialparadies ohne Arbeit mitzugenießen. Folglich wird auch bereits das „Grundeinkommen ohne Arbeit“ von den neuen Regierungsparteien gefordert, dagegen die Eigenleistung, insbesondere des noch fleißigen Mittelstandes mit den höchsten Steuern und Sozialabgaben der Welt belastet und enteignet. Leistung soll sich nicht mehr lohnen, Sozialleistung ist bereits für die Mehrheit lohnendere Einkommensbasis.

Ob diese von der neuen Regierung verschärft betriebene Entwicklung zukunftsfähig ist?

  1. Wir Alten haben im Nazi-Reich noch erlebt, wie der Staat alles regelte, uns zu Handlungen zwang und die Freiheit des Denkens, des Handels scharf reguliert wurde. Was waren wir froh, als alle Nazi-Gesetze abgeschafft und wir deshalb höchste Handlungsfreiheit in Deutschland wiedergewonnen hatten. Die Unternehmen konnten aus eigenem Fleiß wachsen, weil sie Steuerfreiheit der im Unternehmen verbleibenden Überschüsse hatten. Die Menschen verdienten damals zwar brutto weniger, aber netto relativ mehr. Inzwischen werden die Unternehmen zu über 70 % von gierigen öffentlichen Händen abgegriffen, haben junge Familien selbst bei zwei Verdienern kaum mehr eine Chance, sich im Leben Wohneigentum leisten zu können, lebt aber die Mehrzahl der Familien auch nicht mehr, um mehr Einkommen zu sparen, sondern sie wollen „verdienen, um Urlaub und Reisen zu machen, was zu erleben“ [4]. Nicht mehr aus Ersparnissen und Rücklagen wird ein besseres Leben im Alter erwartet, sondern aus staatlichen Leistungen. Wir Alten haben die höchste Altersversorgung geschaffen und genossen, die je eine Generation hatte, aber nichts davon zurückgelegt, damit die nächste Generation gleiche Altersversorgung hätte. Wir Alten leben heute auf Kosten der nächsten Generation, ohne dass diese die gleiche Chance hätte[5].

Dennoch wird diese Ausbeutungspolitik der Sozial- und Alterssicherungssysteme politisch nicht geändert.

  1. Während des Wirtschaftswunders nach dem letzten Kriege blieb Sparen eine der Säulen zur Verbesserung unseres künftigen Lebensstandards. Entsprechend gab es politische Mehrheiten dafür, dass auch der Staat sparen musste. So stieg der private Wohlstand aller.

Wer heute spart, verliert sogar durch Nullzins und Inflation ständig einen Teil des Sparkapitals. Eine verantwortungslose Finanzpolitik hat seit Merkel immer höhere Schulden angehäuft, den Geldwert durch „Gelddrucken“ dramatisch entwerten lassen und eine Schuldenspirale nicht nur national aufgebaut, sondern darüber hinaus vor allem international [6] die Haftung der europäischen Schuldenunion mitübernommen, haftet für jedes Pleiteland und für jede spekulative Großbank in Europa und hat sogar die Finanzierung von korrupten Regierungen und Staaten[7] übernommen. Wir haben also unserer nächsten Generation Schulden hinterlassen, die nicht mehr bezahlbar sind, haben das Geld entwerten lassen und haben bewusst oder in Unkenntnis[8] die größte Verschuldung der deutschen und europäischen Geschichte an die nächste Generation transferiert.

Die nächste und übernächste Generation ist allerdings durch politische Unterstützung der Schuldenmacher selbst mit am kommenden Finanzcrash schuld. Wir Älteren haben zwar gewarnt, wurden damit aber politisch nicht ernst genommen. Wenn die nächste Generation uns wie wir früheren fragt: „Warum habt Ihr das geschehen lassen?“, wird sie die Schuld auch bei sich selber suchen müssen. Sie selbst hat die politischen Schuldenmacher gewählt und wird selbst den Schaden tragen müssen.

  1. Für uns Alte ist die von der Jugend gewollte gesellschaftliche Veränderung fremd und teuer. Wenn wir in den Innenstädten inzwischen sogar mehrheitlich Menschen fremder Völker sehen und wissen, dass der größte Teil von ihnen aus unseren Sozialabgaben auf Dauer bezahlt werden muss, zweifeln wir an dem Sinn der dafür eingeforderten „Solidarität“. Wir hatten früher noch die Situation, dass nicht wie in vielen Schulklassen inzwischen Ausländermehrheiten mit problematischen Bildungskategorien waren, sondern dass die 10 Gebote und Preußischen Tugenden für alle galten. Die heutige Welt ist uns fremd geworden, mit fremden Sprachen, fremden Kulturen, fremden Gebräuchen, fremden Gefahren und den wachsenden fremden Ansprüchen. Wir zahlen deshalb nicht mehr Abgaben- und Sozialsolidarität nur für das eigene Volk, sondern immer mehr für Fremde und die ganze Welt. Darf man uns für die menschlichen Schicksale der ganzen Menschheit zur Kasse bitten?

Vielleicht wird die nächste Generation mit solchen Ansprüchen besser zurechtkommen und trotz dramatisch steigender Soziallasten diese selbst politisch gewünschte Entwicklung später nicht bedauern. Ökonomisch war dies jedenfalls selbstschädigend.

[1] Bachelor oder Master statt Diplom und Staatsexamen

[2] Fridays for Future

[3] Nachhilfestunden bei anderen Schülern, Hilfsarbeiten in Gastronomie u.a., als Nachtwächter, Organisten usw.

[4] Befragung des Mittelstandsinstituts Niedersachsen 2012 = 62 %

[5] Insbesondere wegen des Betruges, dass die heutige Generation wegen des Umverteilungs-verfahrens umso höhere Sozialleistungen zahlen muss, je mehr sie verdient, aber selbst nur einen Bruchteil der für die heutige Generation geleisteten Abgaben erwarten kann, weil wegen der Bevölkerungsstruktur die relative Erwerbstätigkeit ab-, aber die Zahl der Rentner und Sozialanspruch-steller, vor allem durch den Massenzuzug von ausländischen Anspruchstellern, scharf zunehmen wird. Von den heutigen hohen Rentenbeiträgen hat also die heutige arbeitende Generation selbst nichts mehr.

[6] Europa mehr als 3 Billionen Schulden, für die die Bundesregierung leichtsinnig die Haftung übernommen hat (Schuldenunion), Schäuble: Haftung ist keine Zahlung!

[7] Z.B. Ukraine, Italien, Frankreich, Griechenland

[8] Z.B. finanzpolitisches Unwissen der Bevölkerungsmehrheit oder Baerbock-Bildungsniveau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.